Es ist harter Tobak, der in der aktuellen Ausgabe der Wild und Hund zu lesen ist. "Flächenbrand in Bayern - Demontage der Jagd" lautet die Überschrift des Textes, dessen Lesen überaus nachdenklich macht.
Worum geht es?
Wild und Hund:
"Eine Clique von Ministerialen und Beamten im Landwirtschaftsministerium hat auf allen Ebenen der herkömmlichen jagd den Krieg erklärt. Ziel ist es, das traditionelle Bild der Jagd, wie es der Landejagdverband (BJV) repräsentiert, zu demontieren und zu zerstören."Stein des Anstosses ist ein Projektbericht zum Waldumbau des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Von verfilzten Strukturen der Jagd und uneinsichtigen Jägern soll die Rede sein. Das enge soziale Geflecht von Jägern und Waldbesitzern wolle man gezielt sprengen. Es gehe um die aktive Besetzung des Themas, was gute Jagd ist. Um eine Gleichsetzung von ÖJV und BJV. So, wie das Rauchverbot mit einer Umwidmung des des Rauchers vom Genussmenschen zum suchtkranken Egoisten begonnen habe, wolle man nun mit dem Thema zeitgemäße Jagd umgehen. Und all' das unter Ausnutzung staatlicher Mittel und Ressourcen, flankiert von dem alles tragenden Grundsatz "Wald vor Wild". (Artikel online abrufbar auf
jagd-bayern.eu)
Sofern die Berichterstattung zutrifft fragt man sich glatt, wo nun eigentlich "verfilzte Strukturen" zu finden sind. Wir weit die Verbindungen des ÖJV in die Ministerien hinein reichen, ist seit jeher ein offenes Geheimnis. Skandalös tritt nun aber zu Tage, wie krass Politik gegen die traditionelle Jägerschaft im verborgenen gemacht wird.
Man kann wohlwollend die Auffassung vertreten, dass hier jemand schlicht und ergreifend seine Möglichkeiten, die sich aus der Besetzung wichtiger Schaltstellen er genutzt hat. Die Tragweite der Äußerungen, das heimliche Vorgehen und die bewusste Ausnutzung von Amtsstellungen zwingen hingegen zu einer anderen Bewertung. Intrigant, diffamierend und ideologisierend sind leider die treffenden Attribute.
Bezeichnend ist es insoweit, dass Staatsminister Brunner das Papier mittlerweile für gegenstandslos erklärt hat und sich von darin getägtigten Äußerungen
distanziert:
"Von den darin getroffenen, völlig überzogenen Formulierungen zur Jagd und zum Bayerischen Jagdverband distanziere ich mich in aller Deutlichkeit. Derartige Aussagen sind nicht mein Stil und gehören auch nicht zum Stil meines Hauses. Der Leiter der Forstverwaltung, Herr Ministerialdirigent Windisch, hat sich deshalb beim Präsidenten des Landesjagdverbandes bereits ausdrücklich entschuldigt. Darüber hinaus habe ich das Arbeitspapier gestern offiziell für gegenstandslos erklärt. Wegen der unberechtigten pauschalen Vorwürfe gegenüber unserer Jägerschaft wird dieses Papier keinerlei jagdpolitische Bedeutung entfalten."Soweit. Sogut. Nur: Die für das Papier verantwortlichen Personen dürften nach wie vor in Amt und Würden sein und auch ihre Ansichten nicht geändert haben. Wie aber soll man nach solchen Diffamierungen seitens der Jägerschaft so noch Vertrauen in eine sachgrechte Jagdpolitik haben? Diese Frage hat nicht nur Gewicht für Bayern. Denn auch in anderen Bundesländern dürften ähnliche massive Einflußnahmen nahe liegen. So erscheinen denn auch die jüngsten jagdlichen Reformvorhaben in einem ganz anderen Licht.
Ich sage es immer wieder: Der ÖJV hat in einigen Punkten Recht. Manche Position ist begrüßenswert und seine Existenz könnte belebender Gegenpol zu der "Allmacht" der traditionellen Jagdverbände sein. Aber nicht auf diese Art und Weise. So muss man sich nämlich einmal mehr die Frage stellen, ob man es nicht im Grunde mit jagenden Jagdgegnern zu tun hat.
Bedauerlich.