Endlich wieder Drückjagd! Und dann auch noch eine der größeren Sorte: Über 1000 Hektar. 160 Gewehre. Rotwild, Sauen, und, und, und. Ich gebe zu, ich hatte kurz gezögert. Schließlich war die Einladung vom Forst gekommen, dessen Herangehensweise an das Thema Jagd nicht immer deckungsgleich mit meinen Ansichten ist. Andererseits wird man an der Teilnahme an einer solchen Jagd auch nicht dümmer. Und wenigstens Wildschweine hat's im Staat auch zu viel.
Frohen Mutes ging es also am frühen Morgen los. Das Wetter versprach einen herrlichen Jagdtag. Nur leichte Wolken hingen über dem Hunsrück, als ich am Sammelplatz ankam. Anhand der ausgewiesenen Parkzonen und den bunt gemischten Autokennzeichen merkte man direkt, dass hier in der Tat eine größere Jagd von statten gehen würde. Trotzdem war es ein leichtes, in der Anhäufung grün-orange gekleideter Menschen einige bekannte Gesichter auszumachen. Und auch noch für das eine oder andere Schwätzchen mit eben jenen war noch Zeit, bis die Korona vom Jagdleiter vergattert wurde. Man kennt das ja....
Nach den ausgiebigen Erläuterungen zu Ablauf, Sicherheit und Freigabe setzte geschäftiges Treiben ein. Gruppenweise rückten die ersten Schützen ab und auch ich machte mich bald mit meiner Folge auf den Weg - gespannt und voller ungewisser Erwartung, was der heutige Jagdtag wohl bringen würde. Eine komische Anspannung ist es stets, die einen auf diesen letzten Metern im Auto begleitet, in denen man kolonne-fahrenderweise immer tiefer in den Wald hineingelangt.
Unsere Folge hatte einen licht bewachsenen Streifen zwischen zwei Fichtenbeständen in Hanglage zu besetzen. Dabei lagen die Drückjagdstände noch in Sichtweite zueinander. Der Blick auf die Karte des befreundeten Anstellers zeigte, dass wir mitten im Herzen des Geschehens standen. Verheißungsvoll!
Ohne große Umschweife waren die Leitern erklommen. Meine Drückjagdleiter stand im Übergang des Hanges zum rechts neben mir liegenden Plateau, auf dem wir standen. Nach links fiel der Höhenzug ab in ein dicht mit Fichten bewachsenes, enges Tal. Irgendwie hatte ich es im Blut, dass es hier gut werden könnte. Die Spannung stieg noch einmal an.
Trotzdem bestand keine Veranlassung, hektisch zu werden. Es war viertel vor elf. Erst eine halbe Stunde später sollten die Hunde geschnallt werden. Da wie üblich aber Schießen von Anbeginn erlaubt war, lud ich zunächst das Gewehr, stellte die Vergrößerung des Zielfernrohres herunter und schaltete den Leuchtpunkt ein. Damit war das essentielle erledigt und ich konnte mich langsam aber sicher dem Hungergefühl in meinem Bauch zuwenden, das sich schon seit einiger Zeit bemerkbar gemacht hatte, nun aber eindringlich nach etwas zu essen verlangte. Sträflicherweise hatte ich am Morgen das Frühstück ausgelassen - halb aus Zeitnot, halb aus Faulheit.
Umso mehr war ich froh dass ich wusste, in meinem Rucksack eine Tüte mit Würstchen und frischen Brötchen zu finden. Nach kurzem Gewühle meiner Hand entlang von Munitionsschachtel, Wasserflasche und Handy fand ich über dem Pullover das Ziel meiner Begierde.
Ich war noch dabei, den ersten Bissen des Würstchens zu kauen, als ich ein Stück Brötchen in den Mund schob, um mich an diesem noch im gleichen Augenblick fast zu verschlucken. Am gegenüberliegenden Fichtenrand stand - eine Sau! Das heisst: Da hatte eben noch eine Sau gestanden. Denn diese hatte sich nun in meine Richtung in Bewegung gesetzt. Und dort, wo sie eben noch gestanden hatte, zeichnen sich bereits die Umrisse einer zweiten im Dunkel der Fichten ab. In diesem Moment hatte ich schon das Gewehr zur Hand. Immer mehr Wutzen quellten aus dem Fichtenwald und hielten schnurstracks auf mich zu. 6, 8, 12... Auch ein ganzer Haufen brauner Frischlinge ist dabei. Denen würde es nun gelten.
Leichter gesagt, als getan! Wie an einer Perlenkette kam die ganze Rotte spitz auf mich zu. An einen Schuss war aus diesem Winkel nicht zu denken. Und schon hatten sie die Hälfte der Fläche meines Schussfeldes überquert. Gerade war der Punkt erreicht, an dem sich meine Nachbarn gedacht haben mögen: "Warum schießt der Idiot denn nicht?", da drehte die Leitbache leicht bei, von meinem Sitz weg. Nun war das Spiel entschieden. Zu meinen Gunsten.
Zwei Frischlinge aus der Rotte bleiben bei mir. Ein unfassbarer Start einer Jagd, die eigentlich noch gar nicht begonnen hatte! Wie würde das bitteschön weitergehen? Für's erste war ich aber einfach hochzufrieden. Die beiden Wutzen waren absolut passend und lagen wie auf dem Präsentierteller dreißig Meter vor meinem Sitz. Ahhh, diese Bilder, diese Spannung... Für jemanden, der es noch nicht erlebt hat nicht nachzuvollziehen. Alle anderen werden wissen, was ich meine.
Bald darauf begann auch für alle anderen die Jagd. Hunde jagten und Schüsse fielen. Mehr als einmal ging die Hatz nahe an mir vorbei. Doch zunächst erschien nichts mehr auf der Bildfläche.
Dann aber hörte ich einen Hund in meinem Rücken jagen. Untrüglich bewegte er sich auf uns zu. Na, das konnte interessant werden. Denn immerhin war zuvor nach meinen Schüssen die Rotte Sauen in diese Richtung geflüchtet. Bald darauf bestätigte sich der Verdacht und ich sah erneut zwei Frischlinge auf mich zukommen. Nur eben aus der anderen Richtung. 50 Meter vor dem Sitz teilten sie sich. Einer nahm den Weg oberhalb, hinauf zum Nachbarn. Der andere hielt die Richtung, um unmittelbar unterhalb meines Sitzes an mir vorbeizuwechseln. Ich ging in Anschlag, zog mit und ließ die 8x57 aus dem Lauf. Dies schien den Frischling zu meiner großen Verwunderung kalt zu lassen. Nun gut. Eine spätere Kontrolle des Anschusses würde vielleicht mehr ergeben.
Bis dahin geschah auch nicht mehr viel. Ich sah noch ein Stück Rehwild vorbeihuschen. Und ein Fuchs schlawenzelte mehrfach um mich herum. Nur konnte ich mich nicht mehr erinnern, ob Füchse freigegeben waren. Wie sich später herausstellte, waren sie es. 1:0 Fuchs.
Um viertel vor zwei war Hahn in Ruh'. Die Kontrolle des Anschusses ergab einen tiefen Kugelriss im Waldboden. Sonst nichts. Ich denke, ich habe im Eifer des Gefechts auf zu kurze Distanz geschossen und das Wutzchen mit dem großen 56er Glas unterschossen. Aber nunja: Mit den anderen beiden Frischlingen, hatte ich mein Soll ohnehin erfüllt.Am Ende des Tages lagen 17 Stück Rotwild, 14 Sauen, 14 Rehe und 4 Füchse. Eine Drückjagd, an die ich noch zurückdenken werde.





5 Kommentare:
Schön geschrieben und ein tolles Erlebnis!
Herzliches Waidmannsheil!
hem
Diesen Morgen hätte ich auch gerne geteilt: Gerade noch gegessen und dann kommen sie schon. Und, das muss wieder Mal gesagt werden: Schönes Kaliber 8x57 IS. Waidmannsheil. Rudolf
Waidmannsdank!
Waidmannsheil zu den Sauen.Nur schade daß du es nicht filmen konntest,hätte mir gerne das Video angesehen.
Gruß CT
Waidmannsdank! Das Video hätte ich selber auch gerne. Total ägerlich: hatte extra ein Stativ dabei. Die Kamera war auf stand-by auf die Stelle des Geschehens ausgerichtet. Nur vergaß ich vor lauter Sauen und Würstchen kauen, den Auslöser zu drücken. zum Glück passierte das nicht auch mit dem anderen Auslöser am gewehr!
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