Gerade erst haben die Länder damit begonnen, ihre Landesjagdgesetze kraft neu gewonnener Kompetenz nach der Föderalismusreform zu überarbeiten, da manifestiert sich in Berlin Interesse an einer Änderung des Jagdrechts auf Bundesebene.
Am 26.11.2010 lädt die Bundestagsfraktion der Grünen zu einem Fachgespräch in Berlin ein. Titel der Veranstaltung: "Der Wald-Wild-Konflikt - Welches Jagdrecht braucht der Wald?". Nachtigall ick hör' Dir trapsen! Schon der Titel lässt erahnen, aus welcher Ecke die Initiative kommt und wohin die Reise geht. Da hat man seitens der Forstwirtschaft und des ÖJV offenbar einen willigen Erfüllungsgehilfen gefunden. Dabei kann angesichts folgender Äußerungen im Positionspapier bezweifelt werden, ob es den Grünen wirklich um eine ergebnisoffene Diskussion geht:
"Wir Grüne sehen die Probleme, die es in Wäldern und in der Landwirtschaft mit überhöhten Schalenwildbeständen gibt. Vielerorts ließen sich die Probleme innerhalb des bestehenden Jagdrechts lösen, wenn sich alle beteiligten Akteure demselben Ziel verpflichtet sähen. Uns geht es aber darum, mithilfe des Jagdrechts die Probleme flächendeckend auch dort zu lösen, wo bisher nur ein Teil der Akteure das Ziel waldverträglicher Wilddichten verfolgt."
Na, da hat jemand aber den Köder ganz tief geschluckt. Es dürfte wohl eine Premiere sein, dass die Grünen ökonomische Interessen höher bewerten, als tatsächlich ökologische. Wahrscheinlich hat Ihnen schlicht und ergreifend niemand erklärt, dass jene Position unter anderem mit einer immer weiteren Zurückdrängung des Rotwildes einhergeht. Vermutlich ist auch die Erkenntnis noch nicht gereift, dass geringere Schalenwilddichten in erster Linie über eine Erhöhung der Abschusszahlen zu erreichen ist. Ob das der geneigte grüne Wähler versteht?
So ganz passt diese Haltung ohnehin nicht zu den letzten Aussagen der Grünen. Erst kürzlich hatten diese eine Anfrage im Bundestag zum Thema Wildtiermanagement gestellt. In einer Replik auf die Antwort der Bundesregierung führt die Bundestagsfraktion der Grünen an, man sehe es kritisch, dass die Bunderegierung Land- und Viehwirte von den ihnen durch Biber und Wolf entstehenden Schäden freistellen wolle:
"Eine vollumfängliche Entschädigung, wie sie die Bundesregierung befürwortet, sehe ich durchaus kritisch. Denn dies senkt das Eigeninteresse der Landnutzer, die nötigen Maßnahmen der Schadensprävention zu ergreifen. Eine Teilentschädigung erscheint da sinnvoller. Aus unserer Sicht sollten Entschädigungen ohnehin nur gezahlt werden, wenn die nötigen Vorsorgemaßnahmen auch ergriffen wurden. Doch zu diesen Vorsorgemaßnahmen will die Bundesregierung weder Ackerbauern noch Tierhalter noch andere Landnutzer verpflichten. Aber wer biologische Vielfalt will, muss ihr auch Raum geben. So wie der Biber seine Burg nur im Deich baut, wenn der direkt am Gewässer steht, so reißt der Wolf auch nur die Schafe, die nicht in sicheren Hürden stehen."
Die Grünen lassen mit dieser Aussage Land- und Viehwirte mit den auftauchenden Problemen alleine. Wie passt das zusammen? Einerseits sollen Land-, Viehwirte und Fischer selbst für den Schutz ihrer Flächen sorgen, soweit es nämlich um Wolf, Biber und Kormoran geht. Hier ist man bereit, auftretende Schäden als Ausfluss biologischer Vielfalt zu akzeptieren. Andererseits werden jetzt von derselben Fraktion Probleme von Landwirten und Waldbauern aufs Tableau gebracht, die aus zu hohen Schalenwilddichten resultieren sollen.
Konsequent ist diese Linie beileibe nicht. Einerseits macht man sich aus der vermeintlich grünen Ecke stark für die Rückkehr von Wölfen und Luchsen. Andererseits sind einem Wildbestände von Reh- und Rotwild ein Dorn im Auge. Das Dogma biologischer Artenvielfalt steht über allem. Wenn aber das mittlerweile hier heimische Muffelwild auf Dauer durch Wölfe bedroht ist, dann geht das in Ordnung. Im Zweifel wird diese Sichtweise damit begründet, dass das Muffelwild eben hier nicht seinen ursprünglichen Lebensraum hatte. Warum man dann aber aus gleicher Richtung die Neuansiedlung von Waschbären und Marderhunden als wertvolle Bereicherung unserer Fauna betrachtet, erschließt sich mir spätestens dann nicht mehr.
Wie auch immer. Der Streit um den "Wald-Wild-Konflikt" geht weiter und in eine neue Runde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Günen autonom auf dieses Thema gestoßen sind. Mit Sicherheit haben hier die Forstwirtschaft und der ÖJV ihre bisweilen enge Verbandlung mit den Grünen genutzt, um dem Thema nochmals neuen Schub zu geben. Man wird offenbar nicht müde, das Dogma von "Wald vor Wild" auf die Agenda zu bringen. Ich denke, der Versuch die Diskussion nun auf die Bundesebene zu verlagern ist vielleicht auch um dem Umstand geschuldet, dass die Umsetzung forstpolitischer Vorstellungen bei den Jagdrechtsreformen auf Länderebene offenbar weniger leicht gelingt, als womöglich vermutet. Jedenfalls ist die Jagdrechtsreform in Rheinland-Pfalz weit hinter den Erwartungen der Forstwirtschaft zurückgeblieben.
Mit Sicherheit stehen auch aufgrund dieses Fachgesprächs keine Änderungen ins Haus, die sich in naher Zukunft realisieren werden. Zunächst einmal fehlt es den Grünen derzeit an der entsprechenden Mehrheit, um eine Änderung des Bundesjagdgesetzes zu erreichen. Eine solche wird wohl auch auf entschiedenen Widerstand bei den Bundesländern treffen, die gerade erst in die Lage versetzt wurden, das Jagdrecht eigenständig und Bund unabhängig zu regeln.
Beides sind dennoch keine in Stein gemeißelten Zustände. Daher sollten diese Vorgänge von Anfang an entsprechende Beobachtung finden.




2 Kommentare:
Hallo lieber Wilderer :-)
ich habe eine ganz pragmatische Lösung für das Problem mit den Grünen. Meiner Meinung nach sind die Grünen derzeit Opfer ihrer eigenen Philosophie geworden, d.h. man kann sich von den wilden Gründungstagen in den 80ern, vom Rebellentum nicht lösen und sucht wie damals Greenpeace, als diese weltweit Chlor verbieten wollten, also ein Element, nach einer Aufgabe. Rationaler Umweltschutz ist das nicht mehr.
Mein Lösungsansat: Wir treten als Jäger geschlossen in die Partei der Grünen ein und bringen die Themen wieder in eine rationale Richtung zurück. Es gibt laut Wikipedia in Deutschland nur 50.000 Mitglieder bei den Grünen, das sollte also zu schaffen sein. :-)
Ich weiß was besseres. Wir entlarven die Grünen als das, was sie sind. Eine verfassungsfeindliche Partei.
Dann stellen wir einen Verbotsantrag und werden das Gesindel los...
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