Dienstag, 15. Juni 2010

DJV gegen Wald vor Wild

Wild und Wald, Wald vor Wild und der "Wald-Wild-Konflikt" bleiben aktuelles Thema unter Deutschlands Jägern. Nach dem Artikel "Reduktion um jeden Preis" in der aktuellen Wild und Hund und der Kampagne "Ich lass' das Reh im Wald" der Stiftung natur+mensch folgt nun eine weitere Reaktion der Jägerschaft. 

In seiner neuesten Stellungnahme lehnt der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) eine einseitige Forderung nach Wald vor Wild ab - und regt ein gemeinsames Vorgehen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Forstwirtschaft an. Umfangreich wendet sich der DJV gegen das Gutachten "Der Wald-Wild-Konflikt" - mit interessanten Erkenntnissen. Nicht das Wild ist Gefährdungsfaktor Nummer eins für den gesunden Wald - sondern die nach Schalenwildreduktion rufende Forstfraktion selbst...

So erstaunlich diese Erkenntnis alleine schon ist: Richtig kräftig muss man sich die Augen reiben, wenn man hört, dass diese Erkenntnis nicht von Jägerseite stammt. Sie stammt von Mitarbeitern des Bundesamtes für Naturschutz. Obwohl das BfN selbst Miturheber der Studie "Der Wald-Wild-Konflikt" ist, die das Schalenwild als größten Waldschädling ausmacht, bewerten fünf seiner Mitarbeiter fast zeitgleich die forstliche Nutzung als größten Gefährdungsfaktor für den Wald (Zeitschrift Natur und Landschaft 5/2010, S. 181 (184)). Wildschäden und jagdliche Einflüsse sieht man hingegen erst auf dem 14. Platz. Wie kann das sein? Vor allem: Wie kann das Gutachten "Der Wald-Wild-Konflikt" zu so einer gravierend abweichenden Bewertung kommen?

Wie so oft in solchen Situationen muss man davon ausgehen, dass eines der beiden Papiere Unrecht hat. Nur welches? Dabei ist es mit Sicherheit die Studie "Der Wald-Wild-Konflikt", welche die größeren Fragen aufwirft. Schon rein augenscheinlich war hier von Anbeginn eine ganz bestimmte Zielrichtung gewollt. Die Studie fragt nur nach negativen Auswirkungen des Wildes auf den Wald und lässt von vorneherein alle anderen Faktoren außer Betracht. Obwohl man sich auf die Fahnen geschrieben hat, einen ökologischen Waldumbau voranzutreiben, wird die Problematik einseitig beleuchtet. 

Ob dies seine Ursache darin findet, dass die Akteure einen Tunnelblick für die Problematik entwickelt haben, eine gewisse Hilflosigkeit vorherrscht oder man ganz gezielt gegen Jägerschaft vorgehen wollte, lasse ich an dieser Stelle dahingestellt. Fakt ist: Der "Wald-Wild-Konflikt " ist ein weiterer Mosaikstein der seit Jahren andauernden Kampagne gewisser Lobbygruppen gegen Jagd und Jäger. Fakt ist: Schadstoffbelastung, Freizeitnutzung oder andere vor der Wilddichte rangierende Gefährdungsfaktoren sind nicht oder nur unter größerem Widerstand zu relativieren, während das Wild kaum eine Lobby hat. Fakt ist: Bei der Studie "Der Wald-Wild-Konflikt" stehen die Jäger im Mittelpunkt - ohne beteiligt oder auch nur gehört worden zu sein. 

Insoweit liegt der Verdacht nahe, dass Tunnelblick, Hilflosigkeit und bewusste Kampagnenführung gleichsam zum Ergebnis der Studie beigetragen haben mögen. Dass man nun ausgerechet aus dem gleichen Hause erfährt, dass nicht das Wild, sondern die forstliche Nutzung selbst den von ihm angeblich anvisierten Waldumbau nachhaltig gefährden soll, verstärkt diesen Verdacht und hat eine fast urkomisch wirkende Pointe. Mehr, kann man sich fast gar nicht widersprechen.

Fast unverständlich ist daher die gezeigte Dialogbereitschaft des DJV. Seitens Forst, ÖJV, NABU und Co. kämpft man seit Jahren verbissen und mit harten Bandagen gegen die Jägerschaft. Von Dialogbereitschaft keine Spur. Im Gegenteil. Erinnert sei insoweit nur an die Situation in Bayern. Wie es scheint, hat man sich nun auf deren Seite mit dem "Wald-Wild-Konflikt" ein dickes Ei ins Nest gelegt. Anstatt nun freimütig über runde Tische nachzudenken, sollte man damit zuerst ein wenig Klopfen gehen. Das wird von der anderen Seite schließlich auch getan. Selbstverständlich müssen wir bei dieser ganzen Thematik im Blick behalten, dass es im Endeffekt nur gemeinsam geht.  Irgendwie. Auch Forst und ÖJV stehen uns näher, als Tierschützer und Jagdgegner  Andererseits: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. 

Die Kampagne "Ich lass' das Reh im Wald" war ein richtiger Schritt. In diese Richtung sollte es weitergehen. 

Weiterführende Beiträge:



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen