Die Zahlen, die die Jagdzeitschrift "Wild-und-Hund" in ihrer neuesten Ausgabe präsentiert, sind frappierend: In nur vier Monaten zwischen Januar und Mai 2009 verendeten sage und schreibe 141 Rinder, 226 Pferde und 574 Stück Rotwild. Verhungert. Eingegangen, weil der umzäunte Lebensraum von nur 5600 Hektar nicht zum Überleben reichte. Zum Vergleich: Der Chiemsee ist 1,5mal größer.
Entstanden ist das Gebiet durch den Versuch, einen Teil des südlichen IJsselmeeres trockenzulegen. Als das nicht vollständig gelang, überließ man die Landschaft sich selbst. So entstand ein Moorgebiet, das im Laufe der Zeit zu verbuschen begann. Dem wollte man entgegenwirken und siedelte ab 1992 Rotwild, Konik-Pferde und Heckrinder an. Man plante, sich die „Natur“ weitestgehend ohne menschliche Eingriffe entwickeln zu lassen. Deswegen bejagte man die "Serengeti hinter den Deichen" kaum . Nur in Ausnahmefällen erlegte man kranke Tiere. So ist es kaum verwunderlich, dass aus anfänglich 32 Heckrindern mit den Jahren über 2.000 Großsäuger wurden.
Seither wird das Projekt mehrfach und wiederholt als Beispiel für effektiven Naturschutz angeführt. Jagdgegner verweisen gerne auf unseren holländischen Nachbarn wenn sie uns glauben machen wollen, dass sich „die Natur“ auch ganz von selbst reguliert.
Es scheint jedoch wie so oft zu sein: Es klaffen erhebliche Lücken zwischen Theorie und Praxis. Und es kann doch sein, was nicht sein darf: Ein „natürliches Ökosystem“, dass sich selbst reguliert, gibt es in unserer zivilisierten Welt schon lange nicht mehr.
Freilich ist dass nur die halbe Wahrheit. Denn selbstverständlich ist das langsame und elendige Sterben, dass sich auch im „Rekordwinter“ 2009/2010 fortgesetzt haben wird, nichts anderes, als „natürliche“ Regulation. Wer aber kann und will in unseren Breiten Wildtierdichten von 35 Großsäugern auf 100 Hektar hinnehmen? Aktuell wird von den Forstämtern schon ein Zehntel hiervon als problematisch erachtet. Wer aber kann und will – egal ob Jäger, Tier- oder Naturschützer – ein solches, sinnloses Massensterben hinnehmen? Wer aber kann und will angesichts solcher Erkenntnisse in Abrede stellen, dass Jagd notwendig ist und sich die nachhaltige Nutzung eines natürlichen Wildbestandes allemal sinnvoller darstellt, als das Beobachten eines kollektiven Verhungerns.
Dabei ist die Erkenntnis nicht neu. Erst recht nicht in Deutschland. Auch hier mussten Naturschützer die bittere Erfahrung machen, dass der Traum von Selbstregulation eben in erster Linie ein Traum bleibt. Der NABU hatte in den vergangenen Jahren Heckrinder in Ostfriesland verhungern lassen. Die Verantwortlichen wurden wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zu Geldstrafen verurteilt.
So traurig diese Ereignisse auch sind: Wahrscheinlich sind sie notwendig, um effektiv nachzuweisen, dass die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für Flora und Fauna in unserer Welt ohne Jagd nicht möglich ist. In Bezug auf die Bejagung von Beutegreifern hat das die SOVON-Studie gezeigt. Ob es Zufall ist, dass auch diese Studie aus den Niederlanden stammt, wohin viele der deutschen Tier- und sich so bezeichnenden Naturschützer neidisch blicken?
Dort jedenfalls steht das Projekt auf dem Prüfstand. Das Parlament hat sich dazu durchgerungen, erste Maßnahmen zu ergreifen. Man will jetzt füttern.




12 Kommentare:
Herr Hunsrückjäger,
man kann dieses Gebiet nicht mit freier Natur vergleichen und man kann die Vorfälle dort auch nicht als Beweis für die Notwendigkeit der Jagd heranziehen.
erstens ist dieses Gebiet umzäunt und zweitens leben dort von Menschen angesiedelte Pferde und Rinder, die im Normalfall ja keine Jägerbeute darstellen.
Wenn Sie schon auf Gebiete verweisen und darauf ob es ohne Jagd funktioniert, dann suchen Sie sich doch bitte Gebiete, die nicht umzäunt und in denen keine domestizierten Haustiere angesiedelt wurden, die sich einen Lebensraum mit Wildtieren teilen.
Es ist ja klar, dass der Jäger solche aufgetretenen Probleme wie im vorliegenden Fall nur mit Abschuss regeln möchte, etwas anderes kann er nämlich nicht, als mit Waffengewalt die Natur zu manipulieren.
Hören Sie auch bitte auf, jedem Tierschützer oder Jagdgegner Ihre Verallgemeinerungen überzustülpen und diese als weltfremde Deppen hinzustellen.
Ich bin auch Jagdgegner, heisse aber die Vorfälle in diesem Gebiet nicht gut.
Ich bin jedoch der Meinung, dass es andere Lösungen gibt als gleich wieder draufloszuballern und dies dann als Beispiel heranzuziehen, dass es ohne Jagd nicht geht.
Noch was zum Abschluss: Was heute landauf-landab als "Jagd" verkauft wird ist nicht mehr als eine Spassballerei, ein Freizeitvergnügen, ein Hobby nebst allen Auswüchsen die hinlänglich bekannt sind. Ausgeführt von grösstenteils stümperhaft ausgebildeten Freizeitschiessern, die sich lediglich dank einer starken Lobby noch halten können.
Es wird Zeit, dass sich da etwas ändert bis zum endgültigen Verbot. Jagd, wenn überhaupt erforderlich, gehört in die Hand von wirklichen Fachleuten, die man unter der Hobbyjägerschaft vergeblich sucht.
Darauf werden Jagdgegner immer wieder hinweisen und zum Glück wird dies auch vermehrt von Regierungsverantwortlichen und normalen Bürgern so gesehen. Erste Ansätze, z.B. die Jagdgesetze endlich zu verändern sind vorhanden, weitere werden folgen, wenn vielleicht noch langsam.
Es wird auch Ihnen nicht mehr gelingen, indem Sie die Jagdgegner allesamt als Deppen, militant, naturentfremdet oder mit Bamby-Syndrom herumlaufend bezeichnen, damit auch deren Argumente zu schmälern. Ein billiger Versuch, wenn Ihnen Argumente fehlen, Ihr Bluthobby zu rechtfertigen.
Dass euer Hobby so schlecht angesehen ist, daran trägt ihr selbst die Schuld und mit eurer Vorgehensweise sägt ihr selber den Ast weiter ab, auf dem ihr noch sitzt.
Diese Äußerungen möchte ich so nicht unkommentiert lassen, weil sie so typisch die Mentalität der sogenannten Jagdgegner und Naturschützer wiederspiegeln.
Anstatt sachliche Argumente vorzutragen, wird mit Redewendungen wie "Spassballerei", "Bluthobby" oder "stümperhaft ausgebildeten Freizeitschießern" ein negatives Klischee bedient, das allerdings auch den so bezeichneten "hinlänglich bekannt" ist.
Die sachkundliche Ohnmacht des Verfassers offenbart sich dann in der Behauptung "Ich bin jedoch der Meinung, dass es andere Lösungen gibt als gleich wieder draufloszuballern und dies dann als Beispiel heranzuziehen, dass es ohne Jagd nicht geht."
Ja welche denn bitte, verehrter Autor?
Legen sie doch mal Fakten auf den Tisch statt nebulöser Sprüche!
Meinungen sind zwar schön und gut, sachdienliche Vorschläge aber deutlich besser!
Vielleicht sollte man ja - nach Ihrer Ansicht - statt menschlicher Regulation der Bestände darüber nachdenken, in dem betroffenen Gebiet das ökologische Gleichgewicht durch Einbürgerung großer Prädatoren wieder herzustellen?
Also rein ökologisch, biologisch!
Bären und Wölfe in den Niederlanden?
Dann hätte doch diese Naturschutzgebiet eine echte Chance, sich selbst in ein Gleichgewicht zu bringen, oder?
Aber würden Sie als Bürger dann gern in direkter Nachbarschaft des begrenzenden Zauns wohnen?
In meinen Augen ist dieses ganze Konzept Oostvaardersplassen ein typisches Beispiel dafür, wie eine an sich gut gemeinte Idee durch die sachliche Inkompetenz der dafür Verantwortlichen in eine ökologische Katastrophe geführt hat.
Etwas nur gut zu meinen reicht allein eben nicht aus!
Das durch diese unbelehrbare Haltung das Leiden der Tiere verlängert wird, deren Schutz sich die betreffenden Verbände auf Ihre Fahnen geschrieben haben, wird geflissentlich ignoriert, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf.
Das ist völlig inakzeptabel und entlarvt diese sogenannten "Naturschützer" als leere Phrasendrescher, denen die Ideologie wichtiger ist, als reales Leid.
Tut mir leid, mein lieber - bezeichnenderweise anonymer - Autor!
Aber mit diesem Statement haben Sie der Idee des Naturschutzes keinen Gefallen getan.
Hallo.
Diese Antwort ist wieder typisch. Jetzt auf einmal soll man dieses gebiet nicht mehr mir der freien Natur vergleichen dürfen! Dabei hat man doch seitens der Jagdgegner mir schöner Regelmäßigkeit darauf verwiesen und es als leuchtendes Beispiel dafür angebracht, das Jagd nicht notwendig sei.
Das ist auch das Problem: Jagdgegner machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt. Es wird mit Argumenten diskutiert, die plötzlich nicht mehr gelten sollen, wenn man sie widerlegt. Das ist auch logisch: Denn Jagdgegnerschaft beruht auf Sentimentalität und nicht auf der Tatsache, dass die Abschaffung der Jagd einen Nutzen für unsere Gesellschaft oder die Menschheit darstellt.
Außerdem: Das holländische Gebiet ist ja nicht der einzige Landstrich in Europa, in dem nicht gejagt wird. Auch im Kanton Bern hat man die Jagd nach einer Volksabstimmung "abgeschafft": Realität: Die landwirte leiden unter erheblichen Schadensdruck, müssen alle ihre Felder und Kulturen einzäunen. Tiere werden trotzdem totgeschossen von professionellen, teuren Wildschadensmanagern (sind wir ehrlich, das sind Jäger, nichts anderes).Und Hirsch- und Wildschweinbraten dürften nur noch für die Obeklasse erschwinglich sein.
Um bei diesem Thema zu bleiben: Selbst wenn man die Jagd nicht als notwendiges Regulativ für Wildbestände ansehen würde, bliebe immer noch der Punkt, dass wir sch(l)ussendlich nichts anderes betreiben, als die Gewinnung hochwertigen Wildbrets. Den 98% unserer fleischessenden Bevölkerung muss das nach wie vor Argument genug sein. Warum vermeiden es Tierschützer eigentlich, mit ähnlichem Militantismus gegen "normale" Fleischesser vorzugehen, wie gegenüber den Jägern? Die Antworten liegen auf der Hand.
Im Übrigen: Hören SIE bitte auf, mit Verallgemeinerungen. ICH habe hier konkrete Einzelfälle angesprochen. Sie hingegen hängen mit ihrer Argumentation irgendwo zwischen Alpha Centauri und Setna fest, wenn sie anmerken der Meinung zu sein, "es gäbe andere Lösungen". Werden Sie konkret! Nennen Sie Alternativen!
Der Rest Ihres Kommentars ist die altbekannte Polemik. "Freizeitschießer", "Bluthobby", etc. Was soll ich denn darauf noch antworten? Ich bezeichne hier im übrigen keinen Jagdgegner´als Depp, um seine Argumente zu schmälern. Ich habe hier versucht, jeden Einwand von Jagdgegnerseite auf der Basis von sachlicher Argumentation zu entkräften. Was bitte ist daran verwerflich? Jeder hat die Möglichkeit, hier seine überzeugende Meinung kundzutun. Einem Jagdgegner ist das bislang noch nicht gelungen, jedenfalls in meinen Augen.
Mir fehlen keine Argumente. Ich habe einen ganzen Sack voll.
Mit freundlichem Gruß
Hallo hem,
da warst Du schneller. Aber wie ich sehe, hatten wir die gleichen Gedanken.
Beste Grüße!
Guten Tag!
Ich möchte mal den Bloginhaber zitieren:
"Denn Jagdgegnerschaft beruht auf Sentimentalität und nicht auf der Tatsache, dass die Abschaffung der Jagd einen Nutzen für unsere Gesellschaft oder die Menschheit darstellt."
Und dann daran erinnern, was er im Artikel äußerte:
"Denn selbstverständlich ist das langsame und elendige Sterben, dass sich auch im „Rekordwinter“ 2009/2010 fortgesetzt haben wird, nichts anderes, als „natürliche“ Regulation."
"Wer aber kann und will – egal ob Jäger, Tier- oder Naturschützer – ein solches, sinnloses Massensterben hinnehmen?"
"Beobachten eines kollektiven Verhungerns."
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Der Jäger argumentiert mitunter, dass er den Tieren ihr Leid ersparen will und es deshalb besser ist, es zu schießen. Der Naturschützer/ Jagdgegner argumentiert mit der Selbstregulierung der Bestände und nimmt das "Leid" damit in Kauf.
Ich stelle mir einfach die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang mit Sentimentalität gemeint?
Ich frage mich auch: Ist das Massensterben wirklich eine Überraschung? Wer eine Anzahl Tiere irgendwo einzäunt, kann doch davon ausgehen, dass die Nahrungsgrundlage irgendwann fehlt, wenn die Population sich erhöht und somit Tiere irgendwann verhungern.
Als Natur würde ich das Gebiet nicht bezeichnen. Allein schon deswegen, weil dort Tiere angesiedelt worden sind, die eigentlich nicht dorthin gehören. Die Rede ist von den Pferden und Rindern. Das war ein unnätürlicher Eingriff und hat nichts mehr mit natürlichen Bedingungen zu tun.
zweiter Teil meines Kommentars (wurde n bisschen länger):
Alles in allem wundert mich, dass Jäger dieses Beispiel heranziehen, um die Jagd in uneingezäunten Wäldern mit natürlichem Wildbestand zu regulieren. Es sind doch 2 völlig unterschiedliche Ökosysteme, die man unter diesen Gesichtspunkten nicht vergleichen kann. Andererseits wundert mich, dass Jagdgegner meinen, dass das alles unter natürlicher Regulation zu verstehen ist. Denn die Population reguliert sich zwar durch Nahrungsknappheit, aber was passiert mit den Kadavern? Es gibt keine Verwerter, außer vielleicht Aasfressende Greifvögel und Raben, und vielleicht den Verwesungsprozess mit Unterstützung von allerlei Insekten usw.
Wie würde es weitergehen, wenn man dort weiterhin alles sich selbst überließe? Wie lange würde es dauern, bis sich die Pflanzenbestände erholen? Wie viele Tiere werden bis dahin überleben? Vielleicht wird die Landschaft eine Zeit brauchen, bis sich alles so reguliert hat, dass wieder ein ausgewogenes Verhältnis herrscht. Aber wie lange?
Ich weiß leider nicht, wie sich das alles entwickeln würde, wenn man das System sich selbst überließe. Es ist eine Frage der persönlichen Bewertung, der Ästhetik, der menschlichen Vorstellung von Moral und Ethik, ob man es "mit ansehen" kann, mit dem Wissen, dass "die Natur" ihre Lösung dafür finden wird, oder man sich als Mensch dafür verantwortlich fühlt, einzugreifen. Letzeres liegt irgendwie näher. Einfach deshalb, weil dieses Ökosystem OHNE menschliches Eingreifen nicht entstanden wäre.
Ich möchte nochmals das Zitat (vom Hunsrückwilderer) anführen:
"Denn Jagdgegnerschaft beruht auf Sentimentalität und nicht auf der Tatsache, dass die Abschaffung der Jagd einen Nutzen für unsere Gesellschaft oder die Menschheit darstellt."
Ich stelle ihm die Frage: Welchen Nutzen hat der Eingriff (also der Abschuss von überzähligen Tieren) in das "Naturentwicklungsgebiet" Oostvaardersplassen für den Menschheit und die Gesellschaft?
Sachliche Grüße vom C.
:)
PS: Ich finde es schade, dass Jagdgegner und Jagdbefürworter, denen ja BEIDEN etwas an der Erhaltung der Natur liegt, sich auf emotionaler und unsachlicher Ebene begegnen müssen und sich irgendwelche Klischees und unnötiger Provokationen bedienen. Auf dieser Grundlage wird NIEMALS ein Konsens möglich sein. Diese Art der Auseinandersetzung ist eher destruktiv und führt nur zu weiterer Verhärtung der Vorurteile.
Das soll kein Vorwurf an bestimmte Menschen sein. Es ist vor allem eine TENDENZ, die ich feststelle. Dieses Blog ist noch relativ sachlich geführt im Gegensatz zu etwaigen Foren, wo sich NUR Gleichgesinnte treffen und derart menschenverachtenden Müll von sich geben, der darauf abzielt, die "Gegnerschaft" zu vernichten. So zumindest hört es sich oft an. Ich würde mir wünschen, dass Menschen offener sind für die Argumente des anderen und sie VERSTEHEN wollen, statt sie zu zerfetzen. Also kurz gefasst: Ich Wünsche mir mehr Offenheit und weniger Meinung. Vor allem deshalb, weil die Meinung meistens schon VOR der wirklichen Auseinandersetzung mit der Thematik entsteht.
PS Ende.
Hallo Christoph,
bei näherer Betrachtung wirst Du feststellen, dass sich die Aussage bezüglich des Nutzens für Gesellschaft und Menschheit nicht auf den Abschuss von Tieren in besagtem Gebiet bezog, sondern auf die Jagd allgemein. Der Nutzen liegt dabei im folgenden (auch nur wiedergekaut, aber wenn man mich fragt...):
1. Gewinnung hochwertiger Lebensmittel (Wildbret)
2. Schaffung und Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen diverser Tiere und Pflanzen
3. Vermeidung von Tier- und Wildseuchen
4. Reduktion von Wildschäden
Dabei stehen diese Punkte jeweils in Wechselbeziehungen zueinander. Und selbstverständlich ließen sich diese Punkte auch für einen regulativen Eingriff in den Niederlanden anführen. Schau' Dir doch die Bilder an, wie es dort aussieht. Selbstverständlich kann man die Meinung vertreten, man sollte alles seinem Lauf überlassen. Man muss dann aber auch zu den Konsequenzen stehen und sich fragen lassen, ob diese Herangehensweise wirklich sinnvoll ist.
Dort lässt man fast tausend Tiere verenden, die zuvor die Landschaft "malträtiert" haben, anstatt dass man 200 davon erlegt und als leckeren ökologisch "produzierten" Bio-Hirschbraten auf den Tisch bringt. Nur Mal so: Wenn ich es richtig verstanden habe, sind in besagtem Gebiet kaum noch der einst zahlreich vorhandenen Singvögel da. Das ist alles eine riesige ökologische Katastrophe. Selbstverständlich muss man dabei im Blick haben, dass es sich um ein umzäuntes Gebiet handelt. Trotzdem: Was dort in massiver Art und Weise auftritt, würde in "freier" Natur in abgeschwächter Form ebenso passieren. Ich führe nochmal den Kanton Bern mit seinem "Jagdverbot" an. Dabei stöhnen und ächzen Förster (ungleich Jäger) und Landwirte schon heute, dass es zuviel Wild gäbe.
Warum also nicht behutsam die natürliche Ressource nutzen und so die "Natur" in einem gesunden Gleichgewicht halten, so dass unsere Kulturlandschaft nicht völlig zur Ödnis verarmt?
Im Übrigen: Jagdgegnern liegt nichts an der Erhaltung der Natur. Ihnen liegt das Wohl der Tiere am Herzen, wobei ich auch das teilweise in Abrede stelle. Warum sonst führen jene einen Kreuzzug gegen die Jäger, während Discounter-Kühltheken, Massentierhaltung und Schlachttransporte geduldet werden?
Zwischen Jagdgegnern und Jägern wird niemals Konsens herrschen, wie Du es Dir wünscht. Jagdgegner sind nämlich keine Jagdkritiker, die nur partiell die Jagdausübung kritisieren. Jagdgegner sind pauschal und absolut gegen Jagd. Wie sollte da ein Konsenz möglich sein?
Allerdings - da gebe ich Dir gerne Recht - sollte man in der lage sein, sich Argumente anzuhören und sich sachlich damit auseinanderzusetzen. Mir scheint allerdings, dass diese bereitschaft auf Seiten der Jäger wesentlich stärker ausgeprägt ist. Ich jedenfalls habe es noch nicht erlebt, dass ein Jäger einem Tierschützer offen und ehrlich einen qualvollen Tod gewünscht hat, ihn mit Vergewaltigern und Kinderschändern gleichgesetzt hätte oder sich ausdrücklich für körperliche Gewalt ausgespprochen hat. Andersherum, naja, ist das leider anders.
noch mal zum ersten Anonymen:
Sie schreiben von domestizierten Haustieren - das ist nun wieder Unwissenheit ihrerseits, die Tiere sind gerade nicht domestiziert, es sind Rückzüchtungen auf den Ur/Auerochsen bzw. den Tarpan - beide lebten noch bis zum Mittelalter bzw. 1808 in Mitteleuropa - sie sind also nur der Versuch einen Zustand ohne menschlichen Eingriff noch zu vervollkommnen, beide wurden auch gejagt, fällt heute nur mangels Masse weg - wer über den Tellerrand schaut sieht auch die Jagd auf Wildrinder in aller Welt: z.B. Kaffernbüffel, Wasserbüffel, Bison und Wisent; die amerik. Mustangs werden gefangen und verkauft z.t. geschlachtet - also auch die werden genutzt. Dies also bei Bedarf auch dort vorzunehmen ist keinerlei Problem.
Als Experiment finde ich Oostvardersplatten eigentl. sehr interessant - nur irgendwann sollte man halt auch begreifen wo und wann man gescheitert ist und eingreifen.
N Abend!
Was ich mit Konsens meine, ist folgendes:
Wenn beide Seiten wirklich versuchen würden, die jeweils andere zu verstehen, würde viel eher ein konstruktiver Austausch entstehen.
Dummerweise ist die Meinung oft zuerst da. Mag sie aus einem Bauchgefühl entstehen, aus Vorurteilen, aus den Medien, durch Übernahme der Meinung von Personen, die man sympathisch findet oder eben aus Desinformation. Und wenn die Meinung da ist, werden sich Scheuklappen angelegt und nach Argumenten gesucht, um diese Meinung zu belegen. Und da werden eben die Infos, die das Handeln der Gegenseite rechtfertigen würden, ausgeblendet.
Ich denke, seltener bildet sich eine Meinung wirklich durch kritische Auseinandersetzung mit BEIDEN Seiten (und vor allem mit sich selbst). Einfach deshalb, weil es anstrengt, sich in andere Perspektiven hineinzudenken. Eigentlich sollte jeder seinen eigenen Maßstab anlegen, um sich eine Meinung zu bilden. Die Voraussetzung dafür ist aber Urteilsfähigkeit. Und die wiederum erlangt man nur durch Information und Offenheit. Und vor allem benötigt man dazu den Mut, erhlich zu sich selbst zu sein.
Ich habe auch den Eindruck, dass es eher ums Gewinnen geht und eben keiner verlieren möchte. Das Problem dabei ist, dass ALLE Beteiligten Verlierer sein werden, wenn nicht versucht wird, einen Konsens zu finden.
Wenn es den Menschen wirklich um die SACHE gehen würde, bräuchte niemand irgendwen auf herabwürdigende Art behandeln, nur weil er eine andere Meinung hat. Aber nein. Die meisten Menschen wollen Recht haben und gewinnen, sich Genugtuung verschaffen und sich selbst aufwerten. Deshalb wird es ewig so weitergehen mit diesem destruktiven Rumgeblödel.
Und der größte Verlierer dabei ist die Natur und alles Leben in ihr.
Ich bin froh, dass in diesem Blog eine sachliche Auseinandersetzung eher möglich ist, als anderswo. Das Geschriebene bezieht sich auch eher auf Erfahrungen, die ich anderswo gemacht habe. Nicht nur im Internet, sondern auch im TV und im Leben.
So…die Gedanken zu später Stunde.
Ich hoffe es fühlt sich keiner auf den Schlips getreten.
Gute Nacht!
C.
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