Freitag, 30. April 2010

Revierkarte mit Google Earth erstellen

Alles neu macht der Mai! Jetzt zu Beginn der Jagdsaison, hat sich doch einiges im Jagdrevier verändert. Sturm "Xynthia" hat womöglich Schneisen geschlagen. Hochsitze wurden neu gebaut und umgestellt. Manch' ein Jäger hat womöglich ein neues Jagdrevier übernommen.

Um das Revier im Blick zu behalten und die Jagdsaison erfolgreich planen zu können, ist oftmals eine Revierkarte von großem Nutzen. Leider erfüllen herkömmliche topografische Karten in den seltensten Fällen die Anforderungen, die sich an eine Revierkarte stellen. Das beginnt mit dem Maßstab und geht weiter über fehlende Wege bis hin zu der Tatsache, dass Flurstücke und Feld-Wald-Grenzen oft nur schwer zu erkennen sind.

Abhilfe schafft da seit einigen Jahren Google-Earth. Mit den Satelittenbildern kann man tolle Sachen machen. Nur: Leider nimmt die Auflösung des Kartenmaterials rapide ab, wenn man das Revier aus einer Höhe betrachtet, die es ganz zeigt. Damit kann man leider auch keine hochauflösende Revierkarte im Postergröße drucken lassen.

Es geht aber doch! Innerhalb von einer halben Stunde und wenigen Computerkenntnissen lässt sich das Vorhaben Revierkarte in Postergröße und guter Qualität problemlos umsetzen. Hier eine Anleitung:



A. Was man braucht

GoogleEarth und eine Testversion von AutoStitch. Beides ist völlig kostenfrei.

B. Anleitung

I. Vorbereitung

Zunächst wird Google-Earth gestartet und das Revier gesucht, das sollte klar sein. Der erste entscheidende Schritt ist die Festlegung, aus welcher Höhe man sein Revier aufnimmt. Je tiefer die Kameraposition gewählt wird, desto mehr Details lassen sich später erkennen, desto mehr Einzelbilder müssen aber auch gespeichert werden. Hier muss man einen Kompromiss finden. Ich habe meine Einzelbilder aus einer Sichthöhe von ca. 1 km erstellt. Die Sichthöhe kann man am rechten unteren Rand erkennen. Vorsicht: Nicht verwechseln mit der Anzeige der "Höhe" in der Mitte unten, die sich auf die Höhe des jeweiligen Geländes über dem Meeresspiegel bezieht!!!

Es folgt der nächste Schritt: Nun muss man sich ein Rechteck denken, welches das komplette Revier umschliesst. Hier ist Ausprobieren angesagt, damit man auch wirklich dass ganze Revier umfasst und sich nicht irgendwelche Ecken abschneidet. Ratsam ist es in jedem Fall, das gedachte Rechteck eher ein gutes Stück weiter zu fassen, so ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite. Nun muss man sich die äußersten Punkte des Rechtecks anhand irgendwelcher markanter Punkte merken (Ortschaften, Felder, Strassen, Baumgruppen etc.)

Bevor es ans Abspeichern geht, sollte man in jedem Fall den Vollbildmodus anwählen und so weit es geht alle Elemente in der Ansicht reduzieren. Dies geht über den Menüpunkt "Ansicht". So vermeidet man später unnötige Beschriftungen und Elemente in der Revierkarte.

II. Das Abspeichern der Bildausschnitte

Man begibt sich nun in der gewünschten Höhe in die nordwestliche Ecke seines Rechtecks (das ist links oben ;-) ). Dann drückt man Alt+S. Es öffnet sich ein Fenster, in dem man bestimmen kann, wo und unter welchem Namen man den Kartenausschnitt als Bild speichern möchte.Hierbei empfiehlt sich das Anlegen eines bestimmten Ordners, unter dem man dieses und alle Folgebilder einheitlich ablegt. Dem Bild gibt man den Namen A1.

Nach dem Speichern sucht man sich auf dem zu sehenden Kartenausschnitt einen markanten Punkt auf der rechten Seite (Baum, Kreuzung, Haus etc.) Mittels der Pfeiltaste wandert man nun soweit rechts, bis der gemerkte Punkt noch deutlich im Bild bleibt. Dies gewährleistet, dass man nachher möglichst nichts mehr von den nicht-ausschaltbaren Anzeigen im Bild sieht (zB der Kompass). Dann speichert man dieses Bild als A2. Diese Prozedur wiederholt man, bis man am nordöstlichsten Punkt des gedachten Rechtecks angekommen ist - deswegen sollte man sich diesen zuvor eingeprägt haben!

Ich habe für die Querkante des Rechtecks 6 Bilder gebraucht, mein letztes Bild dieser Linie wurde also unter dem Namen A6 gespeichert. Nun sucht man sich einen markanten Geländepunkt am unteren Bildrand, der noch deutlich über der Beschriftung unten liegt. Dies soll wiederum garantieren, dasss man die Schrift später nicht mehr sieht. Es folgt die Speicherung unter dem Namen B6. Logischerweise geht man nun wieder in Richtung linkem Bildrand zurück und speichert Bild für Bild wie oben erklärt, bis man bei B1 angekommen ist. Dann geht es wieder einen Schritt Richtung Süden und dann die ganze Bildreihe Stück für Stück nach rechts, usw. So fotographiert man quasi das gesamte Rechteck schlangenförmig ab, bis man an der äußersten Ecke ankommt.

Das hört sich jetzt aufwendig an, was aber dem kläglichen Erklärungsversuch geschuldet ist. Wer sich kurz damit auseinandersetzt wird schnell sehen, wie es gemeint ist. Ich bin auf diese Weise auf 30 Bilder gekommen, insgesamt dauerte die Prozedur ca. 5 Minuten, mehr nicht. Der Rest geht dann auch fast von selbst.

III. Das Zusammenfügen der Bildauschnitte

Wer nun an die Möglichkeit denkt, einfach die Bilder manuell zusammenzufügen, wird schnell enttäuscht sein. Nicht zuletzt wegen der Krümmung, die die Bilder aufweisen, endet dieses Vorgehen fast unweigerlich in einem unansehnlichen Flickenteppich. Also wird wird jetzt Autostitch gestartet. Bevor man jedoch richtig loslegt ist folgendes wichtig, um die Bildauflösung und damit die Detailerkennbarkeit und somit die Eignung für großformatiges Drucken zu erhalten: Man wählt oben in der Menüleiste "Edit" an und klickt auf "Options". Links oben unter dem Menüpunkt "Output Size" wird ein Haken bei "Scale" gesetzt und als Wert 100 % eingetragen. Rechts unten befindet sich ein Menüpunkt namens "Other Options". Unter "JPEG Quality" habe ich dort den Wert 100 eingesetzt. Dann wird mit OK bestätigt. Jetzt kann es losgehen.Unter dem Menüpunkt "File" wählt man "Open" und sucht dann den Ordner heraus, unter dem man die Bilder abgespeichert hat. Durch drücken der Shift-Taste werden diese ALLE AUF EINMAL markiert, dann klickt man auf "Öffnen"

Jetzt fängt Autostitch an zu rechnen und man kann sich angesichts der ganzen Arbeit erstmal ein Bier aufmachen, das dauert nämlich ein paar Minuten.

Wenn der Rechenvorgang abgeschlossen ist, öffnet sich der Microsoft-Picture-Viewer und zeigt einem das Ergebnis an. Nun hat man ein Problem, da man über Autostich, weil es nur eine Demo ist, dieses Ergebnis nicht abspeichern kann. Hier muss man tricksen: Man klickt auf dieses Bild mit der rechten Maustaste, wählt "Öffnen mit..." und bestimmt eines der angezeigten Grafikprogramme (im Zweifel Paint). Mit diesem kann man dann die Revierkarte unproblematisch abspeichern.

Alles was man jetzt noch für die Ästhetik tun kann/tun sollte, ist die Ränder gerade zu schneiden, was hoffentlich kein Problem ist, wenn man sein Rechteck urspünglich ausreichend groß gewählt hat. Das Arbeiten mit der Karte kann allerdings aufgrund ihrer Größe ältere Rechner ziemlich beanspruchen.

Fertig ist der Spaß. Ich hoffe, das war soweit verständlich. Es liest sich hier komplizierter, als es im Endeffekt ist. Insgesamt dauert der ganze Vorgang schlappe 30 Minuten. Ausprobieren lohnt sich. Denn anschliessend kann man mit einem gängigen Grafikprogramm Reviereinrichtungen, Grenzverläufe und ähnliches eintragen. Oder aber die Karte als großformatiges Poster ausdrucken und in die Jagdhütte hängen.

4 Kommentare:

moose hat gesagt…

Hallo Tobias, toller Tipp, klappt einwandfrei. Vielleicht der Hinweis: Strg+Alt+S, dann wirds in GoogleEarth als JPEG gespeichert.

Herzlichen Dank und Weidmannsheil

Gerhard aka moose

Hunsrückwilderer hat gesagt…

Das freit mich! Strg+Alt+S ist ein guter Tip - werde ich bei Gelegenheit ergänzen!

Beste Grüße und WMH!

Anonym hat gesagt…

ein weiterer beitrag mit einem aufruf zur copyrightverletzung. das abgreifen und zusammenführen ist schlichtweg nicht erlaubt. die daten können bei www.geocontent.de erworben werden.

neconata hat gesagt…

viele luftbilder können auch kostenfrei von der homepage des jeweiligen landesvermessungsamtes runtergeladen werden:
http://geoportal.bkg.bund.de/nn_159862/DE/GeoImWeb/landesweit/landesweit__node.html?__nnn=true#doc127082bodyText1

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