Dieses Jahr hat es mich dann doch gepackt. Schließlich lockt die Jagdmesse Jagd und Hund in Dortmund mit Superlativen: Größte Jagdmesse Europas. 650 Aussteller. 44.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. 70.000 Besucher. Die Aussicht, den Besuch auf der Jagdmesse mit weiteren privaten Annehmlichkeiten zu verbinden, machte den Entschluss perfekt.
Nun, was soll ich sagen: Sollte man schon mal gesehen haben.

Bereits am Morgen schoben sich unglaubliche Menschenmengen, vornehmlich grün gekleidet, in die Westfalenhallen. Das Gedränge, dass sich an den Kassen breit macht, wurde auch in den weitläufigen Messehallen nicht wesentlich besser. Und es sollte den ganzen Tag so voll bleiben. Man hatte mich vor dem Andrang am Samstag gewarnt. Aber ich hatte keine Zeit gefunden, um unter der Woche zu fahren. Also musste ich da jetzt wohl durch.
Weitaus störender erwies sich das relative Chaos. Eine thematische Gruppierung der Aussteller war nur selten erkennbar. Lediglich Waffen- und Waffenzubehör sowie Jagdreisen waren umeinander angeordnet. Ansonsten reihten sich Stand um Stand bunt gemischt in endlosen Gängen aneinander. Ohnehin fiel die Orientierung etwas schwer. Ein Austellerverzeichnis war nicht aufzutreiben.

Was man hingegen zu sehen bekam, war durchaus interessant. Zwar gab es auch viele Aussteller, deren Angebot man schlichtweg als Ramsch bezeichnen muss. In der Mehrzahl waren aber eindeutig mit Liebe zum Detail ausgestattete Stände. Vom Hut bis zum Schuh, vom Hunde- bis zum Autozubehör - schlicht alles was mit Jagd zu tun hat wurde irgendwie, irgendwo angeboten. Neben dem kompletten Angebot sämtlicher mir bekannter Jagdkataloge fand ich besonders bemerkenswert die zahlreichen Aktionsflächen, auf denen durchgehend Veranstaltungen dargeboten wurden. Hier muss man besonders lobend den Paul-Parey-Verlag hervorheben. Höchst interessant die Greifvogelaustellung: Adler, Uhu und Co. zum Anfassen nahe - die riesigen glasklaren Augen des Uhus sind mir besondes in Erinnerung geblieben. Beeindruckend die Gehorsamsvorführung durch den Jagdgebrauchshundeverband. Unterhaltsam die Ausführungen von Anton Fichtelmayer zur Hundeausbildung....

Eine einmalige Gelegenheit bot die Messe zum Anfassen, Ausprobieren und Vergleichen von Optik und Waffen. Von Swarovski über Schmidt&Bender bis Zeiss, Blaser, Sauer, Mauser... Alle waren vertreten. Dabei waren die Produkte nur durch Drahtseile gesichert und damit jedem zugänglich. Anfassen, Durchgucken, Drehen, Drücken: Endlich konnte man sich von einigen Dingen ein Bild machen, von denen man bislang nur gehört hat. So weiß ich jetzt, dass mir eine Semprio von Krieghoff nicht ins Haus kommt und die Verschlüsse von Sauer im Vergleich zu anderen Herstellern wirklich butterweich laufen.

Erstaunlich war, dass man bei Merkel noch keine RX.Helix präsentierte. Nach Aussagen dort am Stand wird die Waffe erst auf der IWA vorgestellt. Das war für mich etwas unverständlich. Die Publicity hätte ich mir nicht entgehen lassen. Zumal man damit einen echten Kontrastpunkt zur Blaser R8 hätte setzen können. Die war nämlich auf der Messe omnipräsent - und das nicht ganz zu Unrecht. Das ist schon ein tolles Gewehr. Es liegt gut, in meinen Augen tatsächlich besser als die R 93. Das herausnehmbare Magazin birgt zwar keinen waffentechnischen Sprung ins nächste Jahrtausend, ist aber dennoch eine komfortable Sache, die in ihrer Umsetzung keine größeren Nachteile mit sich bringt.

Insgesamt war es ein interessanter, lohnender Besuch. Nicht zuletzt, weil ich noch mit ein paar Bekannten aus einem Jagdforum ein Bierchen trinken konnte. Aber auch ohne das: Man muss mit Sicherheit nicht jedes Jahr nach Dortmund. Wer allerdings eine größere Anschaffung plant, umfangreiche Kleinkäufe beabsichtigt, oder sich über Neuheiten auf dem markt informieren will, der sollte sich überlegen, ob er nicht auf die Jagd und Hund fährt. Mir hat's gefallen.




2 Kommentare:
Ich würde gerne mal wissen, was genau die Faszination an diesem Sport ausübt, was es genau ist, was einen reizt jagen zu gehen?
Stimmt es nicht auch, dass es kaum oder nur verschwindend wenige Frauen gibt die dort vertreten sind? Und wieso meinen Sie ist das so?
Ich selbst bin kein begeisterter Jagdfan,...maximal habe ich etwas für Hunde übrig, so lockte mich die Veranstaltung, wenige km von meiner Haustür in dortmund entfernt, kein bisschen in die Westfalenhallen.
Aufmerksam habe ich diesen Artikel gelesen und freue mich über Erklärungen bzgl der Spannung des Sports.
Lieben Gruß der unwissenden
Franka
Hallo Franka,
die Faszination an der Jagd zu erklären, ist schwierig und kaum in ein paar Zeilen möglich. Ich habe mich diesem Thema aber hier schon gewidmet:
http://www.hunsrueckwilderer.de/2009/01/warum-jagen.html
Dort habe ich recht ausführlich versucht darzustellen, was mich auf die Jagd treibt. Vielleicht findet Du dort ein paar Denkanstösse. Weitere Fragen beantworte ich natürlich gerne.
Mit den Frauen: Nach meinen Informationen sind 10% der gesamten Jägerschaft weiblich. Nicht viel, aber immerhin. Ich kann nur mutmaßen, warum es nicht mehr Frauen sind. Jagen bedeutet nicht selten Nässe, Kälte, Schmutz und körperliche Anstrengung. Insofern könnte man auch fragen, warum nicht mehr Frauen auf dem Bau arbeiten. Ich denke, für viele Frauen kommt es nicht infrage, sich bei 0 Grad, Nieselregen und Nebelschwaden in der tiefen nacht auf einen Hochsitz zu setzen, ein Wildschwein von 50 kg zu schiessen, dieses ans Auto zu ziehen, aufzubrechen und in die Kühlung zu hängen. Wieso sich Frauen davor scheuen? Nun, ich kanns verstehen (ich selber muss mich teils ja selber überwinden). Beantworten können es letztendlich wohl nur die nicht jagenden Frauen selber. Vielleicht ist e auch doch so eine genetische Sache? Kein Plan....
Ich hoffe, der verlinkte Beitrag hilft, einen ersten Einblick zu bekommen (man findet ihn auch auf der rechten Seite verlinkt unter -> "Wichtige Themen" -> "Warum Jagd".
Lieben Gruß zurück...
H.
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