Dienstag, 23. Februar 2010

Ein Logo mit jagdlichem Hintergrund in aller Augen - Der Inukshuk

Fast allgegenwärtig, vor allem in den Abendstunden, sind im Moment die Olympischen Winterspiele in Vancouver. Sinnbild des kollektiven Wintersportspektakel ist eine eigenartige, menschenähnliche Figur. Sie begleitet die gesamte Veranstaltung. In TV-Einspielern, auf Trikots und Emblemen: Ein grüner Kopf, eine längliche blaue Waagrechte, die die Arme darstellt. Darunter ein halbrunder hellblauer Bauch, gestützt von rotem und ockerfarbenem Stempel. Selbst die Schneemänner, die in Vancouver entlang den Wettkampfstätten ihren Platz gefunden haben, weisen diese Form auf.

Dabei handelt es sich nicht um eine zufällige, abstrakte Anordnung. Die Farbkleckse symbolisieren einen Inukshuk. Eine aus aufeinander geschichteten Steinen bestehende Figur. Schon 500 v. Chr. wurden Inukshuks in Kanada errichtet. Aber auch heute noch werden die Steinhaufen gebaut, deren Bezeichnung übersetzt in etwa "gleich einem Menschen" bedeutet.

Und wie so oft in kulturellen und geschichtlichen Fragen, findet die Errichtung der Inukshuks ihren Urprung in der Jagd. Neben ihrer Funktion als Orientierungshilfe in den Weiten Kanadas, wurden die Inkshuks vornehmlich dazu verwendet, um das Beutemachen zu erleichtern. Die Jäger nutzten die Steinhaufen als Tarnung, zu der sie sich ihre Beute zielgerichtet treiben ließen. Das erinnert fast ein wenig an unsere heutigen Drückjagdsitze. Dabei errichteten die Jäger die Inukshuk teilweise in Reihen und zwangen das Wild so zum Einhalten bestimmter Wechsel. Auf diese Weise leiteten sie beispielsweie Karibus ins Wasser, wo diese langsam watend ein leichtes Ziel abgaben.

Auch in Deutschland hat die Verwendung von Steinen ihren Platz in der Jagerei, wenn auch wenig verbreitet, in kleinerem Maßtab und nur zu Orientierungszwecken. Früher benutzten Jäger in Deutschland sogenannte Brüche,um sich zu verständigen und um Orientierungshilfen zu geben. Dabei handelt es sich um Äste, die nach (überflüssiger?) Brauchtumslehre nur von den sogenannten bruchgerechten Hölzern - Eiche, Erle, Fichte, Tanne, Kiefer - stammen dürfen. Diese werden in verschiedener Art geschält, gespitzt, gelegt, gehangen, so dass der Eingeweihte daraus seine Schlüsse ziehen kann. Vor allem oberhalb der Baumgrenze ist hingegen die Verwendung von Brüchen kaum möglich. Ausserdem sind Brüche auch für Aussenstehende recht leicht erkennbar, was schnell die Neugier auf den Plan ruft. Als Alternative zum Bruch dienen daher sogenannte "Tauben". Hierbei handelt es sich um größere Steine, die auf eine bestimmte Art und Weise angeordnet werden und so Informationen liefern.

Mehr über Inukshuks auf sueddeutsche.de und bei Wikipedia.


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