Dienstag, 29. Dezember 2009

Was wird 2010?

Die Weihnachtskerzen brennen noch, der Neujahrssekt steht verkorkt im Kühlschrank. Das Jahr 2009 neigt sich gen Ende. Grund genug, sich Gedanken über das kommende Jahr zu machen. Was wird passieren? Was wird sich ändern? Auch 2010 wird es sicherlich nicht ruhig werden um Jagd und Jäger in Deutschland.

Ein kleiner Ausblick gefällig? Da ist es von Vorteil, eine 56er Glaskugel von Zeiss zu haben. Sie hat zwar keinen Leuchtpunkt und wurde schon was länger nicht poliert. Genaue Vorhersagen können daher nicht garantiert werden. Einen Blick kann ich aber trotzdem gerne riskieren.


Januar
Das neue Jahr beginnt gemütlich. Auf dem Neujahrsempfang der rheinland-pfälzischen Landesregierung überreicht Kurt Alexander Michel eine selbstgeschnitzte Friedenspfeife aus Hirschhorn. Er führt dazu aus, man wolle das gute Verhältnis zur Politik nicht durch nickliche Diskussionen über das Jagdrecht gefährden. "Es wird schon alles gut werden.", strahlt er in die Kamera der Rhein-Zeitung.
Auch im Saarland glätten sich die Wogen. Dort wird die Nichteinladung zum Neujahrsempfang als positives Signal gewertet. "Scheinbar hat die Landesregierung ihre Reformpläne zur Seite gelegt, weil offensichtlich kein Redebedarf mehr besteht.", meint Landesjägermeister Andreas Schober. Auch beim DJV ist man angesichts dieser Entwicklung zufrieden. "Bloß keinen Stunk!", bekundet Jochen Borchert. "Die CDU hat im Moment schon genug Probleme mit dem Guttenberg, da kann ich nicht auch noch auffallen. Wir Jäger müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."


Februar

Dunkle Wolken hingegen in Bayern. Es zeichnet sich ab, dass die Ansiedlung eines jagdbaren Bestandes an Auerochsen und Elchen durch den BJV im bayerischen Bergwald auf Widerstand stößt. Finanziert werden sollte diese Jagdlustbarkeit mit den Mitteln, die aus dem DJV-Austritt gewonnen wurden. Auf einer hierzu einberufenen Deligiertenversammlung macht sich Unmut über die sture Haltung der bayerischen Landesregierung breit. Die Deligierten beraten über eine geschlossene Auswanderung aller bayerischen Jäger. "Sollen die doch sehen, wo wir bleiben!", lautet der einhellige Tenor. Schnell werden VOX und die Produktionsfirma von "Goodbye Deutschland" informiert. In die engere Auswahl der möglichen Auswanderungsziele kommen Österreich und Tschechien. Beide Länder drohen aber umgehend den Einsatz militärischer Mittel an. Eine Arbeitsgruppe prüft nun, ob wenigstens die Gründung eines eigenen Bundeslandes denkbar ist.


März
Nachdem der Anlauf in mehreren Bundesländern in der Vergangenheit gescheitert war, wird nun der Schießnachweis auf Bundesebene eingeführt. Eine Kommission aus Vertretern von Bund und Ländern einigte sich auf einen Kompromiss, der die Wünsche und Vorgaben aller Beteiligten weitestgehend berücksichtigen soll. Hierzu zählen insbesondere der Wunsch Schleswig-Holsteins nach den vier Schuss auf den vorstehenden Seehund aus dem schaukelnden Boot und die zwei Schuss auf den Gamsbock im Haberl auf 250 Meter an der Latschenkiefer stehend angestrichen, die man in Bayern für unabdingbar hielt. Insgesamt sollen 25 Disziplinen mit 100 Schuss die Fertigkeiten des Jägers nachweisen. Nachhaltig eingebunden wurde auch der ÖJV, der sich mit seiner Forderung nach der Triplette auf hochflüchtiges Rehwild aus dem Selbstlader durchsetzen konnte. Der DJV positioniert sich klar und begrüßt die Einführung. Jochen Borchert: "Da gebietet es der Zeitgeist den Jägern, nicht einfach stur auf unseren Rechten zu beharren. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."


April
Der Deutsche Bauernverband gibt eine Pressemitteilung mit dem Titel "Sauerei! Wo bleiben die Wildschweine?" heraus. Hintergrund: Infolge der starken Bejagung der letzten Jahre konnte auch die vergangene Mast die Wildschweinbestände nicht merklich anwachsen lassen. "Es ist dramatisch.", so Bauernpräsident Sonnleitner. "Man sieht keine Wildschweine mehr. Nachdem schon im letzten Jahr kaum Schäden zu vermelden waren, sieht es dieses Jahr noch dramatischer aus. Die Urlaubskassen unserer Landwirte sind leer. Aber auch wir haben ein Recht auf Urlaub. Das müssen die Jägerschaften bitte zur Kenntnis nehmen."
Unterstützung erfährt Sonnleitner vom NABU. Dort kann man die strikte Bejagung der Wildschweine nicht verstehen. Regional sei bereits ein Aussterben zu befürchten. "Wir befürworten daher, unser liebes Schwarzwild möglichst schnell auf die Rote Liste zu setzen.", merkt ein NABU-Sprecher an. Schliesslich würden die Schwarzkittel überaus wichtige Funktionen vor allem im Wald erfüllen. So sieht das naturgemäß auch der ÖJV. Dort hat man indessen auch eine Ursache für das Sauensterben gefunden - und gleich eine Lösung parat: "Schuld sind Reh- und Rotwild, diese miesen Biester. Die Fressen den armen Sauen die ganze Mast weg. Zuerst haben die den Wald zerstört, jetzt machen sie auch noch andere Tiere kaputt!" Elisabeth Emmert kämpft sichtlich mit den Tränen. "Da gibts nur eins: Gleiches mit gleichem vergelten. Die Knospenbeisser wollen Krieg - können sie haben!"


Mai
Pünktlich zum Aufgang der Bockjagd ist in Rheinland-Pfalz das neue Gesetz zur Schalenwildreduktion und nachhaltigen Waldpflege (WaldPflG) in Kraft getreten. Neben der Abschaffung der Bindung des Jagdwesens an die Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit, entfallen künftig auch nationalsozialistisch angehauchte Begriffe wie Hege oder Jäger. Man spricht nun lieber von Schalenwildmagement und Schalenwildbeauftragten. Auch inhaltlich hat sich einiges getan. Verboten ist ab sofort die Schalenwildreduktion "in Loden und sonstigen gewalkten oder walkähnlichen Stoffen" und mittels "holzgeschäfteter Waffen in metrischen Kalibern". Der Fuchs wird ganzjährig geschont. Im Gegenzug darf Rotwild jetzt durchgehend gemanaged werden. DJV und LJV staunen. "Damit haben wir nicht gerechnet, dass muss ich gestehen. Ich hab' in den vergangenen Wochen öfters mit Margit und Kurt am Horn gezogen und einen geschmökert. Da hieß es immer, ich solle mir Mal keine Sorgen machen. Und jetzt das". So wird ein konsternierter Kurt Alexander Michael in der Wild und Hund irgendwo zwischen Werbung und Kleinanzeigen zitiert. Beim DJV will man die Einschränkungen zähneknirschend hinnehmen.


Juni
Die bayerischen Jäger haben nach langem Suchen endlich eine neue Heimat in Australien gefunden - dort herrschen katastrophale Zustände mit Karnickeln und Eseln, die alles kahl fressen. Ein jagdliches Paradies und die Australier waren froh, kompetente Jäger in so großer Anzahl bergüßen zu dürfen. Als Mitbringsel hat der BJV-Vorsitzende Vocke 27 Gemsen mitgebracht, die feierlich auf dem Ayer's Rock ausgesetzt werden. "Wir wissen, wie man ökologisch sinnvoll an solche Aufgaben herangeht", sagt Vocke stolz.
Das Loch, das die Jäger in der Heimat hinterlassen haben, füllen NABU und BUND mit der großflächigen Auswilderung von 273 Wölfen, 100 Luchsen und 34 Braunbären. Hiernach verschwinden zwar vor allem im ländlichen Raum vermehrt Kleinkinder. Weil aber Bayern weltweit Berühmtheit als das wildeste Land östlich des Mississipis erfährt, wird dies landläufig gebilligt.


Juli
Das Staatsdefizit hat nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise bis dato unbekannte Ausmaße angenommen. Zur Eindämmung hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket gebündelt, dass durch punktuelle steuerliche Eingriffe Einnahmen generieren soll. Allerdings will man nur die treffen, die es wirklich verdient haben. "Wir muschdden die Belaschtungsgrubben so geschdaldden, dasch der dröge Wahlmichel zum einen selbscht möglischst unangetaschtded bleibt und zum anderen ihm die steuerliche Abstrafung der anderen weideschdgehend gut verkaufbar war. S' sch' wie s' sch' ", führt Finanzminister Schäuble verschmitzt aus. Neben einer Totalvereinnahmung von Bonusgehältern und einer Höhensteuer auf Minarette wird daher zukünftig eine Waffenbesitzsteuer erhoben. Eine Langwaffe sollen Berechtigte nach wie vor steuerfrei besitzen dürfen. Danach wird eine Steuer von 12,8% des Nettowaffenneupreises (inkl. Optik und Montage) für jedes weitere Gewehr erhoben. Bewertungsprobleme werden mit einer gesetzlichen Fiktion umgangen. Lässt sich der Waffenneupreis, für den der Berechtigte die Beweislast trägt, nicht mehr feststellen, wird dieser pauschal mit 6000 EUR angesetzt. "Eine angemessene Regelung.", findet auch Staatssekretär Hartmut Koschyk. Ausserdem erhofft man sich hierdurch einen drastischen Gewinn an innerer Sicherheit. Innenminister Thomas de Maziere: "Wir kriegen sie schon klein, diese gefährlichen Psychopathen. Mit dieser Maßnahme werden sich die Fetischisten schon sehr genau überlegen, ob sie ihren Trieb weiter an der Waffe ausüben wollen, oder nicht doch lieber Mal in den Puff gehen zwischendurch." Der Spiegel recherchiert knallhart und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Regelung in Wahrheit der Waffenlobby dient und fordert weitere Verschärfungen des Waffenrechts zum Wohle aller. DJV-Präsident Jochen Borchert: "Ich wäre ja völlig Banane, entgegen meiner Unionskollegen die Besteuerung zu verurteilen. Schon in der DDR wusste man doch, dass die Partei immer Recht hat. Ich denke angesichts knapper Kassen ist es auch für uns Jäger an der Zeit, unseren Beitrag zum Gemeinwohl zu erbringen. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."


August
RWS kündigt revolutionäre Neuerungen im Munitionsbereich an. Eis lautet das Zauberwort, das gleichwohl zu neuen Begrifflichkeiten in der Ballistik führt: Zukünftig gibt es ein Lauflade- und ein Laufmündungskaliber. Die aus gefrorenem Wasser bestehenden Projektile müssen wegen der während des Schusses auftretenden Hitze laufmündungsüberkalibrig hergestellt werden, weil während des Weges durch den Lauf logischerweise eine Abschmelzung erfolgt. Dies setzt auch eine Überarbeitung der Läufe voraus, die jedoch nach Unternehmensangaben vergleichsweise einfach erfolgen kann. Die damit verbundenen Kosten werden durch die zahlreichen Vorteile aufgewogen: Eine Hinterlandgefährdung durch Abpraller ist ausgeschlossen. Wildbret wird nicht mit Schwermetall belastet und genügt so höchsten Verbraucheransprüchen. Die Jagdmunition wird durch die Abkopplung vom Bleipreis wesentlich günstiger. Zukünftig sollen Jäger, schützen und Wiederlader ihre Geschosse im heimischen Tiefkühler selbst herstellen können. Sobald die mit der während der Jagdausübung auftretenden Probleme wegen fehlender Kühlung gelöst sind, will man das "Ice-Revolution-X" umgehend auf den Markt bringen. Anfänglich in den Geschmacksrichtungen Erdbeer und Zitrone.


September
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) urteilt über die Klage eines Jagdgegners gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft, welche ihn in seiner Gewissensfreiheit verletzen soll. Der EGMR gibt dem Jagdgegner Recht. In der knapp gehaltenen Pressemitteilung heißt es: "Wir hatten weder Zeit noch Lust, uns mit dogmatischem Schnickschnack wie dem Regelungsgefüge der EMRK auseinanderzusetzen. Aber irgendwie ist die EMRK ja doch beseelt von einem ordentlichen Hauch Gutmenschentum. Und da passt die Jagd nicht Recht ins Bild. Heutzutage gibt es Schnitzel auch beim Discounter. Da muss man keine Tiere mehr totschiessen, schon gar nicht flächendeckend." Bei der Sekte Universelles Leben wird das Urteil mit Freudengeheul und einem Tanz ums Feuer gefeiert - nackisch. Jochen Borchert äussert sich in einem Fernsehinterview mit den Tagesthemen: "Wir Jäger müssen das so akzeptieren. Im Interesse von gesellschaftlichem Konsens, müssen wir auch Mal Einschränkungen hinnehmen."


Oktober
Im Lichte des EGMR-Urteils erkennt die Jamaika-Koalition im Saarland die Zeichen der Zeit. Die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verschärfungen will man nun nicht mehr reichen lassen. Um fisselige Regelungen zu vermeiden, die den Jagdgegnern ihre Gewissensausübung gewährleisten, wird das Saarland das erste Bundesland, das ein totales Jagdverbot einführt. Ministerpräsident Peter Müller sieht das nicht als Bruch mit dem Rest der Republik: "Wir fühlen uns sowieso den Franzosen näher." Drohenden Wildschäden sieht man gelassen entgegen. "Wir sind eh' rappelmäßig pleite. Da kommts auf die paar Euro fuffzich auch nicht mehr an." Der ÖJV-Saar bildet Lichterketten für das "Opfer Wald" und organisiert Vergrämungskommandos, die Reh- und Rotwild mit Lärmkanonen aus den Wäldern heraushalten sollen. Um das zu finanzieren, verkauft man nun vermehrt Merchandisingartikel aus der Reihe "Öbelix und Idefix". Hiebei handelt es sich um die neuen Maskottchen des ÖJV. Jochen Borchert bedauert zwar das Jagdverbot, will es aber aus Rücksicht auf Unionskollegen Peter Müller nicht weiter kritisieren: "Wir müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."


November
Auf nachhaltiges Drängen des NABU erklärt Bundespräsident Horst Köhler den Kormoran zum Wappentier der Bundesrepublik. Offiziell begründet wird dieser Schritt mit der mittlerweile vorherrschenden Omnipräsens des Wasservogels. "Deutschlands Lebensadern sind schwarz - und dass ist auch gut so" findet Angela Merkel. "Möge Deutschland im internationalen Wettbewerb so erfolgreich sein, wie der Kormoran in seinem immerwährenden Wettstreit gegen Äsche und Rotauge." Auch in den Medien wird die Ablösung des Adlers, der sich in der Realität als viel zu verweichlicht erwiesen hat - er stirbt andauerend an minimalen Mengen Blei - begrüßt. Beim NABU ist man schon einen Schritt weiter. Man hofft, in Kürze auch die niedersächsische Landesregierung zu einem ähnlichen Schritt bewegen zu können. Man müsse nur rot und weiß tauschen. Und aus dem springenden Pferd einen mausenden Fuchs machen.


Dezember
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt die Firma Armatix das vom Innenministerium lang ersehnte Waffenblockiersystem "Safe-Hunt" auf den Markt. Bislang ist es nur für Waffen von Blaser erhältlich. "Mit anderen Gewehren gibt es technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Aber wir sind gerade im Innenministerium dabei zu klären, ob zukünftig nur noch mit Blaser-Waffen gejagt werden darf. Damit wäre allen Beteiligten am ehesten gedient.", frohlockt Michael Lüke. Das ausgeklügelte Armatix-System ist dabei doppelt sicher: Als Jäger, der nicht im Saarland wohnt, erhält man im Rahmen eines nachgewiesenen Bedürfnisses bis zu sieben TAN-Nummern pro Jagdtag von der zuständigen Waffenbehörde. Erst nach Eingabe des achtstelligen Codes am Hinterschaft kann der Spannschieber betätigt werden. Die Nummerneingabe ist dabei solange blockiert, wie sich die Waffe nicht innerhalb des zuvor anzugebenden Jagdreviers befindet. Ob dies der Fall ist, wird mittels GPS ermittelt. In Ausnahmefällen können für Nachsuchen weitere TANs oder eine Erweiterung des Einsatzgebietes unter einer zentralen Telefonhotline des Bundeskriminalamtes erreicht werden.


In diesem Sinne,

Waidmannsgeheul....

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ein neuer Jagdblog

Über den Start eines neuen Jagdblogs, der sich augenscheinlich auf das Thema Jagdrecht fokussieren will berichtet Stefan Fügner:

Jagd Blog - das etwas andere Jagdtagebuch: JUN.i - Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz geht online

Dabei scheint sich das Institut JUN.i insgesamt mehr auf die Fahnen geschrieben zu haben, als Jagdrechtsfragen, wenn man die Hintergrundinfos liest. Sehr ehrgeizig und sehr interessant klingt das Vorhaben, einen fortlaufenden Online-Kommentar zum gesamten Jagdrecht zu erstellen, samt jagdrechtlicher Nebenvorschriften.

Ich bin gespannt und wünsche gutes Gelingen!


Samstag, 19. Dezember 2009

Das völlig andere Wildschweinrezept

Traditionell wird an Weihnachten auch häufig Wild serviert. Wer noch keine Idee hat, wie er sein Wildbret servieren will, oder wem der ewig-gleiche Wildschweinbraten aus der Keule mit Rotweinsauce, Knödeln und Rotkohl schlicht zu langweilig ist, kann bei Zeit-Online einen ausgefallenen Serviervorschlag nachlesen.

Das Originalrezept aus dem Jahre 1830 bringt frischen Wildschweinkopf gefüllt mit Trüffeln auf den Tisch. Und das geht in etwa so: Wildschweinkopf flämmen, auslösen und mit Fleisch, Speck, Pistazien, Ochsenzunge sowie 1,6 kg (!) Trüffeln füllen. Anschliessend wird der Kopf mit 20 (!) Kalbsfüssen über mehrere Stunden geköchelt.

Gegessen wird das Ganze dann dünn aufgeschnitten.

Tja warum eigentlich nicht. Gut, es wird etwas Überzeugungsarbeit kosten, meine Mutter oder meine Freundin davon zu überzeugen, dass es lecker schmecken könnte. Allerdings würde ich das Kochen freilich selbst übernehmen, womit wirkliche Einwände von dieser Seite nicht mehr entgegenstehen. Okay, einen Metzger muss ich finden, der mir 20 Kalbsfüsse besorgt. Aber auch das ist machbar. Einen großen Topf könnte ich auch auftreiben. Bleiben die Trüffel. Angesichts der Tatsache, dass bei einer Trüffelversteigerung im Piemont im November 2006 drei weiße Trüffel mit einem Gesamtgewicht von 1,5 Kilogramm zu einem Preis von 125.000 Euro den Besitzer wechselten, erscheint trotz der Festtage ein Rückgriff auf schwarzen Trüffel ausnahmsweise angemessen. Andererseits: Immer noch teuer. Und eigentlich war das mit der Rotweinsauce die letzten Male immer lecker.

Ich glaube, ich bleibe bei altbewährtem. Aber ich bitte um Berichte, falls es jemand ausprobiert. Falls jemand nur Lust hat, es zu kochen: Ich komme auch zum Probieren vorbei. In voller Selbstlosigkeit, versteht sich.

Mehr zu Wildbret und Wildfleisch:


Donnerstag, 17. Dezember 2009

Posse um Trichinenschau in der Region Hannover

Manchmal greift man sich herzhaft an den Kopf, der da auf dem eigenen Hals sein Dasein fristet. Der Grund dafür liegt meistens darin, dass andere ihren Kopf nicht zu benutzen scheinen. Bei Behörden kommt das scheinbar besonders häufig vor, obwohl man gerade denen ja eine gewisse Kopflastigkeit andichtet. Jedenfall ist es wieder soweit.

Stein des Anstosses ist die Trichinenschau in der Region Hannover. Bislang wurde diese dezentral durchgeführt. EG-Vorgaben zwingen aber nun dazu, dass die Untersuchungsstellen ein (kostenintensives) Akkreditierungsverfahren durchlaufen. Deshalb will man jetzt die Trichinenproben der gesamten Region Hannover zentral in der niedersächsischen Landeshauptsstadt untersuchen lassen.

So weit, so gut.

Der Irrwitz dieses Vorgehens wird klar, wenn man überlegt, wie nun die Proben in die Stadt kommen sollen. Immerhin ist der Kommunalverband Region Hannover in etwa so groß wie das Saarland. Naja, da ist die Verwaltung extrem pragmatisch: Die Proben müssen beim Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen abgegeben werden. Und zwar montags, dienstags und freitags von 9-12 Uhr in Zimmer 39. Kein Scherz jetzt.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Dreistellige Kilometerzahlen herunterreißen, um die Proben für einen 12-Kilo schweren Frischling abzugeben? Und das zu Zeiten, zu denen der gemeine Bürger auf der Arbeit sitzen sollte? Ganz im Ernst: Diese Idee grenzt an Wahnsinn. Hinzu kommen selbstredend noch die Gebühren für die Untersuchung selbst, nebst den Unkosten für Probenträger und Wildursprungsmarken, sowie die Kosten für die Probenentnahme durch den amtlichen Tierarzt vor Ort. Letztere kann man zwar umgehen, in dem man sich hinsichtlich der Probenentnahme selbst schulen lässt. Aber natürlich ist auch das mit Unkosten verbunden. Wie auch die danach gesondert erforderliche Genehmigung, die Proben selbst entnehmen zu dürfen.

Das ist schon eine ziemliche Frechheit. Von allen Seiten werden die Jäger angehalten, möglichst viel Schwarzwild zu schießen. Allenthalben werden wir ermahnt, möglichst viel in die Jugendklasse einzugreifen. Wer das nun tut, wird faktisch mit einem halben Urlaubstag sowie Kosten und Gebühren bestraft, die den materiellen Gegenwert eines Frischlings im wahrsten Sinne des Wortes aufressen und danach immer noch Hunger haben. Was soll man denn jetzt machen? Nicht mehr schießen? Good morning Wildschaden, hello Schweinepest. Schießen und nicht verwerten? Kaum vorstellbar. Auf die Trichinenschau verzichten? Oh mein Gott, bloß nicht!!!

Das letzte Lied wird in dieser Angelegenheit noch nicht gesungen sein. Ich weiß nicht, ob eventuell ein Einschicken, möglicherweise nach zentraler Abgabe beim örtlich zuständigen Amtstierarzt eine denkbare Variante darstellen könnte? Können die Proben vor der Entnahme eigentlich eingefroren werden? Dann wäre das doch ein praktikabler Weg.

Andererseits bleibt abzuwarten, ob sich nicht ähnliche Entwicklungen in anderen Ländern und Regionen ergeben, denn schließlich dürfte das Problem kostenintensiver Akkreditierung nicht auf Hannover beschränkt sein.



Hasenpest am Bodensee

Im Radolfzeller Ortsteil Möggingen am Bodensee wurde ein an Tularämie verendeter Feldhase aufgefunden. Weil die Krankheit auf Mensch und Tier vergleichsweise leicht übertragbar ist, ist sowohl bei Jägern als auch bei anderen Waldbesuchern erhöhte Vorsicht geboten: Hunde sollten angeleint werden, Menschen den Kontakt zu toten Tieren vermeiden.

Die Tularämie oder Hasenpest ist eine bakterielle Krankheit, die häufig aus nordischen Ländern von Zugvögeln eingeschleppt wird - Jahreszeit und der Bodensee als Ausbruchsort sprechen dafür, dass es auch in diesem Fall so liegt.

Bei infizierten Tieren stellt man Lymphknotenschwellungen und Eiterherde an den inneren Organen fest. Zugleich ist häufig die Milz stark vergrößert. Sollte man Kontakt zu einem infizierten Tier gehabt haben, ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Bei einer Infektion beim Menschen, die mit Abgeschlagenheit, Fieber und Schüttelfrost einhergeht, besteht sogar eine Meldepflicht an die Gesundheitsbehörden.

Wildbret ist in jedem Fall untauglich.


Mittwoch, 16. Dezember 2009

Nichts mehr zum Jagen

Der Kriminologe Christian Pfeiffer, bekannt und bewährt aus jeder zweiten Amok- und Gewaltverbrechensdiskussionsrunde im Fernsehen, hat sich in der Märkischen Allgemeinen erneut über die "desaströse Wirkung" von Computerspielen geäussert. Dabei kommt der Kriminologe zu dem Schluss, dass die Jungen schon aufgrund ihrer Gene stärker gefährdet seien. Während Mädchen oft lesen oder anderen nichtelektronischen Hobbies nachgingen, möchten sich Jungen eher in Videospielen bewähren.

„Da kommt durch, dass der Mann einst Jäger war, der heute nichts mehr zu jagen hat.“

Also ich habe noch was zu jagen. Wie sieht's bei Euch aus? Vielleicht ist das aber der Grund, weshalb ich trotz meiner Freude an Counter-Strike & Co. noch nicht durchgedreht bin? Vielleicht sollten einfach viel viel mehr Menschen den Jagdschein machen? Fragen über Fragen.


Freitag, 11. Dezember 2009

Kurzupdate

Viel zu tun, viel zu tun und keine Zeit um auf Jagd zu gehen. Und das, obwohl endlich der erste Schnee für diesen Winter im Revier liegt - mein Herz blutet. Deswegen gibts jetzt nur ein schnelles Kurzupdate, was ich übers Wochenende im Netz gefunden habe. Das eine oder andere scheint ein lohnenswertes Thema zu sein, um in einer ruhigen Minute nochmal drauf einzugehen.

Jedenfalls sind die Wildschweine in Bayern auf dem Vormarsch. Bei einem Jagdunfall in Liblar hat sich ein Jäger beim Entladen seiner Waffe in die Schulter geschossen. Was viele über Jahre mühsam aufbauen, machen wenige in kürzester Zeit kaputt: Irgendein Idiot hat einen Uhu geschossen. Und dass es nicht nur zu Problemen mit Wölfen kommen kann, zeigt ein Fall in der Schweiz. Dort hat jetzt wahrscheinlich ein Luchs Hunde verletzt.

So. Das war jetzt fast wie bei twitter. Ach ja. Da hab' ich jetzt auch einen eigenen Kanal. (hrwilderer). Natürlich wird es auch da um das Thema Jagd gehen. Also: Follow me, if you want to.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Wolfattacke auf Mensch

Der erst kürzlich in Schweden gefasste Entschluss, die Jagd auf Wölfe wieder zuzulassen, wird wohl durch ein jüngstes Ereignis Auftrieb erfahren. Der Online-Ausgabe der Svensk Jakt (herausgegeben vom schwedischen Jagdverband) zufolge ist ein Waldarbeiter am 9. Dezember wahrscheinlich von einem Wolf angegriffen und verletzt worden. Der Mann war gerade dabei Reparaturen an einer Maschine durchzuführen, als ihn das Tier attackierte und sich in seinem Arm verbiss. Der Mann konnte sich glücklicherweise befreien. Die Polizei geht von einem Wolfsangriff aus.

Leider habe ich bislang keine deutschen Nachrichten hierzu entdecken können. Eine brauchbare, wenn auch bruchstückhafte Übersetzung erhält man aber mit dem Google-Translator.

Nachtrag: Mitllerweile berichten mehrere schwedische Medien über den Wolfsangriff:

Ich finde die Nachricht äußerst spannend. Bislang hörte ich stets beschwichtigende Stimmen, dass Wolfsattacken ins Reich der Ammenmärchen gehören. Freilich dürfte auch dieser Übergriff ein Einzelfall sein. Er zeigt aber, dass ein Nebeneinander von Mensch und Großprädatoren eben nicht immer nur reibungslos von statten geht. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Situation im zehnfach so dicht besiedelten Deutschland entwickelt. Noch hat die Wolfspopulation lange nicht den Bestand an Tieren wie in Schweden erreicht. Doch nach meinem Wissen steigt der Bestand ständig an. Das Zusammentreffen von Wolf und Mensch scheint hier in erhöhtem Maße vorprogrammiert. Und nur noch eine Frage der Zeit. Der dänische Jäger, über den ich auf diese Meldung gestoßen bin, erzählte zudem, dass in Schweden mittlerweile jährlich eine große Zahl an Hunden den dort lebenden Wölfen zum Opfer fällt. Auch dieses Phänomen wird uns in naher Zukunft in Deutschland begegnen. Bisher haben die hiesigen Wölfe "nur" Schafe gerissen.

Was ist nun mit der Gefahr, die vom Wolf ausgeht? Ammenmärchen? Einzelfall? Riskofaktor? Für die Akzeptanz des Wolfes bei uns ist es in jedem Fall wichtig, dass offen über alle Fragen informiert und diskutiert wird. In meinen Augen muss man den Betroffenen mitteilen, worauf sie sich einzustellen haben. Anderenfalls ist Akzeptanz nicht zu erreichen. Ich hoffe jedenfalls möglichst schnell auf weitere Hintergrundinformationen zu diesem Fall und werde sie dann gerne hier weitergeben.

Siehe auch:


Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Das gilt umso mehr für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die USA. Dort hat sich jetzt ein Schwerbehinderter vor Gericht das Recht erstritten, auf Jagd gehen zu dürfen und dort zu schießen - mit dem Mund. Das berichtet Spiegel-Online.

Der 46-jährige ist nach einem Sportunfall bis zum Hals gelähmt. Sein Gewehr ist auf einem Gestell befestigt. Über einen Schalter kann die Waffe ausgerichtet werden. Den Schuss löst man aus, indem man in ein Röhrchen bläst.

Irgendwie erinnert mich diese Geschichte an die perverse "Jagd" via Internet vor ein paar Jahren und ich kann mich nicht wirklich mit ihr anfreunden. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, wie das, was ich mit Jagd verbinde, mittels dieser Lösung möglich sein soll. Nach weiteren Medienberichten sitzt James Cap nämlich nun in einer Hütte vor seinem Metallgestell und wartet darauf, zu Schuss zu kommen. So verkommt "Jagd" doch schnell zu einem bloßen Totschießen.

Andererseits habe ich auch gut Reden mit meinem gesunden Dasein. Und anhand zweier Medienberichte lässt sich kaum einschätzen, wie das Ganze in der Praxis aussieht. Vielleicht ist das Gestell ja mobil und kann an unterschiedliche Orte gebracht werden. Wer weiß?

Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Jagdrechtsnovellen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland: Erster Widerstand

Dem von mir vorausgesagtem rauen Wind der Jagdrechtsreformen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland blasen nun seinerseits erste Lüftchen ins Gesicht.

Rheinland-Pfalz: Stellungnahme des DJV

Hinsichtlich der rheinland-pfälzischen Pläne, verkörpert durch die Ministerin Margit Conrad, meldete sich nun der DJV zu Wort. Er erinnerte an das Eckpunktepapier, das die Ministerin vor nicht einmal 12 Monaten initiierte, um eine Zersplitterung des Jagdrechts zu vermeiden. Das DJV-Präsidium mahnte an, dass die Ministerin mit den aktuellen Vorschlägen ihr damaliges Vorgehen konterkariere. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Auch inhaltlich bezog der DJV Stellung. Er fordert Freiheit und Lebensraum für die Leitwildart Rotwild, nachhaltige Bewirtschaftung von Lebensräumen anstelle von "Wald vor Wild", Beibehaltung der Bindung des Jagdwesens an die Grundsätze der Waidgerechtigkeit, Aufrechterhaltung der Mindestpachtdauern und die Erhaltung der Fangjagd. Mitunter werden fast alle Punkte des rheinland-pfälzischen Vorhabens zurückgewiesen. Und das völlig zu Recht.

Die detaillierten Ausführungen zu den Standpunkten des DJV können seiner Pressemitteilung entnommen werden.

Saarland: LJV Saar lehnt Verbot der Fallenjagd ab

Das Verbot der Fallenjagd ist dann auch Auslöser für Diskussionen im Saarland. Hierüber berichtet Stefan Fügner in seinem Jagdblog.


Neue Domain

Es ist soweit. Die Arbeiten, diesen Blog über seine eigene Domain an die Öffentlichkeit zu bringen, sind nahezu abgeschlossen. Hunsrückwilderers Jagdblog ist jetzt über

http://www.hunsrueckwilderer.de

erreichbar. Auch die Kommentare haben entgegen einem ersten Schreck den Umzug schadlos überstanden. Dabei bleibt die alte Domain http://hunsrueckwilderer.blogspot.com bestehen und Besucher dort werden hierher umgeleitet. Trotzdem würde es mich freuen, wenn diejenigen, die Links zu meiner Seite gesetzt haben, diese aktualisieren könnten. Neue Links kann man in Zukunft übrigens noch einfacher erstellen: Unter den Blog-Beiträgen befindet sich jetzt ein "Share-Button", der es ermöglicht, direkt einen Link zu hunsrueckwilderer.de auf diversen Internet-Communities zu veröffentlichen - sei es Mr. Wong, myspace, twitter, facebook, MeinVZ oder YiGG. Reger Gebrauch ist sehr erwünscht - wenn Euch ein Beitrag gefällt, empfehlt ihn gerne weiter.

In diesem Sinne,

W@idmannsheil!

Hunsrückwilderer


Montag, 7. Dezember 2009

Initiative zur Änderung des Jagdrechts in Hessen

Nachdem sich in Rheinland-Pfalz und dem Saarland bereits Initiativen zur Novellierung des Jagdrechts abzeichnen, hat nun auch die Hessen-SPD einen entsprechenden Vorstoß unternommen.

„Die SPD-Landtagsfraktion setzt sich mit einem Gesetzentwurf zur Änderung des Jagdgesetzes für Entbürokratisierung, besseren Tierschutz, für Abbau von Bürokratie und für die Delegierung von Verantwortung nach unten ein“, so die Ankündigung des umweltpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Manfred Görig, am Montag in Wiesbaden.

„Obwohl wir im Grundsatz mit der Ausgestaltung des bestehenden Gesetzes einverstanden sind, ist es nun doch an der Zeit, einige wenige Aspekte aufzugreifen und die dazu gehörenden Regelungen zu ändern“, sagte Görig. Nach eingehender Diskussion mit dem Landesjagdverband, mit Hegegemeinschaften, Jagdgenossenschaften und Sachkundigen habe die SPD-Fraktion nun die Argumente der Fachleute aufgegriffen und die Änderung von Teilen des Gesetzes beantragt.

Die Vorschläge lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Ob für Rehwild ein Abschussplan festgesetzt wird, sollen die Hegegemeinschaften eigenständig entscheiden.
  • Bejagung von weiblichem Rot-, Dam- und Muffelwild nach Abschussplänen auch außerhalb von ihren Bewirtschaftungsgebieten und damit kein Totalabschuss.
  • Ermöglichung von überregionalen Nachsuchen auch über die Grenzen von Hegegemeinschaften hinweg nach Vorgaben durch die Landesvereinigung der Jäger.
  • Option zur Verlängerung der Jagdzeiten
  • Lediglich Anzeigepflicht anstelle bisheriger Genehmigungsbedürftigkeit von Schwarzwildkirrungen
Bei den derzeitigen geistigen Tiefflügen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland kann man hier von durchweg sinnvollen Vorschlägen sprechen. Insbesondere hat man erkannt, dass sich Wild nicht in Bewirtschaftungsgebiete einsperren lässt. Entbürokratisierung tut immer Not und bei Nachsuchen sollte man ohnehin nicht an Grenzen gestoppt werden, gleich welcher Art diese sind. Lediglich die Option zur Verlängerung von Jagdzeiten kann kritisch betrachtet werden. Da es sich aber nur um eine Option handelt, sollte man hier den Teufel nicht an die Wand malen. Bisweilen mag eine Verlängerung der Jagdzeiten zeitweise auf bestimmte Wildarten je nach Faktenlage tatsächlich angezeigt sein. Ich werte es dementsprechend als sinnvolle Handlungsoption. Positiv fällt auch der pragmatische Umgang mit dem Thema Kirrung auf. Hier hat man erkannt, dass Kirrungen eine effektive Jagd auf Wildschweine ermöglichen. Währenddessen prangern Die Grünen den Gesetzentwurf gerade im Hinblick auf das Thema Kirrungen an. Leider greift man hier schon insoweit wieder zu kurz, als dass man bisweilen von Fütterungen spricht. Zwischen beiden besteht aber ein weitreichender Unterschied. Und angesichts dessen, dass selbst Die Grünen davon ausgehen, dass genug Nahrung im Wald vorhanden ist, stellt sich die Frage, warum dann Kirrungen zu einer Bestandsmehrung beitragen können. Experten gehen in Anbetracht der diesjährigen Mast davon aus, dass im Wald mitunter vier bis sechs Tonnen Eicheln pro Hektar (!) auf dem Boden liegen. Ob da die vom Jäger ausgebrachten Maismengen, die zudem unmittelbar auch zu einer Reduktion des Bestandes durch die Jagderfolge an der Kirrung führen, wirklich ins Gewicht fallen? Ich habe da so meine Zweifel.

Leider haben die gut gemeinten Vorschläge kaum Aussicht darauf, umgesetzt zu werden. Neben den Grünen sieht man auch bei der CDU im Moment keinen Handlungsbedarf. Walter Arnold kritisierte die SPD-Vorschläge als Schnellschuss. Schade. Es wäre ein Treffer.

Mehr zum Thema:

"Neue Regeln für die Jagd" (FAZ)
Pressemeldung der SPD-Fraktion
Stellungnahme der CDU

Jagdunfall bei Langenberg/Gütersloh

Das nicht nur das Jagen mit der Kugel gefährlich sein kann, zeigt ein Jagdunfall, der sich am Samstag in Langenberg bei Gütersloh ereignete. Auf einer Hasenjagd schoss ein Jäger auf einen Hasen und fehlte. Stattdessen wurde ein in seinem Auto sitzender Postbote von Schrot im Gesicht getroffen. Er musste zur stationären Behandlung ins Krankenhaus. Zwei weitere Schrotkügelchen prallten von der Fahrertür ab. Der Getroffene hatte die Fensterscheiben seines Wagens heruntergelassen. Anderenfalls wären die vermutlich von Steinen abgeprallten Schrote wohl unschädlich gewesen.

Was soll man sagen? Abpraller bergen in meinen Augen das größte Risikopotential auf der Jagd in sich. Ich kenne den Blaser Film "Jagd in Bewegung" nur in Ausschnitten. Die dort gezeigten Abpraller von Schotterwegen nach Kugelschüssen sind mir aber eindringlich im Gedächtnis geblieben. Fälle wie dieser produzieren bei mir regelmäßig Sorgenfalten auf der Stirn, gerade wenn man bei Gesellschaftsjagden seinen Stand eingenommen hat. Wohin darf ich schiessen? Wohin kann ich schiessen? Wo besteht Gefährdungspotential.?Das Schlimme ist, dass man trotz sorgfältigster Einschätzung der Lage vor Überraschungen nicht gefeit ist. Unfälle passieren. Umso bedachter muss man daher vorgehen.

Ob dem Unglücksschützen ein Vorwurf gemacht werden kann? Die Ermittlungen werden es zeigen.



Neue Grünbrücken kommen

Anfang des Jahres konnte nur vage über den Bau neuer Grünbrücken aus Mitteln des Konjunkturpaketes spekuliert werden. Nunmehr sind erste handfeste Ergebnisse zu vermelden. Bundesweit wurde der Bau von 20 neuen Grünbrücken genehmigt. Das Bundeverkehrsministerium stimmte unter anderem dem Bau von Querungshilfen für das Wild über die A 7 bei Michelsrombach im Landkreis Fulda, über die A 3 bei der Anschlussstelle Königsforst in Köln und über die A 1 bei Greimerath (Landkreis Bernkastel-Wittlich) zu. Für diese Vorhaben hatte sich der Deutsche Jagdschutzverband maßgeblich eingesetzt.

Angesichts von 230.000 Straßenkilometern für den überörtlichen Verkehr in Deutschland muten auch die 20 neuen Grünbrücken nur wie ein Tropfen auf den heissen Stein an. Zur gedachten Vernetzung von Lebensräumen ist es aber immerhin ein Anfang. Geradezu paradox erscheinen hingegen die Planungen in Hinblick auf die Jagdgesetzesplänen in Rheinland-Pfalz, in denen man das Wild in Bewirtschaftungsgebiete "einsperren" will. Wie passt das zusammen? Richtig, eigentlich gar nicht.

Für den Moment kann man sich aber auch nur freuen, dass überhaupt für das Wild getan wird. Neben jagdbaren Wildarten profitieren natürlich auch andere Arten, wie zum Beispiel Luchs und Wildkatze ganz erheblich. Insgesamt also definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Samstag, 5. Dezember 2009

Internet für Jäger

Vor kurzem habe ich hier eine Liste von Jagdlinks eingestellt. Dabei bietet das Internet noch mehr Optionen, die man als Jäger sinnvoll nutzen kann. Dies gilt insbesondere hinsichtlich des Wetters und der daraus folgenden Ansitzplanung. Wer kennt nicht diese Fragen, die einem oft vor einem Ansitz durch den Kopf schiessen:
  • Wann wird es dunkel?
  • Wie steht der Wind?
  • Hört es auf zu regnen?
  • Lichten sich noch die Wolken vor dem Mond?
Vor allem die Nutzer von Firefox können solche Fragen schnell beantwortet haben, wenn sie entsprechende Add-Ons verwenden. Dies sind kleine Programme, die in Firefox unaufällig platziert werden.

Das Add-On SunCult liefert Informationen über Sonne und Mond, namentlich über die ortsgenauen Zeiten von Auf- und Untergang. Wer Firefox nicht benutzt oder kein Add-On installieren will, dem sei Lunalink ans Herz gelegt. Lunalink ist sogar genauer und mit mehr Informationen ausgestattet, muss aber entsprechend erst angesurft werden. Sehr hilfreich sind die dort gemachten Helligkeitsangaben. Hiermit hat man einen guten Anhaltspunkt, ob die Lichtverhältnisse einen Ansitz zulassen, oder nicht.

Wer sich klar über die Licht- und Sichtverhältnisse ist, der kann sich über die Windrichtung Gedanken machen. Hierbei hilft WindFox. Nach Angabe der am nächsten zum Revier belegenen Wetterstation hat man in der Fußzeile seines Firefox-Browsers nun stets die Angabe der aktuellen Windrichtung und der Windstärke. Zwar steht bei Windfox kein übermäßig dichtes Netz an Wetterstationen zur Verfügung, mir hat es aber schon gute Dienste erwiesen. Zudem ist man mit einem Klick auf der Seite Windfinder.com, die über detaillierte Windkarten samt Windvorhersagen verfügt. Wer wiederum kein Add-On installieren kann oder will, hat nunmehr auch den passenden Link.

Bekanntermaßen macht es keinen Spaß, einen Ansitz im strömenden Regen zu verbringen. Zudem sinken bei Regen auch die Chancen für einen erfolgreichen Ansitz, wenn nicht sogar dichte Wolken den Mond verhängen und so die Jagd gänzlich unmöglich machen. Wer nicht umsonst ins Revier fahren will, kann sich beim Niederschlagsradar einen Überblick über die Regen- und Wolkensituation in seinem Revier machen. Dabei sollte man unbedingt auf die regionalen Radardaten zurückgreifen.

Für weitere Internettipps bin mit Sicherheit nicht nur ich dankbar. Wer noch einen hat ist daher herzlich eingeladen, ihn als Kommentar hier kundzutun.

Bis dahin,

W@idm@nnsheil

Donnerstag, 3. Dezember 2009

hunsrueckwilderer.de

http://hunsrueckwilderer.blogspot.com wird zu http://hunsrueckwilderer.de! Oder zu http://www.hunsrueckwilderer.de. Das muss ich noch abwarten.

Jedenfalls habe ich in Zukunft meine eigene Domain und das ungelenke Eintippen der blogspot-Domain entfällt.

Leider ist der Umzug doch etwas komplizierter und mir schwirrt gerade der Kopf von DNS-Adressen, C-Name-Einträgen und Subdomain-Weiterleitungen. Ich hatte eben testweise Mal die neue Domain eingestellt, aber da ist noch nix passiert. Ich werde mich langsam vorwärtspirschen und hoffe, dass die Komplikationen nicht allzu hoch sein werden. Wenn in den nächsten Tagen dieser Blog nicht erreichbar sein sollte, dann ist es jedenfalls nur vorübergehend.

Ich bin selber gespannt, was passiert. Schaun mer Mal. Bis dahin

W@idmannsheil!

Nachtrag zur Verurteilung des Wolfsschützen

Einen interessanten Nachtrag zum Urteil gegen den Jäger, der einen Fangschuß auf einen Wolf abgegeben hatte, gibt es beim Jagtagebuch jagdblog.blogspot zu lesen. Es verdeutlicht anschaulich die moralische Zwickmühle, in der sich der Jäger befand. Schließlich ging wohl auch der Staatsanwalt davon aus, dass der Schütze aus guten Motiven heraus handelte und stand ihm eine gewisse Überforderung zu, weil er erst seit einem Jahr einen Jagdschein hatte.


Biberabschuss

Wie schnell weidereingebürgerte Arten zum Problem in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft werden, kann man beim "Etwas anderen Jagdtagebuch" nachlesen:

Jagd Blog - das etwas andere Jagdtagebuch: Landratsamt Neumarkt/Oberpfalz genehmigt Biberabschuss

Überflutete Wege und Durchlässe, die Biber mit ihren Dämmen veursacht hatten, führten nun zum behördlich angeordneten Abschuss von zwei Exemplaren durch einen Jäger.

Diese Problemstellung wird uns in naher Zukunft immer weiter beschäftigen. Bereits jetzt wird allerorten über Reduktion von Fischreiher und Kormoran diskutiert. Und auch die zunehmende Zahl von durch Wölfe gerissener Schafe birgt trächtiges Konfliktpotential. Dabei dürfen wir Jäger uns keinesfalls zum Antriebsmotor von Abschußforderungen entwickeln. Wenn man geduldig wartet, bis die Rufe nach dem Mann in grün von selber kommen, nützt dies der Jagd im doppelten Sinn: Die Jäger stehen nicht erneut als "schießwütige Zeitgenossen" am Pranger und die Notwendigkeit der Jagd wird ind Bewusstsein der Menschen gehoben.



Mittwoch, 2. Dezember 2009

prolegal - Die neue Interessengemeinschaft für legalen Waffenbesitz

Seit kurzem gibt es eine weitere Interessenvertretung für Legalwaffenbesitzer. prolegal hat sich folgendes auf die Fahnen geschrieben:
  • Verbandsunabhängige Vereinigung aller, vom Waffengesetz betroffenen, Bürgerinnen und Bürger
  • Einheitliche und damit starke Vertretung der gemeinsamen Interessen gegenüber der Politik
  • Förderung und Wahrung der Interessen aller Waffenbesitzer, unabhängig von Vereinigungen und Verbänden
  • Gesellschaftliche Akzeptanz von privatem Waffenbesitz durch seriöse Aufklärung und Berichterstattung
  • Verhinderung weiterer Waffengesetzverschärfungen mit allen zur Verfügung stehenden, demokratischen Mitteln
  • Gesetzliche Neuordnung des bestehenden, überregulierten und für den Bürger unverständlichen Waffengesetzes
  • Zusammenarbeit mit seriösen Medien und investigativen Journalisten
  • Auseinandersetzung mit ideologischen und polemischen Medien und Journalisten mit allen zur Verfügung stehenden, demokratischen Mitteln
  • Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerkes mit anderen Waffenrechtsorganisationen und Befürwortern des privaten Waffenbesitzes
Ehrgeizige Ziele, die man als Waffenbesitzer sicherlich nur gutheißen kann. Es wird interessant, wie sich diese Vereinigung macht. Neben dem ForumWaffenrecht, das sich als großer Reinfall erweisen hat und der Fördervereinigung Legaler Waffenbesitz gibt es also jetzt eine weitere Interessenvertretung. Damit ist prolegal Chance und Risiko zugleich: Chance dahingehend, dass hier endlich eine ernstzunehmende Vereinigung entsteht. Risiko insoweit, als dass zunächst eine weitere Zersplitterung der Waffenbesitzer zu befürchten steht. Genau das wird derzeit bei WaffenOnline heiß diskutiert. Jedenfalls wird es so oder so eine zeitlang dauern, bis sich prolegal als kompetenter Ansprechpartner in Waffenrechtsfragen etabliert hat. Vielleicht überzeugen sie mich ja auch irgendwann in der Zukunft. Bislang konnte ich mich jedenfalls noch nicht für die Mitgliedschaft in einer der Interessenvertretungen erwärmen. Dafür sind mir die Hintergründe der jeweiligen Organisationen bislang zu verworren. Obwohl eine Mitgliedschaft dringend Not täte - denn unsere Jagdverbände lassen uns in den Waffenrechtsfragen leider sehr im Stich.

Beagle entlaufen

Am Montag den 23. November 2009 ist eine Beagle-Hündin in Kirchenbollenbach bei Idar-Oberstein entlaufen. Die Hündin ist erst 20 Monate alt und hört auf den Namen Honey. Wer Hinweise zum Verbleib des sehr schlanken, dreifarbigen Hundes hat, möchte sie mir bitte zukommen lassen. Ich leite sie dann umgehend an die Besitzerin weiter. Nachfragen bei Tierärzten und Tierheimen im Raum Idar-Oberstein blieben bislang erfolglos. Der Hund wurde zwar nicht zur Jagd eingesetzt, wegen einer dort zeitnah stattgefundenen Jagd erhofft sich die Besitzerin aber Hinweise aus der Jägerschaft. Vielleicht hilft es auch, diesen Suchhinweis in einschlägigen Internetforen weiterzugeben. Um Mithilfe ist also gebeten.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Advent

Passend zum ersten Advent noch dieses kleine Gedicht von Loriot als Mahnung an alle Jäger und Förster. Seid nett zu Euren Frauen!

Nachtrag: Stefan von jagdblog.blogspot.com hatte die gleiche Idee schon etwas früher. Bei ihm gibt es den Text zum Nachlesen.