Die Weihnachtskerzen brennen noch, der Neujahrssekt steht verkorkt im Kühlschrank. Das Jahr 2009 neigt sich gen Ende. Grund genug, sich Gedanken über das kommende Jahr zu machen. Was wird passieren? Was wird sich ändern? Auch 2010 wird es sicherlich nicht ruhig werden um Jagd und Jäger in Deutschland.
Ein kleiner Ausblick gefällig? Da ist es von Vorteil, eine 56er Glaskugel von Zeiss zu haben. Sie hat zwar keinen Leuchtpunkt und wurde schon was länger nicht poliert. Genaue Vorhersagen können daher nicht garantiert werden. Einen Blick kann ich aber trotzdem gerne riskieren.
Januar
Das neue Jahr beginnt gemütlich. Auf dem Neujahrsempfang der rheinland-pfälzischen Landesregierung überreicht Kurt Alexander Michel eine selbstgeschnitzte Friedenspfeife aus Hirschhorn. Er führt dazu aus, man wolle das gute Verhältnis zur Politik nicht durch nickliche Diskussionen über das Jagdrecht gefährden. "Es wird schon alles gut werden.", strahlt er in die Kamera der Rhein-Zeitung.
Auch im Saarland glätten sich die Wogen. Dort wird die Nichteinladung zum Neujahrsempfang als positives Signal gewertet. "Scheinbar hat die Landesregierung ihre Reformpläne zur Seite gelegt, weil offensichtlich kein Redebedarf mehr besteht.", meint Landesjägermeister Andreas Schober. Auch beim DJV ist man angesichts dieser Entwicklung zufrieden. "Bloß keinen Stunk!", bekundet Jochen Borchert. "Die CDU hat im Moment schon genug Probleme mit dem Guttenberg, da kann ich nicht auch noch auffallen. Wir Jäger müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
Februar
Dunkle Wolken hingegen in Bayern. Es zeichnet sich ab, dass die Ansiedlung eines jagdbaren Bestandes an Auerochsen und Elchen durch den BJV im bayerischen Bergwald auf Widerstand stößt. Finanziert werden sollte diese Jagdlustbarkeit mit den Mitteln, die aus dem DJV-Austritt gewonnen wurden. Auf einer hierzu einberufenen Deligiertenversammlung macht sich Unmut über die sture Haltung der bayerischen Landesregierung breit. Die Deligierten beraten über eine geschlossene Auswanderung aller bayerischen Jäger. "Sollen die doch sehen, wo wir bleiben!", lautet der einhellige Tenor. Schnell werden VOX und die Produktionsfirma von "Goodbye Deutschland" informiert. In die engere Auswahl der möglichen Auswanderungsziele kommen Österreich und Tschechien. Beide Länder drohen aber umgehend den Einsatz militärischer Mittel an. Eine Arbeitsgruppe prüft nun, ob wenigstens die Gründung eines eigenen Bundeslandes denkbar ist.
März
Nachdem der Anlauf in mehreren Bundesländern in der Vergangenheit gescheitert war, wird nun der Schießnachweis auf Bundesebene eingeführt. Eine Kommission aus Vertretern von Bund und Ländern einigte sich auf einen Kompromiss, der die Wünsche und Vorgaben aller Beteiligten weitestgehend berücksichtigen soll. Hierzu zählen insbesondere der Wunsch Schleswig-Holsteins nach den vier Schuss auf den vorstehenden Seehund aus dem schaukelnden Boot und die zwei Schuss auf den Gamsbock im Haberl auf 250 Meter an der Latschenkiefer stehend angestrichen, die man in Bayern für unabdingbar hielt. Insgesamt sollen 25 Disziplinen mit 100 Schuss die Fertigkeiten des Jägers nachweisen. Nachhaltig eingebunden wurde auch der ÖJV, der sich mit seiner Forderung nach der Triplette auf hochflüchtiges Rehwild aus dem Selbstlader durchsetzen konnte. Der DJV positioniert sich klar und begrüßt die Einführung. Jochen Borchert: "Da gebietet es der Zeitgeist den Jägern, nicht einfach stur auf unseren Rechten zu beharren. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
April
Der Deutsche Bauernverband gibt eine Pressemitteilung mit dem Titel "Sauerei! Wo bleiben die Wildschweine?" heraus. Hintergrund: Infolge der starken Bejagung der letzten Jahre konnte auch die vergangene Mast die Wildschweinbestände nicht merklich anwachsen lassen. "Es ist dramatisch.", so Bauernpräsident Sonnleitner. "Man sieht keine Wildschweine mehr. Nachdem schon im letzten Jahr kaum Schäden zu vermelden waren, sieht es dieses Jahr noch dramatischer aus. Die Urlaubskassen unserer Landwirte sind leer. Aber auch wir haben ein Recht auf Urlaub. Das müssen die Jägerschaften bitte zur Kenntnis nehmen."
Unterstützung erfährt Sonnleitner vom NABU. Dort kann man die strikte Bejagung der Wildschweine nicht verstehen. Regional sei bereits ein Aussterben zu befürchten. "Wir befürworten daher, unser liebes Schwarzwild möglichst schnell auf die Rote Liste zu setzen.", merkt ein NABU-Sprecher an. Schliesslich würden die Schwarzkittel überaus wichtige Funktionen vor allem im Wald erfüllen. So sieht das naturgemäß auch der ÖJV. Dort hat man indessen auch eine Ursache für das Sauensterben gefunden - und gleich eine Lösung parat: "Schuld sind Reh- und Rotwild, diese miesen Biester. Die Fressen den armen Sauen die ganze Mast weg. Zuerst haben die den Wald zerstört, jetzt machen sie auch noch andere Tiere kaputt!" Elisabeth Emmert kämpft sichtlich mit den Tränen. "Da gibts nur eins: Gleiches mit gleichem vergelten. Die Knospenbeisser wollen Krieg - können sie haben!"
Mai
Pünktlich zum Aufgang der Bockjagd ist in Rheinland-Pfalz das neue Gesetz zur Schalenwildreduktion und nachhaltigen Waldpflege (WaldPflG) in Kraft getreten. Neben der Abschaffung der Bindung des Jagdwesens an die Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit, entfallen künftig auch nationalsozialistisch angehauchte Begriffe wie Hege oder Jäger. Man spricht nun lieber von Schalenwildmagement und Schalenwildbeauftragten. Auch inhaltlich hat sich einiges getan. Verboten ist ab sofort die Schalenwildreduktion "in Loden und sonstigen gewalkten oder walkähnlichen Stoffen" und mittels "holzgeschäfteter Waffen in metrischen Kalibern". Der Fuchs wird ganzjährig geschont. Im Gegenzug darf Rotwild jetzt durchgehend gemanaged werden. DJV und LJV staunen. "Damit haben wir nicht gerechnet, dass muss ich gestehen. Ich hab' in den vergangenen Wochen öfters mit Margit und Kurt am Horn gezogen und einen geschmökert. Da hieß es immer, ich solle mir Mal keine Sorgen machen. Und jetzt das". So wird ein konsternierter Kurt Alexander Michael in der Wild und Hund irgendwo zwischen Werbung und Kleinanzeigen zitiert. Beim DJV will man die Einschränkungen zähneknirschend hinnehmen.
Juni
Die bayerischen Jäger haben nach langem Suchen endlich eine neue Heimat in Australien gefunden - dort herrschen katastrophale Zustände mit Karnickeln und Eseln, die alles kahl fressen. Ein jagdliches Paradies und die Australier waren froh, kompetente Jäger in so großer Anzahl bergüßen zu dürfen. Als Mitbringsel hat der BJV-Vorsitzende Vocke 27 Gemsen mitgebracht, die feierlich auf dem Ayer's Rock ausgesetzt werden. "Wir wissen, wie man ökologisch sinnvoll an solche Aufgaben herangeht", sagt Vocke stolz.
Das Loch, das die Jäger in der Heimat hinterlassen haben, füllen NABU und BUND mit der großflächigen Auswilderung von 273 Wölfen, 100 Luchsen und 34 Braunbären. Hiernach verschwinden zwar vor allem im ländlichen Raum vermehrt Kleinkinder. Weil aber Bayern weltweit Berühmtheit als das wildeste Land östlich des Mississipis erfährt, wird dies landläufig gebilligt.
Juli
Das Staatsdefizit hat nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise bis dato unbekannte Ausmaße angenommen. Zur Eindämmung hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket gebündelt, dass durch punktuelle steuerliche Eingriffe Einnahmen generieren soll. Allerdings will man nur die treffen, die es wirklich verdient haben. "Wir muschdden die Belaschtungsgrubben so geschdaldden, dasch der dröge Wahlmichel zum einen selbscht möglischst unangetaschtded bleibt und zum anderen ihm die steuerliche Abstrafung der anderen weideschdgehend gut verkaufbar war. S' sch' wie s' sch' ", führt Finanzminister Schäuble verschmitzt aus. Neben einer Totalvereinnahmung von Bonusgehältern und einer Höhensteuer auf Minarette wird daher zukünftig eine Waffenbesitzsteuer erhoben. Eine Langwaffe sollen Berechtigte nach wie vor steuerfrei besitzen dürfen. Danach wird eine Steuer von 12,8% des Nettowaffenneupreises (inkl. Optik und Montage) für jedes weitere Gewehr erhoben. Bewertungsprobleme werden mit einer gesetzlichen Fiktion umgangen. Lässt sich der Waffenneupreis, für den der Berechtigte die Beweislast trägt, nicht mehr feststellen, wird dieser pauschal mit 6000 EUR angesetzt. "Eine angemessene Regelung.", findet auch Staatssekretär Hartmut Koschyk. Ausserdem erhofft man sich hierdurch einen drastischen Gewinn an innerer Sicherheit. Innenminister Thomas de Maziere: "Wir kriegen sie schon klein, diese gefährlichen Psychopathen. Mit dieser Maßnahme werden sich die Fetischisten schon sehr genau überlegen, ob sie ihren Trieb weiter an der Waffe ausüben wollen, oder nicht doch lieber Mal in den Puff gehen zwischendurch." Der Spiegel recherchiert knallhart und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Regelung in Wahrheit der Waffenlobby dient und fordert weitere Verschärfungen des Waffenrechts zum Wohle aller. DJV-Präsident Jochen Borchert: "Ich wäre ja völlig Banane, entgegen meiner Unionskollegen die Besteuerung zu verurteilen. Schon in der DDR wusste man doch, dass die Partei immer Recht hat. Ich denke angesichts knapper Kassen ist es auch für uns Jäger an der Zeit, unseren Beitrag zum Gemeinwohl zu erbringen. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
August
RWS kündigt revolutionäre Neuerungen im Munitionsbereich an. Eis lautet das Zauberwort, das gleichwohl zu neuen Begrifflichkeiten in der Ballistik führt: Zukünftig gibt es ein Lauflade- und ein Laufmündungskaliber. Die aus gefrorenem Wasser bestehenden Projektile müssen wegen der während des Schusses auftretenden Hitze laufmündungsüberkalibrig hergestellt werden, weil während des Weges durch den Lauf logischerweise eine Abschmelzung erfolgt. Dies setzt auch eine Überarbeitung der Läufe voraus, die jedoch nach Unternehmensangaben vergleichsweise einfach erfolgen kann. Die damit verbundenen Kosten werden durch die zahlreichen Vorteile aufgewogen: Eine Hinterlandgefährdung durch Abpraller ist ausgeschlossen. Wildbret wird nicht mit Schwermetall belastet und genügt so höchsten Verbraucheransprüchen. Die Jagdmunition wird durch die Abkopplung vom Bleipreis wesentlich günstiger. Zukünftig sollen Jäger, schützen und Wiederlader ihre Geschosse im heimischen Tiefkühler selbst herstellen können. Sobald die mit der während der Jagdausübung auftretenden Probleme wegen fehlender Kühlung gelöst sind, will man das "Ice-Revolution-X" umgehend auf den Markt bringen. Anfänglich in den Geschmacksrichtungen Erdbeer und Zitrone.
September
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) urteilt über die Klage eines Jagdgegners gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft, welche ihn in seiner Gewissensfreiheit verletzen soll. Der EGMR gibt dem Jagdgegner Recht. In der knapp gehaltenen Pressemitteilung heißt es: "Wir hatten weder Zeit noch Lust, uns mit dogmatischem Schnickschnack wie dem Regelungsgefüge der EMRK auseinanderzusetzen. Aber irgendwie ist die EMRK ja doch beseelt von einem ordentlichen Hauch Gutmenschentum. Und da passt die Jagd nicht Recht ins Bild. Heutzutage gibt es Schnitzel auch beim Discounter. Da muss man keine Tiere mehr totschiessen, schon gar nicht flächendeckend." Bei der Sekte Universelles Leben wird das Urteil mit Freudengeheul und einem Tanz ums Feuer gefeiert - nackisch. Jochen Borchert äussert sich in einem Fernsehinterview mit den Tagesthemen: "Wir Jäger müssen das so akzeptieren. Im Interesse von gesellschaftlichem Konsens, müssen wir auch Mal Einschränkungen hinnehmen."
Oktober
Im Lichte des EGMR-Urteils erkennt die Jamaika-Koalition im Saarland die Zeichen der Zeit. Die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verschärfungen will man nun nicht mehr reichen lassen. Um fisselige Regelungen zu vermeiden, die den Jagdgegnern ihre Gewissensausübung gewährleisten, wird das Saarland das erste Bundesland, das ein totales Jagdverbot einführt. Ministerpräsident Peter Müller sieht das nicht als Bruch mit dem Rest der Republik: "Wir fühlen uns sowieso den Franzosen näher." Drohenden Wildschäden sieht man gelassen entgegen. "Wir sind eh' rappelmäßig pleite. Da kommts auf die paar Euro fuffzich auch nicht mehr an." Der ÖJV-Saar bildet Lichterketten für das "Opfer Wald" und organisiert Vergrämungskommandos, die Reh- und Rotwild mit Lärmkanonen aus den Wäldern heraushalten sollen. Um das zu finanzieren, verkauft man nun vermehrt Merchandisingartikel aus der Reihe "Öbelix und Idefix". Hiebei handelt es sich um die neuen Maskottchen des ÖJV. Jochen Borchert bedauert zwar das Jagdverbot, will es aber aus Rücksicht auf Unionskollegen Peter Müller nicht weiter kritisieren: "Wir müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
November
Auf nachhaltiges Drängen des NABU erklärt Bundespräsident Horst Köhler den Kormoran zum Wappentier der Bundesrepublik. Offiziell begründet wird dieser Schritt mit der mittlerweile vorherrschenden Omnipräsens des Wasservogels. "Deutschlands Lebensadern sind schwarz - und dass ist auch gut so" findet Angela Merkel. "Möge Deutschland im internationalen Wettbewerb so erfolgreich sein, wie der Kormoran in seinem immerwährenden Wettstreit gegen Äsche und Rotauge." Auch in den Medien wird die Ablösung des Adlers, der sich in der Realität als viel zu verweichlicht erwiesen hat - er stirbt andauerend an minimalen Mengen Blei - begrüßt. Beim NABU ist man schon einen Schritt weiter. Man hofft, in Kürze auch die niedersächsische Landesregierung zu einem ähnlichen Schritt bewegen zu können. Man müsse nur rot und weiß tauschen. Und aus dem springenden Pferd einen mausenden Fuchs machen.
Dezember
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt die Firma Armatix das vom Innenministerium lang ersehnte Waffenblockiersystem "Safe-Hunt" auf den Markt. Bislang ist es nur für Waffen von Blaser erhältlich. "Mit anderen Gewehren gibt es technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Aber wir sind gerade im Innenministerium dabei zu klären, ob zukünftig nur noch mit Blaser-Waffen gejagt werden darf. Damit wäre allen Beteiligten am ehesten gedient.", frohlockt Michael Lüke. Das ausgeklügelte Armatix-System ist dabei doppelt sicher: Als Jäger, der nicht im Saarland wohnt, erhält man im Rahmen eines nachgewiesenen Bedürfnisses bis zu sieben TAN-Nummern pro Jagdtag von der zuständigen Waffenbehörde. Erst nach Eingabe des achtstelligen Codes am Hinterschaft kann der Spannschieber betätigt werden. Die Nummerneingabe ist dabei solange blockiert, wie sich die Waffe nicht innerhalb des zuvor anzugebenden Jagdreviers befindet. Ob dies der Fall ist, wird mittels GPS ermittelt. In Ausnahmefällen können für Nachsuchen weitere TANs oder eine Erweiterung des Einsatzgebietes unter einer zentralen Telefonhotline des Bundeskriminalamtes erreicht werden.
In diesem Sinne,
Waidmannsgeheul....
Ein kleiner Ausblick gefällig? Da ist es von Vorteil, eine 56er Glaskugel von Zeiss zu haben. Sie hat zwar keinen Leuchtpunkt und wurde schon was länger nicht poliert. Genaue Vorhersagen können daher nicht garantiert werden. Einen Blick kann ich aber trotzdem gerne riskieren.
Januar
Das neue Jahr beginnt gemütlich. Auf dem Neujahrsempfang der rheinland-pfälzischen Landesregierung überreicht Kurt Alexander Michel eine selbstgeschnitzte Friedenspfeife aus Hirschhorn. Er führt dazu aus, man wolle das gute Verhältnis zur Politik nicht durch nickliche Diskussionen über das Jagdrecht gefährden. "Es wird schon alles gut werden.", strahlt er in die Kamera der Rhein-Zeitung.
Auch im Saarland glätten sich die Wogen. Dort wird die Nichteinladung zum Neujahrsempfang als positives Signal gewertet. "Scheinbar hat die Landesregierung ihre Reformpläne zur Seite gelegt, weil offensichtlich kein Redebedarf mehr besteht.", meint Landesjägermeister Andreas Schober. Auch beim DJV ist man angesichts dieser Entwicklung zufrieden. "Bloß keinen Stunk!", bekundet Jochen Borchert. "Die CDU hat im Moment schon genug Probleme mit dem Guttenberg, da kann ich nicht auch noch auffallen. Wir Jäger müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
Februar
Dunkle Wolken hingegen in Bayern. Es zeichnet sich ab, dass die Ansiedlung eines jagdbaren Bestandes an Auerochsen und Elchen durch den BJV im bayerischen Bergwald auf Widerstand stößt. Finanziert werden sollte diese Jagdlustbarkeit mit den Mitteln, die aus dem DJV-Austritt gewonnen wurden. Auf einer hierzu einberufenen Deligiertenversammlung macht sich Unmut über die sture Haltung der bayerischen Landesregierung breit. Die Deligierten beraten über eine geschlossene Auswanderung aller bayerischen Jäger. "Sollen die doch sehen, wo wir bleiben!", lautet der einhellige Tenor. Schnell werden VOX und die Produktionsfirma von "Goodbye Deutschland" informiert. In die engere Auswahl der möglichen Auswanderungsziele kommen Österreich und Tschechien. Beide Länder drohen aber umgehend den Einsatz militärischer Mittel an. Eine Arbeitsgruppe prüft nun, ob wenigstens die Gründung eines eigenen Bundeslandes denkbar ist.
März
Nachdem der Anlauf in mehreren Bundesländern in der Vergangenheit gescheitert war, wird nun der Schießnachweis auf Bundesebene eingeführt. Eine Kommission aus Vertretern von Bund und Ländern einigte sich auf einen Kompromiss, der die Wünsche und Vorgaben aller Beteiligten weitestgehend berücksichtigen soll. Hierzu zählen insbesondere der Wunsch Schleswig-Holsteins nach den vier Schuss auf den vorstehenden Seehund aus dem schaukelnden Boot und die zwei Schuss auf den Gamsbock im Haberl auf 250 Meter an der Latschenkiefer stehend angestrichen, die man in Bayern für unabdingbar hielt. Insgesamt sollen 25 Disziplinen mit 100 Schuss die Fertigkeiten des Jägers nachweisen. Nachhaltig eingebunden wurde auch der ÖJV, der sich mit seiner Forderung nach der Triplette auf hochflüchtiges Rehwild aus dem Selbstlader durchsetzen konnte. Der DJV positioniert sich klar und begrüßt die Einführung. Jochen Borchert: "Da gebietet es der Zeitgeist den Jägern, nicht einfach stur auf unseren Rechten zu beharren. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
April
Der Deutsche Bauernverband gibt eine Pressemitteilung mit dem Titel "Sauerei! Wo bleiben die Wildschweine?" heraus. Hintergrund: Infolge der starken Bejagung der letzten Jahre konnte auch die vergangene Mast die Wildschweinbestände nicht merklich anwachsen lassen. "Es ist dramatisch.", so Bauernpräsident Sonnleitner. "Man sieht keine Wildschweine mehr. Nachdem schon im letzten Jahr kaum Schäden zu vermelden waren, sieht es dieses Jahr noch dramatischer aus. Die Urlaubskassen unserer Landwirte sind leer. Aber auch wir haben ein Recht auf Urlaub. Das müssen die Jägerschaften bitte zur Kenntnis nehmen."
Unterstützung erfährt Sonnleitner vom NABU. Dort kann man die strikte Bejagung der Wildschweine nicht verstehen. Regional sei bereits ein Aussterben zu befürchten. "Wir befürworten daher, unser liebes Schwarzwild möglichst schnell auf die Rote Liste zu setzen.", merkt ein NABU-Sprecher an. Schliesslich würden die Schwarzkittel überaus wichtige Funktionen vor allem im Wald erfüllen. So sieht das naturgemäß auch der ÖJV. Dort hat man indessen auch eine Ursache für das Sauensterben gefunden - und gleich eine Lösung parat: "Schuld sind Reh- und Rotwild, diese miesen Biester. Die Fressen den armen Sauen die ganze Mast weg. Zuerst haben die den Wald zerstört, jetzt machen sie auch noch andere Tiere kaputt!" Elisabeth Emmert kämpft sichtlich mit den Tränen. "Da gibts nur eins: Gleiches mit gleichem vergelten. Die Knospenbeisser wollen Krieg - können sie haben!"
Mai
Pünktlich zum Aufgang der Bockjagd ist in Rheinland-Pfalz das neue Gesetz zur Schalenwildreduktion und nachhaltigen Waldpflege (WaldPflG) in Kraft getreten. Neben der Abschaffung der Bindung des Jagdwesens an die Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit, entfallen künftig auch nationalsozialistisch angehauchte Begriffe wie Hege oder Jäger. Man spricht nun lieber von Schalenwildmagement und Schalenwildbeauftragten. Auch inhaltlich hat sich einiges getan. Verboten ist ab sofort die Schalenwildreduktion "in Loden und sonstigen gewalkten oder walkähnlichen Stoffen" und mittels "holzgeschäfteter Waffen in metrischen Kalibern". Der Fuchs wird ganzjährig geschont. Im Gegenzug darf Rotwild jetzt durchgehend gemanaged werden. DJV und LJV staunen. "Damit haben wir nicht gerechnet, dass muss ich gestehen. Ich hab' in den vergangenen Wochen öfters mit Margit und Kurt am Horn gezogen und einen geschmökert. Da hieß es immer, ich solle mir Mal keine Sorgen machen. Und jetzt das". So wird ein konsternierter Kurt Alexander Michael in der Wild und Hund irgendwo zwischen Werbung und Kleinanzeigen zitiert. Beim DJV will man die Einschränkungen zähneknirschend hinnehmen.
Juni
Die bayerischen Jäger haben nach langem Suchen endlich eine neue Heimat in Australien gefunden - dort herrschen katastrophale Zustände mit Karnickeln und Eseln, die alles kahl fressen. Ein jagdliches Paradies und die Australier waren froh, kompetente Jäger in so großer Anzahl bergüßen zu dürfen. Als Mitbringsel hat der BJV-Vorsitzende Vocke 27 Gemsen mitgebracht, die feierlich auf dem Ayer's Rock ausgesetzt werden. "Wir wissen, wie man ökologisch sinnvoll an solche Aufgaben herangeht", sagt Vocke stolz.
Das Loch, das die Jäger in der Heimat hinterlassen haben, füllen NABU und BUND mit der großflächigen Auswilderung von 273 Wölfen, 100 Luchsen und 34 Braunbären. Hiernach verschwinden zwar vor allem im ländlichen Raum vermehrt Kleinkinder. Weil aber Bayern weltweit Berühmtheit als das wildeste Land östlich des Mississipis erfährt, wird dies landläufig gebilligt.
Juli
Das Staatsdefizit hat nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise bis dato unbekannte Ausmaße angenommen. Zur Eindämmung hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket gebündelt, dass durch punktuelle steuerliche Eingriffe Einnahmen generieren soll. Allerdings will man nur die treffen, die es wirklich verdient haben. "Wir muschdden die Belaschtungsgrubben so geschdaldden, dasch der dröge Wahlmichel zum einen selbscht möglischst unangetaschtded bleibt und zum anderen ihm die steuerliche Abstrafung der anderen weideschdgehend gut verkaufbar war. S' sch' wie s' sch' ", führt Finanzminister Schäuble verschmitzt aus. Neben einer Totalvereinnahmung von Bonusgehältern und einer Höhensteuer auf Minarette wird daher zukünftig eine Waffenbesitzsteuer erhoben. Eine Langwaffe sollen Berechtigte nach wie vor steuerfrei besitzen dürfen. Danach wird eine Steuer von 12,8% des Nettowaffenneupreises (inkl. Optik und Montage) für jedes weitere Gewehr erhoben. Bewertungsprobleme werden mit einer gesetzlichen Fiktion umgangen. Lässt sich der Waffenneupreis, für den der Berechtigte die Beweislast trägt, nicht mehr feststellen, wird dieser pauschal mit 6000 EUR angesetzt. "Eine angemessene Regelung.", findet auch Staatssekretär Hartmut Koschyk. Ausserdem erhofft man sich hierdurch einen drastischen Gewinn an innerer Sicherheit. Innenminister Thomas de Maziere: "Wir kriegen sie schon klein, diese gefährlichen Psychopathen. Mit dieser Maßnahme werden sich die Fetischisten schon sehr genau überlegen, ob sie ihren Trieb weiter an der Waffe ausüben wollen, oder nicht doch lieber Mal in den Puff gehen zwischendurch." Der Spiegel recherchiert knallhart und kommt zu dem Ergebnis, dass diese Regelung in Wahrheit der Waffenlobby dient und fordert weitere Verschärfungen des Waffenrechts zum Wohle aller. DJV-Präsident Jochen Borchert: "Ich wäre ja völlig Banane, entgegen meiner Unionskollegen die Besteuerung zu verurteilen. Schon in der DDR wusste man doch, dass die Partei immer Recht hat. Ich denke angesichts knapper Kassen ist es auch für uns Jäger an der Zeit, unseren Beitrag zum Gemeinwohl zu erbringen. Da muss man Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
August
RWS kündigt revolutionäre Neuerungen im Munitionsbereich an. Eis lautet das Zauberwort, das gleichwohl zu neuen Begrifflichkeiten in der Ballistik führt: Zukünftig gibt es ein Lauflade- und ein Laufmündungskaliber. Die aus gefrorenem Wasser bestehenden Projektile müssen wegen der während des Schusses auftretenden Hitze laufmündungsüberkalibrig hergestellt werden, weil während des Weges durch den Lauf logischerweise eine Abschmelzung erfolgt. Dies setzt auch eine Überarbeitung der Läufe voraus, die jedoch nach Unternehmensangaben vergleichsweise einfach erfolgen kann. Die damit verbundenen Kosten werden durch die zahlreichen Vorteile aufgewogen: Eine Hinterlandgefährdung durch Abpraller ist ausgeschlossen. Wildbret wird nicht mit Schwermetall belastet und genügt so höchsten Verbraucheransprüchen. Die Jagdmunition wird durch die Abkopplung vom Bleipreis wesentlich günstiger. Zukünftig sollen Jäger, schützen und Wiederlader ihre Geschosse im heimischen Tiefkühler selbst herstellen können. Sobald die mit der während der Jagdausübung auftretenden Probleme wegen fehlender Kühlung gelöst sind, will man das "Ice-Revolution-X" umgehend auf den Markt bringen. Anfänglich in den Geschmacksrichtungen Erdbeer und Zitrone.
September
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) urteilt über die Klage eines Jagdgegners gegen die Zwangsmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft, welche ihn in seiner Gewissensfreiheit verletzen soll. Der EGMR gibt dem Jagdgegner Recht. In der knapp gehaltenen Pressemitteilung heißt es: "Wir hatten weder Zeit noch Lust, uns mit dogmatischem Schnickschnack wie dem Regelungsgefüge der EMRK auseinanderzusetzen. Aber irgendwie ist die EMRK ja doch beseelt von einem ordentlichen Hauch Gutmenschentum. Und da passt die Jagd nicht Recht ins Bild. Heutzutage gibt es Schnitzel auch beim Discounter. Da muss man keine Tiere mehr totschiessen, schon gar nicht flächendeckend." Bei der Sekte Universelles Leben wird das Urteil mit Freudengeheul und einem Tanz ums Feuer gefeiert - nackisch. Jochen Borchert äussert sich in einem Fernsehinterview mit den Tagesthemen: "Wir Jäger müssen das so akzeptieren. Im Interesse von gesellschaftlichem Konsens, müssen wir auch Mal Einschränkungen hinnehmen."
Oktober
Im Lichte des EGMR-Urteils erkennt die Jamaika-Koalition im Saarland die Zeichen der Zeit. Die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verschärfungen will man nun nicht mehr reichen lassen. Um fisselige Regelungen zu vermeiden, die den Jagdgegnern ihre Gewissensausübung gewährleisten, wird das Saarland das erste Bundesland, das ein totales Jagdverbot einführt. Ministerpräsident Peter Müller sieht das nicht als Bruch mit dem Rest der Republik: "Wir fühlen uns sowieso den Franzosen näher." Drohenden Wildschäden sieht man gelassen entgegen. "Wir sind eh' rappelmäßig pleite. Da kommts auf die paar Euro fuffzich auch nicht mehr an." Der ÖJV-Saar bildet Lichterketten für das "Opfer Wald" und organisiert Vergrämungskommandos, die Reh- und Rotwild mit Lärmkanonen aus den Wäldern heraushalten sollen. Um das zu finanzieren, verkauft man nun vermehrt Merchandisingartikel aus der Reihe "Öbelix und Idefix". Hiebei handelt es sich um die neuen Maskottchen des ÖJV. Jochen Borchert bedauert zwar das Jagdverbot, will es aber aus Rücksicht auf Unionskollegen Peter Müller nicht weiter kritisieren: "Wir müssen Einschränkungen auch Mal hinnehmen."
November
Auf nachhaltiges Drängen des NABU erklärt Bundespräsident Horst Köhler den Kormoran zum Wappentier der Bundesrepublik. Offiziell begründet wird dieser Schritt mit der mittlerweile vorherrschenden Omnipräsens des Wasservogels. "Deutschlands Lebensadern sind schwarz - und dass ist auch gut so" findet Angela Merkel. "Möge Deutschland im internationalen Wettbewerb so erfolgreich sein, wie der Kormoran in seinem immerwährenden Wettstreit gegen Äsche und Rotauge." Auch in den Medien wird die Ablösung des Adlers, der sich in der Realität als viel zu verweichlicht erwiesen hat - er stirbt andauerend an minimalen Mengen Blei - begrüßt. Beim NABU ist man schon einen Schritt weiter. Man hofft, in Kürze auch die niedersächsische Landesregierung zu einem ähnlichen Schritt bewegen zu können. Man müsse nur rot und weiß tauschen. Und aus dem springenden Pferd einen mausenden Fuchs machen.
Dezember
Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt die Firma Armatix das vom Innenministerium lang ersehnte Waffenblockiersystem "Safe-Hunt" auf den Markt. Bislang ist es nur für Waffen von Blaser erhältlich. "Mit anderen Gewehren gibt es technische Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Aber wir sind gerade im Innenministerium dabei zu klären, ob zukünftig nur noch mit Blaser-Waffen gejagt werden darf. Damit wäre allen Beteiligten am ehesten gedient.", frohlockt Michael Lüke. Das ausgeklügelte Armatix-System ist dabei doppelt sicher: Als Jäger, der nicht im Saarland wohnt, erhält man im Rahmen eines nachgewiesenen Bedürfnisses bis zu sieben TAN-Nummern pro Jagdtag von der zuständigen Waffenbehörde. Erst nach Eingabe des achtstelligen Codes am Hinterschaft kann der Spannschieber betätigt werden. Die Nummerneingabe ist dabei solange blockiert, wie sich die Waffe nicht innerhalb des zuvor anzugebenden Jagdreviers befindet. Ob dies der Fall ist, wird mittels GPS ermittelt. In Ausnahmefällen können für Nachsuchen weitere TANs oder eine Erweiterung des Einsatzgebietes unter einer zentralen Telefonhotline des Bundeskriminalamtes erreicht werden.
In diesem Sinne,
Waidmannsgeheul....


