Freitag, 27. Februar 2009

Charlotte Roche unter Jägern

Charlotte Roche ist spätestens seit ihrem Buch Feuchtgebiete mehr als nur den Spartenfernsehzuschauern bekannt. Und trotzdem bleibt sie trotz des literarischen Erfolges in erster Linie eben eines: Fernsehmoderatorin.

In der Sendereihe "Charlotte Roche unter..." trifft sie Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen, "um mit Unwissenheit und Vorurteilen aufzuräumen, auch mir ihren eigenen". Und so gesteht sie denn auch in einem Interview bei derwesten.de ein, dass sie in Bezug auf die Jäger ihre eigenen Ansichten revidieren muss: "Ich bin mit dem Gedanken groß geworden, dass diese Leute alle rechts sind und scharf darauf, zu töten. Der Jäger, mit dem ich unterwegs war, war aber der totale Öko und hat mir erzählt, dass die Jäger eigentlich die Tiere schützen."

Auch wenn das Video nicht mehr taufrisch ist, stelle ich es hier ein. Vielleicht ist die Sendung ja dem einen oder anderen entgangen. Sehenswert ist sie allemal.

Viel Spaß.









Mehr zum Thema Jagd und Prominente

"Charlotte Roche unter..." bei 3sat


Donnerstag, 26. Februar 2009

Jagdsteuer in Rheinland-Pfalz bleibt

Es wäre auch zu schön gewesen, doch die Jagdsteuer in Rheinland-Pfalz bleibt. Im Mainzer Landtag wurde ein Antrag der FDP, die Jagdsteuer abzuschaffen, durch die Mehrheit der Stimmen der SPD abgelehnt. Da stellt man sich spontan die Frage, warum die FDP einen solchen Antrag jetzt als Oppositionspartei stellt? In Rheinland-Pfalz hatte man doch lange Jahre die Möglichkeit, sich aus der Regierungsverantwortung um diese Thematik zu kümmern.... So ist Politik.

Wie auch immer, die Jagdsteuer bleibt. Natürlich fühlt sich jeder, der durch Steuern belastet wird, irgendwie ungerecht behandelt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass wir Jäger die Jagdsteuer als ungerecht empfinden.

Grundlagen zur Jagdsteuer in Rheinland-Pfalz

Die Jagdsteuer ist in Rheinland-Pfalz eine sogenannte Kreissteuer: § 6 Abs. 1 des rheinland-pfälzischen Kommunalabgabegesetzes ermöglicht den Landkreisen, die jährliche zu zahlende Jagdpacht mit 20% zu versteuern. Bedenkt man, dass die Pachtpreise für ein Revier nicht selten fünfstellig ausfallen, kann man sich ausmalen, um welche Summen es sich hierbei handelt. Historisch betrachtet stammen Jagdsteuern aus einer Zeit, in der man mit der Anpachtung des Jagdrechts noch Geld verdienen konnte und nicht nur welches ausgab. Diese Zeiten sind längst vorbei und kaum ein Jagdpächter in Deutschland denkt auch nur im Traum daran, seine finanziellen Aufwendungen für die Jagd in irgendeiner Art und Weise zu kompensieren. Steuersystematisch ist die Jagdsteuer daher nur noch als sogenannte Aufwandsteuer erklärbar. Bei den Aufwandsteuern geht es darum, dass dem Steuerpflichtigen eine steuerliche Leistungsfähigkeit unterstellt wird, weil er einen hohen finanziellen Aufwand für eine Sache betreibt. Mit anderen Worten: Wer so viel Geld hat, sich eine Jagdpacht zu leisten, der soll doch bitteschön noch etwas ins Töpfchen für die Allgemeinheit tun.

Die Ungerechtigkeit der Jagdsteuer

Der geneigte Leser mag sich nun fragen, wo denn dann die Ungerechtigkeit dieser Steuer liegen soll. So wie die Grundlagen dargelegt wurden, hat doch alles seine Richtigkeit.

Die Probleme beginnen mit der pauschalen Unterstellung potentiellen Reichtums bei einem Jagdpächter. Natürlich ist eine Pacht oftmals teuer. Aber aus diesem Grund haben auch nur sehr wenige Jagden nur einen einzigen Pächter. Die Jägerschaft ist in weiten Teilen ein Abbild der Gesellschaft. Daher haben auch die meisten Jäger ein durchschnittliches Einkommen, aus dem sie die Last der Jagdpacht stemmen müssen. Dies geht oftmals nur mit einer Gemeinschaft, so dass die Kosten auf mehrere Schultern verteilt werden können. Die Annahme einer erhöhten finanziellen Leitungsfähigkeit ist daher nicht zwingend.

Hinzu kommt, dass die Jagdsteuer eben ihren historischen Kontext verloren hat, seit man mit der Jagd kein Geld mehr verdient. Als Ertragssteuer ist sie nicht erklärbar, als Aufwandsteuer grenzt es an eine Neidabgabe.

Am schwersten wiegt jedoch die Tatsache, dass Jäger mit ihrem Tun in einem erhöhten Maße auch Dinge tun, die im Interesse der Allgemeinheit liegen:
  • Jäger räumen freiwillig und unentgeltlich Fallwild nach Wildunfällen von den Straßen und suchen angefahrene Tiere bei Wind und Wetter nach - einen eigenen Nutzen hat der Jäger hierbei kaum, denn meistens sind die aufgefundenen Tiere nicht mehr verwertbar. Selbst wenn dies ausnahmsweise der Fall ist, darf das Fleisch nach neuem Lebensmittelrecht nicht in Verkehr gebracht werden. Hierdurch spart die öffentliche Hand bares Geld, weil sie ansonsten für die Entsorgung des Fallwildes aufkommen müsste.
  • Jäger beugen gegen für Nutzvieh gefährliche Wildkrankheiten vor, indem sie die Bestände kurz halten und insbesondere vom Land angeordnete Impfaktionen selbstständig und ohne Gegenleistung durchführen. Auch hier spart die öffentliche Hand.
  • Jäger führen vielerorts Naturschutzmassnahmen durch, pflanzen Hecken, legen Wildwiesen an, renaturieren Tümpel und Teiche zur Biotopverbesserung. Teilweise werden diese Massnahmen aus rein jagdlichen Gesichtspunkten vorgenommen, teilweise sind sie naturschützend motiviert. Egal aus welcher Motivation heraus solche Massnahmen jedoch erfolgen: In jedem Fall sind sie förderlich für die heimische Flora und Fauna und zwar nicht nur für jagdbare Tierarten. Jäger unterstützen so den als Staatsziel im Grundgesetz verankerten Umweltschutz.
Obwohl die Jägerschaft hiernach wichtige Aufgaben mit Nutzen für die Allgemenheit übernimmt, wird sie zusätzlich durch die Erhebung der Jagdsteuer belastet. Niemand käme auf die Idee, bei einem ehrenamtlich-tätigen Vereinsmitmitglied eine Steuer auf den Mitgliedsbeitrag zu erheben. Natürlich ist diese Situation nicht identisch zur Jagdsteuer, sie hat aber eine gewisse Parallele.

Überhaupt ist zweifelhaft, wie hoch die Summen sind, die die öffentlichen Kassen jedes Jahr einsparen, weil Jäger Fallwild entsorgen und Impfungen durchführen. Am Ende liegen diese Beträge möglicherweise über den Summen, die durch die Jagdsteuer eingenommen werden. Die Schatzmeister freut es also doppelt, dass er die Jäger hat. Diese Rechenspiele geben aber auch den Jägern ein potentielles Druckmittel: Würden die Jäger Fallwild nicht mehr entsorgen und keine Impfungen mehr durchführen, dann kämen diese Pflichten samt der Kosten auf die Landkreise zu. In dem Moment, wo die Ausgaben hierfür die Einnahmen aus der Jagdsteuer übersteigen, lohnt sich die Erhebung der Jagdsteuer nicht mehr.

Die Diskussion um die Jagdsteuer dauert nun schon Ewigkeiten. In vielen Bundesländern hat man sie aus gutem Grund bereits abgeschafft. In Rheinland-Pfalz wird diskutiert, beantragt, abgelehnt, dikutiert, beantragt, abgelehnt...

Ich bin eigentlich kein Freund von plakativen Massnahmen. Vielleicht ist es aber langsam doch an der Zeit, es hart auf hart kommen zu lassen um zu sehen, was passiert. Viele Jäger sehen das kritisch, weil das Bild der Jäger in der Öffentlichkeit schaden nehmen könnte. Aber Mal im Ernst: Was will man uns denn vorwerfen?


Quelle: Jagdsteuer wird nicht abgeschafft (Wormser Zeitung)


Mittwoch, 25. Februar 2009

Die Pille für Wildschweine kommt

Schlimmer kann es fast nicht kommen: In Berlin werden jetzt High-Tech-Fallen ausprobiert. Wildschweine werden mit einem speziellen Futter in die Falle gelockt, die automatisch das Gewicht feststellt und die Tiere mit einem Chip versieht.

Der eigentliche Clou ist dabei ein ominöser Wirkstoff im Futter, der ein halbes Jahr ein erfolgreiches Beschlagen der weiblichen Tiere verhindert. Dabei soll es sich nicht um Hormone, sondern um Antikörper handeln, was auch immer das heissen mag. Noch sind die Fallen mit rund 20.000 EUR sehr teuer, allerdings könnten die Preise bei Serienproduktion drastisch reduziert werden.

Diese Entwicklung ist in meinen Augen mehr als fatal.

Zum einen werden wir Jäger höchste Probleme bekommen, unser durch Jagd gewonnenes Wildfleisch noch ungebrandmarkt als gesunde, ursprungliche und unbelastete Delikatesse zu veräußern. Zum anderen ahne ich Böses, wenn ich an die Antijagdfraktion denke. Sofern dieses Modell Erfolg hat, höre ich schon die nächsten Unkenrufe nach der Abschaffung der Jagd. Dort wo ein Abschuss durch Jäger nicht mehr notwendig ist, um Bestände zu regulieren, müsste man ja auch keine Wildtiere töten. Damit bekommen wir Jäger ein neues Gegenargument, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Und überhaupt: Auch wenn es schwerer umzusetzen sein wird, könnte man ja darüber nachdenken, entsprechendes bei anderen Schalenwildarten umzusetzen. Die Forstfraktion und den ÖJV würde es wohl freuen, ohne dass ich damit jetzt ideologische Grabenkämpfe hier eröffnen will.

Indes wäre auch hierdurch der Jagd nicht die Rechtfertigung entzogen, denn nach wie vor würde die Jagd die ökologischste und nachhaltigste Art und Weise darstellen, um an Fleisch zu kommen.

Trotzdem ist es in meinen Augen eine mehr als fragwürdige Methode. Wenn wir damit beginnen, wo hören wir dann auf. Der Landwirt fordert es für Wildschweine, der Förster fürs Rotwild, der Jäger für den Fuchs....

Wir müssen aufpassen, dass uns hier nicht ein großes Stück der ökologischen Ursprünglichkeit unseres Tuns genommen wird!


Impfung für Wildschweine (Quelle: BZ online)



Montag, 23. Februar 2009

Seeadlertod durch Bleivergiftung

Gerade eben erst sind wieder Fälle vergifteter Seeadler aufgetreten. Während ein ein Brandenburg aufgefundener Seeadler bereits eingeschläfert werden musste, droht dieses Schicksal auch dem Berliner Seeadlerweibchen. Die Chancen, dass es überlebt, stehen nach den momentanen Presseberichten jedenfalls schlecht.

Wie stets in solchen Fällen, ist der Schudige dabei sofort ausgemacht: Der Jäger mit seiner bleihaltigen Munition. Man geht davon aus, dass Seeadler die mit blei-kontaminierten Aufbrüche, also Innereien, der erlegten Tiere aufnehmen und sich so mit Blei vergiften. Und so wird auch die Lösung dieses Problems allenthalben schnell propagiert: Verbietet bleihaltige Munition.

Wenn es denn so einfach wäre.

Bleihaltige Munition als Ursache vergifteter Seeadler

Zunächst einmal ist zu fragen, inwieweit tatsächlich bleihaltige Munition für das Verenden der Seeadler verantwortlich gemacht werden kann.
Unbestritten: Ein Großteil tot aufgefundener Seeadler starb nachweislich an einer Bleivergiftung (ca. 25 %). Unklar ist indiesem Zusammenhang aber, inwieweit das verantwortliche Blei auch tatsächlich aus Jagdmunition stammt. Während die oben verlinkte Statistik von 70 mit Blei vergifteten Seeadlern ausgeht, konnte nur bei 27 ein direkter Zusammenhang zu Jagdmunition hergestellt werden. So lesen sich die Zahlen dann plötzlich ganz anders.

Corpus delicti: Bleihaltige Büchsenmunition


Natürlich ist damit noch nicht gesagt, dass in den übrigen Fällen Jagdmunition definitiv als Verursacher auscheidet. Dennoch fehlt mir bislang in der Diskussion die Inaugenscheinnahme anderer potentieller Quellen. Denn eins ist auffällig: Die Problematik der Bleivergiftung scheint sich in höchstem Maße auf Seeadler zu begrenzen, obwohl sie in gleichem Maße bei anderen Greifvögeln wie dem Mäusebussard auftreten müsste, der in Deutschland sowohl flächen- als auch zahlenmäßig weitaus häufiger vorkommt. Evtl. besteht hier auch ein Unterschied in der Zusammensetzung der Magensäure zwischen den Arten, der dieses Phänomen erklären könnte. Erst durch einen hohen Säuregehalt wird das Blei im Magen gelöst - wenn überhaupt. Deshalb kippt man als Jäger auch nicht aus den Latschen, wenn man beim Hasen ein Schrotkorn mitisst. Trotzdem muss der Gedanke erlaubt sein, ob die Vergiftungserscheinungen eben nicht doch eine andere Quelle haben könnten. Hier wäre ein erstes Augenmerk auf die vom Seeadler vornehmlich verzehrten Fische zu legen: Auch für den Menschen gilt, dass eine erhöhte Bleikonzentration hauptsächlich durch den Verzehr von Fisch bedingt ist. Interessant wäre es insoweit auch, zu welchen Jahreszeiten die Bleivergiftungen erfolgen. Man liest davon, dass die Seeadler ohnehin nur im Winter auf Aas ausweichen, wenn sie nicht ausreichend viel Fisch finden. Demnach sollten Bleivergiftungen im Sommer nicht vorkommen. Hierzu müsste es doch belastbare Zahlen geben.
Diese Argumente sollen nicht pauschal für die Unschädlichkeit von bleihaltiger Jagdmunition sprechen. Sie sollen nur zum Querdenken in eine andere Richtung anregen. Ich bin weder Biologe noch Chemiker und kann mir daher mein Bild nur laienhaft machen. Und diese Fragen sind für mich in der Diskussion noch nicht beantwortet.

Warum nicht einfach bleifrei?

Nun kann man sagen, dass jeder tote Seeadler einer zuviel ist und schon die Möglichkeit, dass die Vergiftungen von bleihaltiger Munition herrühren ausreichten muss, um bleihaltige Munition nachhaltig zu verbieten. An und für sich kein schlechter Gedanke.

Allerdings schiessen wir Jäger bleihaltige Munition nicht aus reinem Selbstzweck. Im Grunde ist es mir ziemlich egal, aus welchem Werkstoff die Kugel besteht, die das von mir beschossene Wild sicher und zuverlässig tötet. Genau da sind wir aber bei einem Problem alternativer Jagdgeschosse, wie beispielsweise dem Kupferjagdgeschoss (KJG) von Lutz Möller, dem Impala oder der Bionic-Geschosse von RWS, angelangt. Während Blei optimale Eigenschaften besitzt, die sich über Jahrhunderte bewährt haben, wird vielfach die zuverlässige Tötungswirkung bleifreier Jagdmunition bestritten. Natürlich tötet auch ein anderes Geschoss. Die Kernfrage ist aber, wie schnell und und zuverlässig dies geschieht. Diese Frage berührt die oberste Prämisse eines jeden Jägers: Wie erlege ich mein Wild möglichst schmerzfrei?
Immer wieder hört man in der Diskussion um bleifreie Jagdmunition, dass alternative Werkstoffe ein deutlich negativeres Verhalten aufzeigen, als herkömmliche Geschoßtypen. Fraglich bleibt natürlich, wie begründet solche Aussagen sind. Im Grunde hilft da nur eines: Ausprobieren. Allerdings habe ich ein Problem damit, Munition auf Wild zu verwenden, von deren Tötungswirkung man immer wieder negatives hört. Völlig aus der Luft gegriffen werden auch diese Berichte nicht sein.

In diesem Kontext ist ebenfalls zu erwähnen, dass Unklarheit über die sichere Verwendung bleifreier Alternativmunition besteht. Während sich ein Bleigeschoss bei Widerstand relativ schnell zerlegt, trifft das auf andere Geschosstypen nicht zu. Als Resultat wird von Kritikern vielfach ein ein negatives Abprall- und Zerlegungsverhalten behauptet, welches zu einer erheblich größeren Gefährdung des Umlandes führt und damit Spaziergänger, Waldbesucher und Jäger bedroht. In den Landesforsten Brandenburg wurde zum Schutz des Seeadlers die Verwendung von Bleigeschossen verboten. Kurz darauf schlug man ins andere Extrem um und verbot den Jägern, mit bleifreier Munition zu jagen - wegen der unklaren Gefährdungslage.

Zudem wird auch noch zu untersuchen sein, inwieweit nicht Alternativgeschosse ihrerseits toxisch wirken.

Bleischrot


Insgesamt ist die Diskussion sehr unübersichtlich und scheint hüben wie drüben teilweise eher vom Glauben als vom Wissen bestimmt zu sein. Die Aussagen sind daher auch nicht als ein Pro oder Contra zu verstehen. Sie sollen nur zeigen, dass das derzeit oftmals geforderte Bleiverbot weitaus komplexer ist, als gemeinhin angenommen. Wünschenswert wäre, diese Fragen sachkundig näher zu beleuchten. Je nachdem, wie die Ergebnisse hierzu ausfallen muss man sich schlussendlich überlegen, ob ein höheres Leiden des Wildes beim Erlegen und/oder eine höhere Gefährdung von Menschen für das Überleben einiger Seeadler gerechtfertigt sind.

Bleiverbot als ultima ratio

Dabei stellt das Verbot bleihaltiger Munition ohnehin nur das letzte Mittel dar, um die Vergiftung von Seeadlern zu verhindern. Am einfachsten ist es, letztlich die Innereien erlegter Tiere so zu entsorgen, dass sie nicht aufgenommen werden können. Zudem wäre ein regionales Verbot bleihaltiger Munition völlig ausreichend - Seeadler gibt es nicht in der ganzen Bundesrepublik.
Jetzt kommt für mich der krude Aspekt dieser Diskussion ins Spiel: Genau das ist seitens mancher Greifvogelschützer nicht erwünscht. Denn die Aufbrüche werden während der Wintermonate als überlebenswichtiger Bestandteil der Nahrung für viele Greifvogelarten. Da sind wir wieder bei dem Punkt, mit dem als Jäger ohnehin weitreichend zu kämpfen hat: Wie man es macht, man macht es verkehrt.

Man verlangt von uns (und wir verlangen es von uns selber), Wild schnell und zuverlässig zu töten, ohne dabei jemanden zu gefährden.
Selbstverständlich.
Wegen der Gefährdung der Seeadler sollen aber Aufbrüche eigentlich nicht liegen gelassen werden.
Aha.
Weil Seeadler den Aufbruch aber als Nahrung brauchen, sollen wir die Aufbrüche besser doch nicht entsorgen, sondern bleifrei schiessen.
Nun gut.
Bleifreie Jagdmunition verursacht beim Wild unter Umständen größeres Leiden und eine höhere Gefährdung von Personen.
Tja, und jetzt? Ich höre die Jagdgegner schon wieder rufen...

Dabei wäre im Rahmen dieser ganzen Diskussion nur eines konsequent: Regionale Verbote, Aufbrüche von mit bleihaltiger Munition geschossenem Wild im Revier zu belassen. Fertig. Man kann doch nicht allen Ernstes das Verbot von bleihaltiger Munition fordern, wenn man dies als Mittel zur Verfügung hat. Wenn man dann argumentiert, die Seeadler bräuchten aber die Aufbrüche, dann beisst sich die Katze in den Schwanz.

Es beschleicht einen Mal wieder das ungute Gefühl, dass es im Endeffekt nur darum geht, in der Manier der Salamischeibentaktik die Jagd zu beschränken. Schlussendlich wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen: Nie war die Population von Greifvögel im Allgemeinen und von Seeadlern im Speziellen so hoch wie heute. Insoweit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Fälle von Vergiftungen in absoluten Zahlen häufen. Obwohl dabei in den meisten Fällen die Bleivergiftung nicht auf Jagdmunition zurückgeführt werden kann, wird allenthalben ein Verbot bleihaltiger Geschosse befürwortet und damit unter Umständen höheres Leiden beim Wild und eine größere Gefährdung für Menschen in Kauf genommen, anstatt schlicht und ergreifend einfachere Wege zu gehen: Regional das Belassen von potentiell-verbleiten Aufbrüchen im Revier zu verbieten.

Blicke über die Landesgrenze hinaus bringen dabei teilweise erstaunliches zu Tage: In den USA wurde Bleischrot verboten, weil es für Vergiftungen von Enten verantwortlich gemacht wurde, die die Bleikügelchen angeblich beim Gründeln aufnahmen und sich so mit Blei vergifteten. Aus diesem Grund ist auch in Deutschland die Verwendung von Bleischot an Gewässern weitestgehend verboten. Die Massnahme in den USA hatte denn auch Erfolg. Schlagartig wurden keine vergifteten Enten mehr gefunden. Toll. Man fragt sich nur: Was ist mit den unzähligen Bleikügelchen, die nach jahrelanger Jagd immer noch in den Flüssen und Teichen liegen müssen. Haben die sich selbst verboten und aufgelöst? Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

Mehr:



Du hast Deine eigenen Ansichten über bleifreie Munition? Schreib' einen Kommentar.



Donnerstag, 19. Februar 2009

Weitere Fälle von Schweinepest in Rheinland-Pfalz

In Rheinland Pfalz wurden jetzt drei neue Fälle von Schweinepest bekannt. Das teilt das Umweltministerium des Landes mit. In den rechtsrheinischen Landkreisen Altenkirchen, Westerwald und Neuwied wurde bei zwei Frischlingen und einem Überläufer das Virus nachgewiesen. Schweinezüchter sind in den betreffenden Gebieten aufgefordert, ihre Tiere in den Ställen zu lassen und Futtermittel für Wildschweine unzugänglich aufzubewahren.

Auch die Jäger wird angesichts dieser Situation in die Pflicht genommen: Ab Ende Februar sollen regelmäßig Impfköder ausgelegt werden. Ausserdem ruft das Umweltministerium erneut zur weiteren Reduzierung der Wildschweinbestände auf.

Informationen des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz zum Thema Schweinepest.

Unterdessen bereitet man sich auch in Hessen auf ein Übergreifen der Seuche vor. Auch hier ruft Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger die Jäger zu intensiver Bejagung der Wildschweine auf. Ausserdem sind landesweit zahlreiche Informationsveranstaltungen zum Thema Schweinepest für Jäger und Landwirte anberaumt.

Termine der Informationsverantaltungen zum Thema Schweinepest



Bilder: Winter im Revier

So schön die grünen Wiesen im Sommer auch sein mögen: Wie herrlich ist ein sonniger Schneetag! Hier ein paar Winterimpressionen aus einem verschneiten Hunsrückrevier:



Nicht immer ist ein Hochsitz die beste Wahl. Man muss sich auf das Wild einstellen und wenn es nicht dort zieht, wo man einen Sitz hat, muss man eben improvisieren. Kommt das Wild nicht zu Dir, musst Du zum Wild kommen. War übrigens ein schöner Ansitz und meine Idee ist auch aufgegangen. 40 Minuten nachdem ich dieses Bild gemacht hatte, kam der erhoffte Fuchs. Leider habe ich ihn verpennt und deswegen viel zu spät gesehen. Infolgedessen hat er mich mitbekommen und verdrückt, als ich zum Gewehr griff.




Einsame Kanzel mitten im Wald.




Ein Schatten meiner selbst




Mein Lieblingsplätzchen




Pirschpause


Mittwoch, 18. Februar 2009

Bilder: Spuren und Fährten

Nach einer Nacht mit Neuschnee liegt das Jagdrevier vor einem und man kann darin lesen, wie in einem Buch. Die frischen Fährten zeigen einem genau die Wege des Wildes und ermöglichen es so, Erfahrungen zu sammeln und sein jagdliches Handeln zu optimieren.

Welche Wildarten kommen wo vor im Revier? Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin?

Beim Umherstreifen durch die verschneite Landschaft lässt sich also einiges erfahren. Und auf Bildern festhalten, wenn man eine Kamera dabei hat:

  • Hasenspur:



Absolut charakteristisch und nicht zu verwechseln wegen der länglichen Hinterpfoten des Hasen.

  • Fuchsspur:



Die Abdrücke der Pfoten ziehen sich dahin, fast wie an einer Perlenschnur. Deshalb nennt der Jäger das Laufen des Fuchses auch "schnüren". Die Größe der Pfotenabdrücke liegen dabei zwischen der von Hund und Katze und sind im Gegensatz zum Hund eher oval geformt.

  • Rehfährte


Beim Rehwild wird es schon etwas schwieriger. Wenn man unerfahren ist, kann man dazu neigen, die Fährte eines Rehs mit der schwereren Wildes zu verwechseln. Mit etwas Erfahrung passiert dies aber nicht. Als Größenvergleich dient die Zigarettenschachtel. Aber auch hierbei darf man sich nicht täuschen lassen! Hier hat das Reh die Schalen nicht senkrecht aufgesetzt. Durch das schräge Eintauchen in den Schnee wirkt die Fährte dabei größer, als sie eigentlich ist. Dies kommt nach meinen Beobachtungen beim Rehwild häufig vor. Entscheidend ist daher nur Bereich des Abdrucks, der sich unmittelbar auf dem Boden abbildet. Dies ist also hier nur etwas mehr, als Kreis auf der Zigarettenschachtel. Wenn man unsicher ist, kann man sich mit einfachen Mitteln weiterhelfen: Bei meinen (großen) Händen entspricht die Länge der Schalen eines Stück Rehwilds in etwa den ersten beiden Gliedern meines kleinen Fingers. So habe ich stets ein zuverlässiges Maß dabei.

  • Saufährte





Im Vergleich zur Rehfährte fällt sofort die Größe auf. Der Fährtenabdruck ist fast so groß, wie das Zigarettenpäckchen: Das war kein kleines Wildschwein! Aufgrund der Größe ist die Fährte eigentlich nur mit der von Rotwild zu verwechseln. Hier gibt es jedoch einen eindeutigen Hinweis, der für Schwarzwild spricht. Deutlich sichtbar ist nämlich das sogenannte Geäfter. Damit bezeichnet man den Abdruck der Afterklauen. Dies sind zwei Zehen, die sich auf der Rückseite des Laufes beim Schalenwild befinden und wesentlich höher sitzen als die vorderen Schalen. Eben weil sie höher sitzen, drücken sie sich in der Regel nicht mit ab. Anders beim Schwarzwild: Beim ihm ist das Geäfter wesentlich niedriger angesiedelt und ist dementsprechend weitaus häufiger, fast regelmäßig in der Fährte zu finden. Auf den Bildern sieht man es sehr deutlich am linken Rand der Schalenabdrücke. Hinzu kommt, dass das Geäfter beim Rotwild in direkter Linie hinter den Schalen zu finden ist und sich eher punktförmig abbildet, während es bei Wildschweinen deutlich sichelförmig über die Abdrücke der eigentlichen Schalen hinausragt. Das ist auf den Bildern gut zu erkennen.

  • Rotwildfährte


Im Vergleich zum Rehwild fällt sofort wieder die Größe des Abdrucks auf. Allerdings fehlen hier im Gegensatz zur Schwarzwildfährte die Abdrücke der Afterklauen, was den Rückschluss auf eine Rotwildfährte zulässt. Was auffällt ist der Größenunterschied der beiden Abdrücke zueinander. Hier sind zwei Stücke Rotwild entlang gewechselt, ein stärkeres und ein schwächeres. Da die Abdrücke insich nicht übermäßig stark wirken, waren es vermutlich zwei Stück Kahlwild, also weibliches Rotwild und keine Hirsche. Wahrscheinlich handelte es sich um ein Alttier mit Kalb oder einem Schmaltier. Erfahrene Hischfährtenleser werden sich jetzt an den Kopf fassen, denn sie können anhand einer Fährte zumindest nach ihren eigenen Angaben Geschlecht und Gewicht wesentlich genauer bestimmen. Insgesamt ist das eine Wissenschaft für sich. Allerdings wird auch behauptet, dass bei diesem Thema viel Brimborium und Aberglaube vorherrscht. Weil bei uns Rotwild nur sehr sporadisch vorkommt und mir insoweit auch einiges an Erfahrung fehlt, kann ich es jedenfalls nicht genauer bestimmen.


  • Der Herrscher des Waldes



Zum Schluss nun noch das Kapitalste, was der deutsche Wald zu bieten hat: Hart und unerbittlich, kräftig und schnell. Wer hat es erkannt?
Richtig. Ein Eichhörnchen.


Hast Du Fragen oder Anmerkungen zu den Bildern? Schreib einen Kommentar!

Dienstag, 17. Februar 2009

Bilder und Video: Heulende Wölfe

Immer wieder ist in der vergangenen Zeit die Rückkehr des Wolfes in Deutschland Thema in den Medien und unter den Jägern.

Mittlerweile kann man fast davon sprechen, dass sich der Wolf wieder fest in der Bundesrepublik angesiedelt hat: In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hessen konnte das Raubtier bisher vereinzelt bestätigt werden. Vor allem aber in Sachsen und Brandenburg gibt es die Wölfe mittlerweile zahlreich. Insgesamt wird der Bestand in Deutschland auf 50-60 Tiere geschätzt.

Die wenigsten werden dennoch verständlicherweise bislang einen Wolf in freier Wildbahn erlebt haben. Beobachten kann man sie indes auch in Wolfsgehegen, so zum Beispiel Wolfspark in Merzig (Saarland). Am Wochenende war ich dort, um die Tiere live zu sehen. Das war schon interessant. Bei der Gelegenheit habe ich auch ein Paar Bilder und ein Video gemacht. Die gibt es jetzt hier zu sehen:

Europäischer Wolf (? bin mir nicht sicher...)

Von Hunsrückwilderer

Kanadische Wölfe

Von Hunsrückwilderer

Von Hunsrückwilderer

Heulende Polarwölfe im Bild...

Von Hunsrückwilderer



...und im Video:




Freitag, 13. Februar 2009

Über grüne Brücken sollst Du gehen...

Wer hätte gedacht, dass aus der aktuellen Wirtschaftskrise Vorteile für Natur und Wildtiere entstehen könnten. Im aktuellen Maßnahmenpaket, dass durch den Bundestag verabschiedet wurde, sind auch Gelder für die Vernetzung von Lebensräumen vorgesehen. Gibt es bislang nur 40 Grünbrücken in Deutschland, so darf jetzt gehofft werden, dass sich diese Zahl durch Infrastrukturmassnahmen deutlich erhöht. In anderen europäischen Ländern gehören diese schon seit längerem zum gewohnten Bild, wenn man sich auf Reisen über die Autobahnen bewegt.

Und auch die Autofahrer dürfen sich freuen. Grünbrücken führen selbstverständlich auch zu weniger Wildunfällen. Weil nun natürlich nicht schlagartig tausende Wildübergänge aus dem bundesdeutschen Boden sprießen werden, wird dies zwar eher unmerklich verlaufen. Aber dennoch ist jeder einzelne Wildunfall weniger eine gute Sache.

Ich bin jedenfalls gespannt, wieviele Grünbrücken am Ende tatsächlich dabei herauskommen werden. Hoffentlich gibt es später auch etwas handfestes zu vermelden. Nicht, dass am Ende großen Ankündigungen nur kleine Taten folgen. Die Gefahr besteht, denn Investitionsbedarf existiert derzeit wohl fast überall bei der öffentlichen Hand. Warten wir einfach ab, was passiert.

Quelle: Deutscher Jagdschutzverband


Donnerstag, 12. Februar 2009

Öffentliche Jagdbibliothek

In Melsungen entsteht Deutschlands erste öffentliche Jagdbibliothek als Projekt der Julius-Neumann-Stiftung. Nach HNA-online sollen dort auf 400 Quadratmetern bis zu 20.000 Werke gesammelt und wissenschaftlich ausgewertet werden. Ziel des ganzen ist eine gut organisierte Sammlung deutschsprachiger Jagdliteratur.

Das ist doch eine lobenswerte Sache! Ich hoffe sehr, dass man nicht nur Romane dort ansammelt, sondern auch entsprechende Fachliteratur. Interessant hört sich das Ganze so oder so an. Und wie es scheint, ist man für Geld- oder Buchspenden natürlich offen. Wer also noch alte Schinken los werden will, kann sich bei der Stiftung versuchen.

Ich hoffe, man hört bald mehr von dem Projekt!

Quelle


Wenn es läuft...

Warum geht man eigentlich wochenlang raus und sitzt sich den Hintern platt, während es in anderen Zeiten wie aus Kübeln kommt? Gerade wenn es um Sauen geht? Das wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Aber gerade das ist es auch, was das Jagen so interessant macht. Kein Tag und keine Situation gleicht der anderen.

Jedenfalls hat es wieder geklappt. Und ein Rätsel konnte ich für mich auch zumindest ansatzweise lösen. Aber dazu später mehr.

Nach dem Sturm gestern, war heute zum Glück gutes Wetter. Es lag noch ein wenig Schnee und erste Schneeflocken wirbelten bereits wieder durch die Luft, als ich mich auf ins Revier machte. So würde es auch nichts ausmachen, dass der Mond nun doch erst relativ spät aufgeht. Leider hatte die letzten beiden Tage niemand die Kirrungen kontrollieren können. Und weil mein Auto erst gegen sechs Uhr aus der Werkstatt kam, war ich (Mal wieder) reichlich spät dran. Ehrlich gesagt: Ich war nicht nur spät, ich war eigentlich viel zu spät, denn mittlerweile war es schlicht und ergreifend schon stockdunkel.

Aber es half ja nichts, denn mein Vater wollte später auch noch raus und nach meinen Jagderfolgen der letzten Woche hätte ich ihm ein Waidmannsheil schwer gegönnt. Die Kirrungen mussten also kontrolliert werden, so oder so, auch wenn ich mich beeilen musste. Um dabei nicht den ganzen Wald durcheinander zu machen, entschied ich mich kurzerhand, so weit es ging mit dem Auto vorzufahren.

An der Kirrung, an der ich schon den letzten Frischling geschossen hatte, verriet die Wilduhr, dass die Wutzen zuletzt am Montagabend um halb neun da gewesen waren. "Blöd", dachte ich. "Jetzt war gestern niemand gucken und womöglich haben sie sich jetzt umgestellt". Ausserdem machte ich mir angesichts des frühen Erscheinens arge Sorgen um meinen Zeitplan. Mittlerweile war es nämlich schon halb acht. Also war Beeilung angesagt.

Nachdem ich den Rest erledigt hatte, parkte ich mein Auto und machte mich pirschend in Richtung Sitz. Mein Gott, was ist richtiges Pirschen anstrengend. Wenige Meter werden zu schier unüberwindbaren Strecken. Aber nur so kommt man wirklich lautlos voran. Zentimeterweise schob ich mich vorwärts. Schauend...lauschend... Ich musste schliesslich damit rechnen, dass die Wutzen jeden Moment kommen würden, oder aber schon da sein könnten. Der weiche Schnee half mir, mich leise bis zum Sitz zu schaffen: Alles war ruhig.

So setzte ich mich an. Der Wind passte. Die offene Leiter "Hinter Herwersch" steht schön, wenn nur die Schneise etwas geräumiger ausfallen würde. Tja, das leidliche Lied der Kirrungsjagd - man kann eben nicht alles haben. Leise Ungewissheit machte sich breit: Ob das hier wirklich Aussicht auf Erfolg hatte?

Kurzum: Ich musste nicht lange warten. Gegen neun Uhr war laut und deutlich das Knurren eines Stück Schwarzwildes zu hören. Und zwar in unmittelbarer Nähe! Warum hört man Sauen eigentlich Mal kilometerweit anwechseln und das andere Mal stehen sich plötzlich wie von Geisterhand vor einem? Nun, vielleicht hatte sie der Schuss beim letzten Mal vorsichtig werden lassen.

Anhand der Geräusche war jedenfalls auszumachen, dass es sich nicht nur um ein Stück handelte. Auf der anderen Seite der Schneise hörte man ein Stück deutlich blasen. Dann wieder Stille... Da! Ein leises Quieken. Jetzt bloß keinen Mucks machen. Mein Puls ging ein bisschen schneller. Der Wind stand nicht 100%ig optimal. Hatten sie mich gewittert? In Zeitlupe geht die Hand zum Fernglas. "Wie ich dieses leise Rascheln meiner Jacke verdamme!!!"... Der Blick zeigt dann doch, dass ein Schwarzkittel schon am Rand der Schneise steht und die Lage sondiert. Sollte ich direkt das Gewehr nehmen? Nicht um direkt zu schiessen. Das verbot sich von selbst. Aber wenn ein passendes Stück kommt, muss es manchmal schnell gehen, um am Ende nicht die Chance zu verpassen. Allerdings schien es noch einen Moment zu dauern und ich wollte verhindern, dass mir schlussendlich der Arm lahm werden würde. Ausserdem ist mein Fernglas wenn es um Details geht dem Zielfernrohr doch überlegen. Und angesichts der Tatsache, dass hier eine größere Rotte zu kommen schien, wollte ich erst genau die Lage sondieren.

Plötzlich sehe ich, wie eine zweite Sau die Schneise betritt. Nicht ganz stark, nicht ganz schwach. Ca. 40kg - wahrscheinlich ein Überläufer. Dann ein drittes Stück, wesentlich stärker. Beide passen nicht. Ruhig bleiben. Abwarten. Ich würde meine Chance bekommen.

Langsam füllte sich die Kirrung. Insgesamt sieben oder acht Sauen mussten es sein. Und dazwischen: Schwache Frischlinge! Jetzt war der Moment gekommen, zur Waffe zu greifen. Vorsichtig geht der Griff ans Gewehr. So leise wie möglich versuche ich die Abdeckung des Zielfernrohrs abzuziehen, die ich wegen des jetzt starken Schneefalls aufgesetzt hatte. Ohne anzuschlagen lege ich die Büchse auf die Brüstung. Der Leuchtpunkt ist an. Klar und deutlich heben sich die schwarzen Wildkörper von der Schneedecke ab. Drei Frischlinge stehen im Pulk am linken Rand der Schneise. Mit dem Zeigefinger schiebe ich lautlos den Sicherungsknopf nach oben. Die größeren haben sich rechts zusammengeschoben. Jetzt heisst es Ruhe bewahren, bis sich einer der Frischlinge aus dem Pulk löst und freisteht. Kaum habe ich es gedacht, passiert es auch schon. In der Mitte der Schneise steht er völlig frei, allerdings spitz auf mich zu. Er dreht sich...mein Finger berührt den Abzug...ich erhöhe den Druck... Und schneller als erwartet durchbricht der Schuss die Stille der Nacht.

Die Rotte bricht weg, ich repetiere. Im Zielfernrohr sehe ich noch ein kurzes Schlegeln, dann kehrt die Gewissheit ein: Der Frischling liegt an Ort und Stelle mit einem sauberem Schuss. In diesem Moment macht sich bei mir stets große Erleichterung breit. Die oberste Prämisse des Jägers, sein Wild sauber, schnell und möglichst schmerzfrei zu erlegen, ist einmal mehr erfüllt.

Links der Schneise kann ich die Sauen noch einen kurzen Moment hören. Sie würden ja nicht nochmal zurückkommen?! Sicherheitshalber bleibe ich noch eine Weile halb im Anschlag, bis ich nichts mehr hören kann. Dann mache ich mich ans bergen und versorgen, wobei mir schon recht leckere Ideen im Kopf herumschwirren, was man mit diesem prima 20kg-Frischling alles anstellen kann. Herrlich.

Schlussendlich ergibt sich jetzt auch ein klareres Bild, was beim letzten Schuss (Die Geschichte dazu gibts hier: Ein Frischling an der Kirrung) an dieser Kirrung passiert war, bereitete mir da doch das späte Erscheinen des damaligen Frischlings Kopfzerbrechen. Wahrscheinlich war die erste starke Sau tatsächlich ein Überläuferkeiler oder eine junge Bache kurz vor dem Frischen, die bzw. der sich von der Rotte separiert hat. So lautlos, wie die Rotte dieses Mal angewechselt war, hatte ich sie vermutlich auch beim letzten Mal nicht gehört. Während seinerzeit also die einzelne Wutz die Kirrung verließ, stand die Rotte schon kurz davor. Evtl. verließ sie die Szenerie auch wegen der Anwesenheit der anderen. Und dann betrat als erstes jener Frischling die Schneise. Dieser hat übrigens genau die gleiche Größe, wie der von heute, was diese Vermutung zumindest weiter plausibel erscheinen lässt.




Mittwoch, 11. Februar 2009

Prominente Jäger

Wer weiß, was den neuen Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg mit Winston Churchill, Eva Longoria und Goethe verbindet? Nun: Sie alle gehen oder gingen zur Jagd und sind damit prominente Jäger. Und sie sind nicht alleine. Hier eine Liste anderer bekannter Jäger. Hättet Ihr es gewusst, dass diese Personen auf die Jagd gehen?
  • Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
  • Werner M. Bahlsen, Unternehmer
  • Willy Bogner, Skirennfahrer & Designer
  • Camilla Parker Bowles
  • Robert Bosch, Unternehmer
  • Charles Bronson, Schauspieler
  • Egidius Braun, Ehrenpräsident des DFB
  • Juan Carlos, König von Spanien
  • Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein
  • Prinz Charles
  • Winston Churchill, englischer Staatsmann
  • Eric Clapton, Musiker
  • Gary Cooper, Schauspieler
  • Queen Elisabeth II, Königin von England
  • Sven Fischer, Biathlet
  • Magdalena Forsberg, schwedische Biathletin
  • Henrik Forsberg, schwedischer Biathlet
  • Clark Gable, Schauspieler
  • Valérie Giscard d'Estaing, französischer Staatsmann
  • Michael Glos, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister
  • Johann Wolfgang v. Goethe, Dicher und Denker
  • Wolfgang Grupp, Unternehmer (Trigema)
  • Tore Gunderson, norwegischer Fußballer (derzeit Dynamo Dresden)
  • Karl Gustav, König von Schweden
  • Prinz Harry
  • Bodo H. Hauser, Journalist
  • Sascha Hehn, Schauspieler
  • Ernest Hemingway, Schriftsteller
  • James Hetfield, Musiker (Metallica)
  • Mick Hucknall, Sänger (Simply Red)
  • John Huston, Regisseur
  • Eva Longoria, Schauspielerin
  • Frank Luck, Biathlet
  • Klaus Ludwig, Rennfahrer
  • Reinhold Messner, Bergsteiger
  • Tobias Moretti, Schauspieler (Kommisar Rex)
  • Ted Nugent, Musiker
  • Prinz Philipp
  • Wolfgang Porsche
  • Hans Riegel, Unternehmer (Haribo)
  • Roy Rogers, Schauspieler
  • Theodore Roosevelt, ehem. Präsident der USA
  • Wilhelm Conrad Röntgen, Physiker
  • Walter Scheel, Außenminister und Vizekanzler a.D.
  • Claudia Schiffer
  • Rolf Schimpf, Schauspieler
  • Max Schmeling, Boxweltmeister
  • Ralf Schumacher, Rennfahrer
  • Heinz Sielmann, Tier- und Naturfilmer
  • Franz Josef Strauß, Politiker
  • Emil Underberg, Unternehmer (Underberg)
  • Nikolai Valujev, Boxweltmeister
  • Fritz Wepper, Schauspieler
  • Roger Waters, Musiker (Pink Floyd)
  • Prinz William
  • Fritz Wunderlich, Tenor
  • Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister a.D.
  • Armin Zöggeler, Rennrodler (Weltmeister & Olympiasieger)
Diese Liste entstammt im wesentlichen dem Wild-und-Hund-Forum. Ich habe sie allerdings auf die wirklich Prominenten reduziert und habe übeprüft, ob die Promis auch tatsächlich auf die Jagd gehen. Dazu habe ich gegoogelt, ob ich wenigstens einen belastbaren Hinweis hierzu finde. Leider ist das recht schwierig, weil man mit den Begriffen "Jagd", "Jäger" und dem Prominamen einen Haufen Ergebnisse bekommt und wirklich wühlen muss. Von daher gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen. Gerüchteweise stehen noch folgende Personen zur Debatte:
  • Mario Basler
  • Ulla Kock am Brink
  • Bill Clinton
  • Wolfgang Clement
  • Sigmund Freud
  • Juri Gagarin
  • Thomas Gottschalk
  • Ricco Groß (Biathlet)
  • Otto Graf Lambsdorf
  • Nelson Mandela
  • Steven Spielberg
  • Königin Silvia von Schweden
  • Jürgen Trittin
Von letzterem ist zumindest überliefert, dass er keine Jagdgegner mag. Dafür aber Rehfilet. Guter Mann...

Eine weitere Prominente ist zwar keine Jägerin, hat sich aber auf ihre Art und Weise mit dem Thema beschäftigt und musste sich eingestehen, dass ihre Vorurteile nicht zutreffend sind: Charlotte Roche hat sich aus den Feuchtgebieten unter Jäger begeben. Aber seht selbst: Charlotte Roche unter Jägern. In jedem Fall ein sehr sehenswertes Filmchen, wenn man erstmalig auf der Suche nach Informationen über das Thema Jagd und Jäger ist!

Vielleicht kannst Du zu den Gerüchten eine Quelle beisteuern? Oder Du kannst die Jagdleidenschaft eines Promis belegen, der hier noch gar nicht aufgeführt ist? Nur los: Schreib sie in einen Kommentar!


Dienstag, 10. Februar 2009

BJV vs. ÖJV II

In der Angelegenheit "Zahmes Rehkitz Felix" ging Manfred Weindl vom Bayrischen Jagdverband vor einigen Tagen in die Offensive und griff den Ökologischen Jagdverband scharf an. Kein Wunder, dass nun die Reaktion seitens des ÖJV erfolgt, nachzulesen beim Kollegen Stefan auf jagdblog.blogspot.com.

So undifferenziert wie die Aussagen von Manfred Weindl daherkamen, so undifferenziert erfolgt jetzt die Antwort. Wolfgang Kornder schmiert dem BJV Sachen aufs Brot, die nun wirklich nichts mit der Auseinandersetzung in der Sache zu tun haben: Er kritisiert unter anderem den Haustierabschuss und macht weiterhin den BJV für zu hohe Schwarzwildbestände verantwortlich.

Natürlich: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Es bleibt aber der fade Beigeschmack, dass hier beide Verbände versuchen, die in der Öffentlichkeit geführte Debatte dazu zu benutzen, jeweils den anderen Verband durch den Kakao zu ziehen und in seiner Aussendarstellung zu beschädigen.

Was ein erbärmliches Bild beider Parteien. Wenn jemand meint, er könne hieraus Kapital für seinen Verband schlagen, hat sich geschnitten. Am Ende verliert vor allem eine Gruppe: Die der Jäger ansich. Mir fehlt für solche Verbandskungeleien von Grund auf jegliches Verständnis. Aufgrund von verletzten Eitelkeiten Porzellan zu zerschlagen, bringt die Jägerschaft jedenfalls nicht weiter.


Schweinepest in Rheinland-Pfalz

Eigentlich ist es keine Überraschung und nun ist es denn soweit. Nach den Schweinepestausbrüchen in Nordrhein-Westfalen ist nun auch Rheinland-Pfalz betroffen. Erstmalig wurde nun bei einem Wildschwein in Wissen (Kreis Altenkirchen) das Virus nachgewiesen. Seitens des Umweltministeriums wurden gefährdete Bezirke ausgewiesen. Innerhalb dieser Bezirke sollen nun Impfaktionen anlaufen. Geplant ist die Ausbringung von 60.000 Impfködern. Ausserdem dürfen Jäger Wildschweine aus diesen Bezirken erst vermarkten, wenn durch das Landesuntersuchungsamt nachgewiesen ist, dass keine Infizierung besteht.

Auch hier werden wieder die Jäger gefordert sein: Zum einen werden sie die Impfköder an Kirrungen und sonstigen erfolgsversprechenden Orten auslegen, zum anderen ist weiterhin eine intensive Bejagung der Wildschweine notwendig.

Also, Ihr Schweinejäger: Lasst uns Schweine jagen...

Quellen:

Umweltministerium Rheinland-Pfalz
swr.de


"Vergaserprobleme und Würgelaute"

Tschechien ist Europameister - im Hirschrufen. Auf der Jagd und Hund 2009 in Dortmund konnte sich der Tscheche Jiri Brtnik gegen die anderen 23 Teilnehmer aus acht Nationen durchsetzen. Herzlichen Glückwunsch und Waidmannsheil!

Das Hirschrufen ist tatsächlich eine Sache aus dem Themengebiet Jagd, dass es des öfteren in die Medien schafft. Natürlich, weil dem Ganzen eine gewisse Skurrilität innewohnt. Wer sich davon ein Bild machen will, für den warten unten noch zwei kleine Videos. Alleine schon die "Instrumente" der Hirschrufer sind abenteuerlich: vom Ochsenhorn bis zur Muschel reichen die Utensilien. Und auch die darauf hervorgebrachten Laute klingen für unerfahrene Ohren eher gewöhnungsbedürftig. In der Presse wird da dann schnell Mal der Vergleich mit Vergaserproblemem und Würgelauten bemüht.

Dabei hat das Hirschrufen im Gegensatz zum medial auch häufig vertretenen Jagdhornblasen mehr als nur nostalgische Gründe! Hierbei handelt es sich um ein elementares Stück Handwerk, denn tatsächlich lässt sich während der Brunft durch gekonntes Hirschrufen ein jagdbarer Hirsch in Anblick bringen. Das Nachahmen von Tönen, um die gewünschte Beute in Anblick zu bringen, ist auf der Jagd sowieso weit verbreitet. So hat diese Art zu jagen auch eine eigene Bezeichnung, nämlich Lockjagd. Lockjagd ist überaus ursprünglich, anspurchsvoll und sehr spannend, weil man nicht nur passiv auf das Wild wartet, sondern aktiv eingreifen kann.

Von der Krähe bis eben hin zum Hirsch - durch das gekonnte Nachahmen von Tönen lassen sich Wildtiere oftmals aus der Deckung locken. Viele werden noch die KitKat-Werbung mit den beiden trötenden Entenjägern in Erinnerung haben. Die Klagelaute eines Hasen machen beispielsweise den Fuchs ebenso neugierig, wie das Zwitschern und Pfeifen von Mäusen. Rehböcke interessieren sich in der Paarungszeit für Laute des weiblichen Wildes. Und eine geschüttelte Streichholzschachtel kann unter Umständen Elstern anlocken.

So einfach, wie es sich anhört, ist es denn aber nicht. Durch schlechtes Nachahmen, kann man Wild auch sehr schnell vergrämen. Zwar gibt es eine breite Palette an Lockinstrumenten, aber auch deren Einsatz bedarf der vorherigen Übung. Und schlussendlich muss der Jäger im Revier in der Lage sein, die Stimmung zu adaptieren und sein Lockinstrument mit Bedacht im richtigen Moment einsetzen. So sollte sich jeder Lockjagdanfänger merken, dass Hasen eben nicht im Minutentakt in den Astwipfeln sterben. So erklären es die alten Hasen immer. Daher bringt es nichts, den ganzen Abend auf dem Hochsitz mit der Hasenklage zu quäken. (Wie sich eine Hasenklage anhören sollte, kann man übrigens im hier im zweiten Video ab Minute 4 nachhören.)

Die Probleme gehen schon damit los, dass man ohne die entsprechende Erfahrung die Laute des Wildes gar nicht kennt. Und man kann schlecht etwas imitieren, was man zuvor noch nie gehört hat. Und eins dürfen wir Jäger nicht: Bequem eine Tierstimmen-mp3 aufs Handy laden und dann im Revier laut abspielen. Das ist verboten. Emfehlen kann ich aber die CD "Ruf- und Lockjagd auf heimisches Wild". Damit weiß man zumindest, wie es sich am Ende anhören sollte.

Lockjagd, eine spannende Geschichte, die viel Übung und Erfahrung erfordert. Aber wenn es funktioniert, ist es schon richtig toll.

Hier ein kleines Filmchen über Hirschrufer:



Und hier der Beweis, dass es sich so tatsächlich anhört:






Montag, 9. Februar 2009

Ein Frischling an der Kirrung

War das ein beschissenes Wetter am Freitag. Dichte Nebelschwaden umhüllten die Höhen des Hunsrücks und sackten bis in die Täler hinein. Nieselregen, ein ungemütlicher stets-drehender Wind und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt komplettierten die ungemütliche Kulisse, die sich am späten Nachmittag beim Blick aus dem Fenster eröffnete.

Eigentlich war das nicht das richtige Wetter, um auf Jagd zu gehen. Trotz nahendem Vollmond würde es sehr dunkel bleiben und ich konnte mir weitaus besseres vorstellen, als mich bei diesem Sauwetter nass machen zu lassen. Andererseits war eine Kirrung in den letzten Tagen stets von den Sauen angenommen. Hinzu kam, dass dies nie sonderlich spät passierte. Spätestens gegen neun waren die Schwarzkittel an Ort und Stelle - das verriet die Wilduhr. Zwar wusste niemand so recht, um was es sich dabei genau handelte. Die Aussicht, einen erfolgreichen Jagdabend auf Schwarzwild zu haben liessen mich schlussendlich die Ungewissheit und das schlechte Wetter vergessen. Und so verzichtete ich auf einen vorherigen Frühansitz und machte mich erst mit Einbruch der Dunkelheit auf den Weg ins Revier.

Dort angekommen, hegte ich erste Zweifel, ob der dichte Nebel nicht schon das Jagen auf die kurze Distanz an der Kirrung würde unmöglich machen. Nun war ich ja aber schon Mal da und fahren konnte ich immer noch. Dick eingepackt, das Fernglas um den Hals, und das Gewehr über der Schulter machte ich mich auf leisen Sohlen in Richtung Sitz.

Still und unberührt lag die kleine Schneise vor mir. Der Nebel schien alle Geräusche zu schlucken. Selbst die ranzenden Füchse, deren heiseres Gebell noch gestern durch das Revier schallte, liessen sich nicht hören. Einzig dicke Tropfen hörte man auf den Boden platschen, wenn der Wind durch die Äste der umstehenden Fichten strich. Meine Bedenken hinsichtlich der schlechten Sicht erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Der Nebel ließ ausreichend Mondlicht durchleuchten und zusätzlich befand sich auf der Schneise noch ein wenig Schnee, der dem Tauwetter trotzte.

Nachdem ich das Gewehr geladen, die Vergößerung und den Leuchtpunkt am Zielfernrohr eingestellt hatte, begann das große Warten. Wie schon einmal erwähnt: Ich mag die Jagd an der Kirrung nicht so sehr. Und an dieser, ist es tatsächlich ein sehr eintöniges Warten. So zog mich recht bald die Stille des Waldes in die Tiefe. Ich wurde schläfrig. Ich döste. Allerdings niemals so richtig, denn die unbequeme Sitzposition und das stete Aufhorchen, wenn ich meinte, etwas zu hören, verhinderten ein Einschlafen.

Anderthalb Stunden vergingen. Und dann war es da. Dieses untrügliche Knacken zweier Zweige! Wie oft sitzt man am Abend auf dem Sitz und meint, etwas zu hören. Man strengt sich an, die Geräusche zu filtern. Man versucht förmlich, die Sauen herbeizuhören. Und dann, wenn sie tatsächlich kommen, weiß man es sofort von den anderen vermeintlichen Geräuschen von vorher zu unterscheiden. Kein Zweifel! Das musste ein Wildschwein sein, welches rechts von der Schneise angewechselt kam. Ein weiteres Knacken.... Langsam und behutsam legte ich das Fernglas an die Augen. Noch konnte ich nichts sehen. Doch dann, schob sich eine Wutz aus den Fichten. Vorsichtig überquerte sie die Schneise. Es dauerte einen Moment, da kam sie wieder von links an die Kirrung heran. Ein beherzter Stoß mit dem Gebräch lässt den Deckel der Kirrungskiste samt dem darauf liegenden Stein herunterpoltern. Dann beginnt das große Schmatzen.

Da saß ich nun, 40 Meter vom dinierenden Schwarzwild entfernt. Die Sau mag ca. 50kg schwer gewesen sein, war jedoch nicht genauer anzusprechen. "Abwarten", dachte ich mir. Eventuell würden gleich Frischlinge hinterherkommen. Angestrengt lauschte ich in die Nacht, ob ich neben dem knatschenden Brummer vor mir weiteres Wild in der Deckung hören konnte. Es schien sich aber nichts zu bewegen. Die Minuten rannen dahin. Jeden Moment würde die kleine Portion Mais aufgebraucht sein. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ein weiterer konzentrierter Blick durchs Fernglas zeigte, dass es unmöglich war, das Wildschwein als Keiler oder Bache anzusprechen. Gespannt hielt ich Ausschau, ob ich den Pinsel erkennen könnte. Aber dafür war es zu dunkel. Das Risiko, eine führende Bache zu schiessen wollte ich keineswegs eingehen. Zwar hätten Frischlinge aus dem letzten Jahr schon unlängst bei ihr sein müssen, aber ich fürchtete zusätzlich, dass die Bache gerade eben neu gefrischt haben könnte. Zwar beginnt die Hauptsetzzeit erst mit dem März, aber auch im Februar frischen Bachen schon gelegentlich. Damit war die Entscheidung getroffen: Ein Schuss kam hier nicht in Frage.

Kurz darauf drehte sich mein unerkanntes Etwas dann auch herum und zog wieder in die Fichten, aus denen sie zuvor gekommen war. Wieder knackten zwei Äste, es kehrte Ruhe ein. Ich beschloss, noch 20 Minuten zu warten und dann auch den Heimweg anzutreten.

Kaum hatte ich das gedacht, da knackten erneut Äste! Diesmal wieder näher an der Schneise. Ein schneller Blick durch das Fernglas zeigte, dass ein Wildschwein über die Schneise wechselte. Von der Größe her passte es zu dem, dass ich zuvor gesehen hatte. Und direkt dahinter betrat ein schwacher Frischling die Szenerie und begann, nach Maisresten zu suchen.

Jetzt hatte ich keine Zeit zu verlieren, denn viel Mais würde er nicht mehr finden. In einem Kompromiss aus Vorsicht und Schnelligkeit brachte ich das Gewehr in Anschlag, fand den Frischling breit stehend auf der Schneise und schoß. Zei Stück Wild brachen flüchtend durch den Wald weg. Ich hatte unmittelbar nachgeladen und kontrollierte die Schneise mit dem Zielfernrohr. Der Frischling lag an Ort und Stelle.

Nachdem ich ihn dann verladen hatte, was bei Wildschweinen dieser Größe Gott sei Dank kein Problem darstellt, machte ich mich auf den Heimweg. Natürlich war ich sehr zufrieden. Ein passendes Stück, ein sauberer Schuss. Und doch war ich auch recht nachdenklich. War die erste Wutz an der Kirrung die dazugehörige Bache? Warum kam dann der Frischling nicht schon viel eher hinzu? Oder war das erste vielleicht doch ein einzelner Überläuferkeiler, der sich angesichts einer nahenden Rotte, zu der der Frischling dann möglicherweise gehörte, verdrücken wollte? Vorsicht ist jedenfalls die Mutter der Porzellankiste. Und Kirrungsjagd ist zwar nicht besonders reizvoll, aber auch keineswegs ein Kinderspiel.

Heute abend gehe ich eventuell nochmal. Vielleicht bringt das ja noch eine zusätzliche Erkenntnis.






Donnerstag, 5. Februar 2009

Jagdtage, die man nicht vergisst

Ich hatte mir am Sonntag ziemlich den Magen verdorben und die Folgen gingen mir noch am Montagabend nach: Ich hatte Bauchweh. Sonst hat das nur meine Freundin. Das muss man sich Mal vorstellen: Ich habe sogar Kamillentee getrunken - und schlussendlich die ganze Nacht nicht geschlafen. Als ich gegen fünf immer noch nicht eingeschlafen war, beschloss ich, jetzt auch wachzubleiben. Ansonsten wäre der ganze Tag hinüber und das wollte ich vermeiden. Und ausserdem: Wenn ich um fünf schonmal sowieso wach bin, dann könnte ich auch raus fahren...

Zwei Füchse am Morgen


Also habe ich meine sieben Sachen gegriffen, habe mich ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Vor der dem Einsteigen hatte ich noch kurz versucht, die Windrichtung zu bestimmen. Und der Wind passte für mein Vorhaben. Am Abend vorher hatte ich in der Ecke des Reviers einen Fuchs gesehen und sehr deutlich die Sauen vernommen. Vielleicht würden sie mir den Gefallen ja tun.

Leider hatte ich mich beim dringend notwendigen Kaffee doch etwas vertrödelt und so war auch auf den Straßen mittlerweile viel los, was mich zusätzlich Zeit kostete.

Der Sitz auf den ich gehen wollte, steht direkt an einem viel frequentierten Spazier- und Wirtschaftsweg. Dabei handelt es sich um ein kleines, offenes Leiterchen, mit Hauptblickrichtung Richtung Norden. Wir nennen es das Taubeneck, weil dort vor Jahrzehnten mein Urgroßvater seine Tauben schoss. Im Rücken hat man Wald, relativ jungen Bestand mit einigen dichten Hecken. Vor einem breitet sich eine Wiese aus, ca. 130 Meter lang und mehrere hundert Meter breit. Rechts vom Sitz biegt ein mittlerweile nicht mehr befahrbarer Hohlweg ab.

Im Revier angekommen, war es taghell. Das und der überfrorene Schnee auf den Wegen stellten mich vor ein Problem. Zum Sitz zu pirschen würde mir nicht gelingen, ausserdem musste ich mich jetzt beeilen. Ziemlich unromantisch fuhr ich daher mir meinem Auto bis an den Sitz und parkte es in den ersten Metern des Hohlweges.

Ich stieg aus. Was für ein beschissenes Wetter: Nebel begrenzte die Sicht und setzte sich sofort spürbar feucht auf den Klamotten nieder. Hier und da lag auf der Wiese noch ein Fetzen Schnee. Eine kräftige Böe Westwind hätte mir fast den Hut vom Kopf gerissen. Die Krähen palavarten schon in der Luft. Es war wirklich ungemütlich. Der Gedanke, direkt wieder zu fahren, wurde sofort beiseite gewischt: Ich war warm angezogen und wer weiß: jeden Moment konnte der Nebel aufreissen und die Sonne hervorkommen. Und ich hatte ja berechtigte Hoffungen auf einen Fuchs, zumal die Ranzzeit voll im Gange ist. Also herauf auf den Sitz.

Bei vielen Jagdgeschichten kann man hören, der Erzähler sei noch nicht richtig auf dem Sitz gewesen, da wäre schon dieses oder jenes passiert. Dabei meint man oft, dass man noch nicht lange auf dem Sitz war, erst 10 oder 15 Minuten. Was jetzt passierte, muss aber tatsächlich und wortwortlich so eingeleitet werden:

Ich habe noch nicht richtig gesessen - ich war gerade die Leiter heraufgeklettert und stand noch mit dem Rücken zur Wiese - da sehe ich im Herumdrehen, wie zwei Füchse von der gegenüberliegenden Waldkante auf die Wiese vor mir springen. "Herrgott", dachte ich, "dass darf doch jetzt nicht wahr sein.". Nicht, dass mich die Anwesenheit der Füchse erstaunte. Nein, ich ärgerte mich über meine Trödelei. Denn jetzt schien es so, als würden die beiden relativ zügig verschwinden, denn sie schnürten unablässig auf die Waldkante zu, an der ich saß. Und ich hatte noch nicht einmal das Gewehr geladen. Drei Schuss steckten im Magazin, aber keiner im Lauf. Und das Laden würden sie hören. Aber das half jetzt nichts, denn gleich wären sie ohnehin weg. Ich griff also das Gewehr. Mit einem deutlichen Klack flutschte die erste Patrone in den Lauf. Mit dem Zielfernrohr suche ich nach dem Fuchs auf der Wiese und finde ihn: Das Klack hat ihn zum Verhoffen gebracht, scheibenbreit steht er auf 100 m. Das Absehen liegt auf dem Blatt und schon bricht der Schuss. Nachladen - Klickklack - nachschauen: der Fuchs liegt. Wo ist der zweite? Der Schuss hat ihn irritiert und immer wieder stehenbleibend, trollt er der gegenüberliegenden Waldkante entgegen. Ich ziehe mit. Jetzt bleibt er nochmal stehen, alles passt, ein zweiter Knall. Der Fuchs zeichnet deutlich, läuft noch zwanzig Meter und fällt.

Was hier über mehrere Zeilen beschrieben wurde, passierte tatsächlich in weniger als einer Minute. So kann es gehen: Manchmal sitzt man Stunden, Tage, Wochen. Dann auf einmal sitzt man eigentlich noch gar nicht und hat gleich doppelten jagdlichen Erfolg.

Nach einer halben Stunde werde ich dann schlagartig aus meiner mittlerweile eingetretenen Dösigkeit erweckt: Zwei schwarze Klumpen auf der Wiese! Zwei Wildschweine, ohne jeden Zweifel. Auch sie wollen die Wiese überqueren, aber verdammt - dass sind 250 Meter: an schiessen ist nicht zu denken. Sie bleiben stehen. Sichern. Drehen in meine Richtung! Sie kommen 20 Meter auf mich zu. Aber dann drehen sie doch wieder ab und legen die letzten Meter bis zur Waldkante hochflüchtig zurück. Klarer Fall: Der Wind hat mir hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber so einfach wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich hatte eine Idee, wo die beiden hin wollten und so war es einen Versuch wert, ein wenig zu pirschen. Dabei bekam ich zwar drei Stück Rehwild auf nur 20 Metern Entfernung in Anblick, die Sauen aber blieben unentdeckt. Also lud ich meine beiden Füchse ein, kontrollierte noch schnell die Kirrungen und machte mich auf den Weg nach Hause.




...und eine Wutz am Abend.

Eine der Kirrungen war nun zum wiederholten Male leer geräumt worden. Der Halbmond gab bereits gutes Licht und so war der Plan für abends schnell gemacht. Zu Hause verkniff ich mir den Schlaf, dass hätte meinen Rhythmus vollends durcheinandergebracht. Hundemüde machte ich mich dann also gegen sechs wieder auf den Weg. Es war immer noch diesig. Der Mond kämpfte mit der dichten Wolkendecke und ein sanfter Wind strich durch die Zweige, als ich mich im Wald auf den Weg zum Sitz machte.

Grundsätzlich mag ich die Kirrungsjagd nicht so sehr. Hier ist es aber etwas anderes. Der geräumige Sitz steht an einer großen Schneise im Wald. 200 Meter lang, 20 Meter breit, nach links hin Eichen-, nach rechts Fichtenbestand, die Schneise selbst einladend und mit Gras bewachsen. Hier zieht alles Wild seine Wege und so hat man auch viel zu sehen, während man auf die Sauen wartet. An diesem Abend war allerdings nur mässig Betrieb. Zwei Hasen liessen sich immer wieder blicken und drei Stück Rehwild wechselten relativ früh und zügig über die Schneise hinweg. Um 20 Uhr brach dann aber in den Fichten rechts von mir das große Grunzen und Quieken los. Äste knackten, Zweige raschelten. Da waren sie! Es ist einfach immer wieder imposant, wenn sich eine Rotte Sauen nähert. Nach einigen Momenten schoben sie sich aus dem Wald an die Kirrung. Zwölf Stück: Zwei Bachen, ein etwas schwächeres Stück - wahrscheinlich ein Überläufer - und neun Frischlinge. Dann ging das große Tohuwabohu los: Sauen nebeneinander, hintereinander, beieinander, aufeinander. Ein unglaubliches Hin und Her. Zu allem Überfluss, war das Licht immer noch nicht optimal. Und so hatte ich unglaubliche Probleme, mit dem Zielen klar zu kommen. Mal war nicht erkennbar, ob das Stück frei stand, mal wusste man nicht so recht, wo vorne und hinten ist. Und immer musste man neu sortieren, denn vor allem die Frischlinge liefen die ganze Zeit Wild durcheinander. Zehn Minuten saß ich da, fertig zum Schuss, aber kam nicht zurecht. Nach und nach leerte sich die Kirrung schon wieder, die Wutzen zog es weiter in den Wald, da wurde es merklich ein wenig heller. Allerdings stand jetzt nur noch eine starke Bache alleine an der Kirrung, von den Frischlingen keine Spur mehr. Dann zog auch sie in die Eichen und aus meinem Blickfeld. Ärgerlich wollte ich schon das Gewehr wieder wegstellen, als ich auf einmal bemerkte, dass der Trupp wieder zurück kam! Und zwar direkt auf mich zu. Sie traten auf die Schneise und begannen im Boden zu brechen und bewegten sich dabei geradewegs hin zu meinem Sitz. Ich konnte es kaum glauben. Durch die verringerte Entfernung und das nunmehr bessere Licht, war nun auch das Zielen kein Problem mehr. Ich pickte mir einen abseits stehenden Frischling heraus und wartete, bis er sich breit drehte. Mit dem Knall waren alle Sauen schlagartig verschwunden. Als ich nach zwei Wimpernschlägen und dem Repetieren meiner Büchse nicht mehr geblendet war, konnte ich sehen, dass die Wutz am Platz lag. Schlagartig war alle Müdigkeit von mir abgefallen. Unglaublich zufrieden machte ich mich daran, den Frischling zu bergen, um ihn möglichst schnell zu Hause zu versorgen. Dorthin hatte ich auch meinen Freund und Jagdkumpanen Christoph bestellt. Mit ihm und meinem Vater gab es noch ein Glas Bier, aber dann musste ich dringend in die Falle.

So lagen am Ende dieses jagdtages zwei Füchse und eine Sau. Zufrieden und hundemüde nach Stunden ohne Schlaf, kroch ich in mein Bett. Mit dem Einschlafen hatte ich in deser Nacht jedenfalls keine Probleme.






Mittwoch, 4. Februar 2009

Blutbad im Wald

Mit dieser martialischen Überschrift versieht die Zeitung Freies Wort in ihrer Online-Ausgabe ein trauriges Thema (Link zur Quelle). Ein Thema, über das sich alle Hundebesitzer Gedanken machen sollten:

In Suhl-Goldlauter nutzen scheinbar streunende Hunde eine Wildfütterung, um nun zum erneuten Mal Wild zu reissen. Zwei Hirschkälber und ein Stück Rehwild wurden gerissen, was den Jagdpächter jetzt veranlasste, Anzeige zu erstatten. Dabei steht der Vorwurf der Jagdwilderei wohl in doppelter Hinsicht im Raum: Zum einen muss man überlegen, ob hier angesichts der Wiederholungsfälle ein Hundehalter das Wildern seines Hundes nicht billigend in Kauf nimmt. Zum anderen ist das gerissene Stück Rehwild zwischen seiner Entdeckung und dem Eintreffen der Polizei verschwunden, möglicherweise hat es sich also jemand widerrechtlich angeeignet.

Nicht gänzlich geklärt ist allerdings, ob nicht doch ein Luchs als Übeltäter in Betracht kommt. Die Beteiligten meinen dazu, dass es sich angesichts der gefundenen Spuren nicht um einen solchen handeln würde. Erstaunlich ist aber, dass der Bericht auch nichts von Hinweisen erzählt, die auf das Fortschaffen des toten Rehs durch einen Menschen hindeuten. Diese hätte man angesichts der Schneelage aber wohl finden müssen, zumal der Pächter geltend macht, Wildschweine kämen hierfür mangels Trittsiegel nicht in Frage. Schlussendlich ist das aber reine Spekulation und ohne eigenen Augenschein nicht zu beantworten.

Damit bleibt es für den Moment bei dem dringenden Verdacht, dass es sich um einen oder mehrere wildernde Hunde gehandelt hat. Dies sollte Anlass zum Nachdenken geben.

Als Hundehalter sollte man sich die Frage stellen, ob der eigene Hund wirklich so gefestigt und gehorsam ist, dass man bei ihm Wildern tatsächlich ausschliessen kann. Dem Hund kann man keinen Vorwurf machen - er folgt seinen Trieben und Instikten, wenn er ein gespürtes Wildtier hetzt und jagt. Gerade in dieser Jahreszeit hat er dabei - leider - beste Chancen zum Erfolg zu kommen, hat das Wild doch derzeit seine Aktivität verringert und ist einfach gesagt nicht ganz fit. Der Hundehalter hat es aber wortwörtlich in der Hand, seinen Hund anzuleinen und nur dort frei laufen zu lassen, wo eine Gefährdung ausgeschlossen ist. Daher: Leint Eure Hunde im Zweifel bitte an. Gerissen zu werden bedeutet für das Wildtier einen wahrhaften Todeskampf und versetzt darüber hinaus die verbleibenden Tiere des angegriffenen Verbands in höchste Panik. Auch letzteres ist Gift für das Wild zu Notzeiten.

Für den Jäger stellt sich eine weitere, schwierige Frage: Wie verhalte ich mich, wenn ich eine solche Szenerie zufällig in Anblick bekomme. Berufe ich mich auf meine Pflicht zum Jagdschutz und töte den Hund. Ich persönlich mag nicht daran denken, vor diese Entscheidung gestellt zu werden. Auf der einen Seite steht meine Verantwortung für das Wild, auf der anderen Seite der Tod eines möglicherweise sehr geliebten Haustiers. Ganz abseits von der Frage, wie man generell zum schwierigen Thema Haustierabschuss positioniert ist, muss ich hier wirklich sagen: Ich wüsste es nicht. Wie man es macht, man macht es verkehrt. Ein echtes Dilemma...




Die ersten 1000...

Die ersten 1000 "Unique Visitors" haben mittlerweile hunsrueckwilderer.blogspot.com besucht. Vielen Dank für jeden Klick und noch viel mehr fürs Lesen. Denn tatsächlich haben viele von Euch hier tatsächlich schon gestöbert und sich näher umgesehen - obwohl es soviel Inhalt immer noch nicht gibt. Daher hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass die Tausendermarke so früh fällt. Keine zwei Wochen hat es gedauert. Umso mehr freut es mich natürlich, denn ein Blog will schliesslich auch gelesen werden!

Ganz herzliche Grüße daher auch an die ersten E-Mail-Abonnenten meiner Posts. Wobei ich mich natürlich über noch mehr auch noch mehr freuen würden. Die Möglichkeit, die neuesten Beiträge von hier direkt ins Email-Postfach zu bekommen, findet Ihr rechts in der Spalte.

Und überhaupt: Der Blog lebt nicht nur von meinem Gerede, sondern auch von den Meinungen der Leser. Es wäre daher toll, wenn noch öfter von der Kommentarfunktion Gebrauch gemacht werden würde. Dabei sind mir hier gerade auch konträre Meinungen, Standpunkte und Ansichten willkommen! Um einen Kommentar abgeben zu können, müsst ihr Euch nichtmal anmelden. Also los. Überhaupt bin auch für Tipps, Anregungen und Kritik in jeder Form dankbar.

In diesem Sinne und hoffentlich auf bald.

Waidmannsheil.

Hunsrückwilderer



Dienstag, 3. Februar 2009

Schweinepest: Weitere Sanktionen gegen Jäger gefordert

Die Diskussionen rund um das Thema Schweinepest in Nordrhein-Westfalen reissen nicht ab. Einerseits verständlich, da das Thema doch nach wie vor akut ist: Mittlerweile gibt es zehn bestätigte Fälle von Schweinepest. Da niemand weiß, wie hoch die Bestände tatsächlich sind, soll nun mit Wärmebildkameras versucht werden, dies herauszufinden. (Quelle: Kölnische Rundschau). Ausserdem wird die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben (Quelle: Kölner Stadtanzeiger).

Andererseits beginnt sich langsam aber sicher ein unsachlicher Ton in die Diskussionen einzuschleichen. Nachdem vor einigen Tagen bereits Karl Nacke vom Rheinischen-Landwirtschaftsverband Sanktionen für Jäger forderte, kommen ähnliche Töne nun auch vom Kreisbauernchef Helmut Joest. Die Jägerschaft sei mitverantwortlich für die hohen Bestände, da diese nicht scharf genug bejagt worden seien und Strafen für nachlässige Jäger seien erforderlich. (Quelle: Kölner Stadtanzeiger) Was ich von solchen Forderungen halte, habe ich bereits HIER geschrieben.

Und wo es unsachlich wird, da darf wie allzu oft leider auch der NABU nicht fehlen. Der Landesverband NRW kritisiert nun die Jäger, sie seien selbst schuld an der Misere. Wird uns von den Landwirten noch vorgehalten, es würde zu wenig gejagt werden, so macht der NABU angeblich-bestehendes extensives Füttern für die Bestandsexplosion verantwortlich (Quelle: NABU NRW). Tja, und warum gibt es nun so viele Wildschweine? Antworten auf diese Frage gibt es HIER. Milde Winter, Maisanbau und sich häufende Vollmasten spielen dagegen in den Überlegungen des NABU gar keine Rolle. Wieder einmal wird die Jägerschaft seitens des NABU hier ziemlich eindimensional angegriffen.

Eure Meinungen zum Thema Schweinepest...


Montag, 2. Februar 2009

BJV vs. ÖJV

Um vorherzusagen, dass sich der DJV selbst und seine Untergruppierungen niemals allzu gut mit dem ÖJV verstehen werden, braucht man wahrlich kein Hellseher zu sein.
Anlässlich des Falls "vom zahmen Rehkitz Felix", gewinnt die Auseinandersetzung aber scheinbar noch an Fahrt. Manfred Weindl, oberbayerischen Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands (BJV) meinte jetzt, der ÖJV wolle die Waidgerechtigkeit abschaffen und gehe mit dem Wild um wie mit Ungeziefer. Seitens der Mitglieder des ÖJV werde Amt und Stellung ausgenutzt, um seine Jagdmethoden durchzusetzen. "Sie verfolgen ein möglichst effektives Töten von Reh-, Rot-, Schwarz- und Gamswild und versuchen das Jagdgesetz zu ändern, um Hindernisse, die beim Töten stören, zu beseitigen." So wird Weindl jetzt von chiemgau-online.de zitiert.
Man kann sich wohl sicher sein, dass nach diesen Aussagen eine Retoure nicht lange auf sich warten lässt.
Dies zeigt wieder auf traurige Art und Weise, wie wir Jäger uns selbst immer wieder gegenseitig das Leben schwer machen - eine Tatsache, die ich bis heute immer wieder erlebe und jedesmal aufs Neue nicht nachvollziehen kann.
Tja, und wer hat nun Recht in dieser Auseinandersetzung? Was den konkreten Fall angeht, kann ich wenig dazu sagen. Ich habe die Geschehnisse rund um Felix nur am Rande verfolgt und wusste bislang gar nicht, dass hier der ÖJV seine Finger im Spiel hat. Wie ist es aber grundsätzlich?
Nun, wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Grundsätzlich kann ich Positionen in Einzelfragen beider Verbände nachvollziehen. Während wir Jäger mehr sind als reine Wildvernichtungsmaschinen, sollten wir uns auf der anderen Seite auch immer überlegen, ob wir unserem Auftrag, einen gesunden und angepassten Wildbestand zu erhalten, immer in vollem Umfang gerecht werden. Dabei bedeutet nämlich nicht immer Quantität gleich Qualität.
Auf der anderen Seite sollte man aufhören, bestimmte Fragen unter fundamentalen Gesichtspunkten im abstrakten Raum zu diskutieren. Grundlage für die richtige Bejagung ist nämlich stets die Situation im Revier vor Ort. Wo aber Begebenheiten, Bewirtschaftung und Lebensräume von Region zu Region, von Revier zu Revier verschieden sind, dort kann man nicht theoretisch darüber diskutieren, welche Populationsdichten angepasst sind.
Anstatt also die ideologischen Scheuklappen aufzusetzen, sollte man offen über die Dinge sprechen und sein eigenes Tun einfach von Zeit zu Zeit ganz für sich alleine hinterfragen. Hüben wie drüben.
Probleme haben wir genug - wir müssen sie uns nicht noch gegenseitig machen!