Samstag, 31. Januar 2009

Wildfleisch kaufen und zubereiten

Auch ich werde hier auf das Thema Wildfleisch (wir Jäger nennen es Wildbret, fragt bitte nicht warum) nochmal ausführlicher eingehen. Bis dahin kann ich für allgemeine Informationen guten Gewissens auf diese informative Seite beim informative Seite beim NDR verweisen. Für diejenigen, die frisches Wildbret direkt vom Jäger beziehen wollen, oder als Jäger eine Vermarktungsmöglichkeit suchen, habe ich den Beitrag "Wildfleisch direkt vom Jäger" geschrieben.

Einige Sachen will ich aber hierzu noch kurz anmerken. Seit heute herrscht auch in den letzten Bundesländern Schonzeit für fast alles Schalenwild. Einzig Schwarzwild darf noch aufgrund der dringenden Notwendigkeit bejagt werden. Insoweit ist es entsprechend schwierig bzw. unwahrscheinlich, an frisches Fleisch von Reh- oder Rotwild zu gelangen. Oftmals gibt es aber jetzt auch noch tiefgekühlte Ware, die in puncto Qualität dem frischen in nichts weiter nachsteht. Allerdings ist hier Vorsicht angesagt: Man sollte gerade bei Kauf von TK-Ware aber auch sonst darauf achten, dass man wirklich Wildbret aus heimischen Wäldern bezieht. Hirsch aus Neuseeland ist zwar günstig und ganzjährig zu bekommen. Doch hat dieses Produkt mit Wildfleisch nicht mehr viel zu tun. Das Rotwild wird dort schon eher in Herden gehalten. Hinzu kommen die langen Transportwege, die schon ökologisch wenig sinnvoll sind. Geschmacklich kann allerdings nichts über die Qualität dazu sagen, zum Glück hatte ich bisher immer was vom heimischem Wild in der Tiefkühltruhe. Und sind wir Mal ehrlich: Gerade heimisches Wild macht doch den Reiz erst aus. Also: Unbedingt heimisches Wild kaufen!

Wenn sich das aus genannten Gründen in den kommenden Wochen schwierig gestaltet, dann muss man zum Glück nicht lange warten! Denn entgegen dem verbreiteten Irrglauben, Wild gäbe es nur im Herbst und Winter, beginnt mit dem Mai auch wieder die Jagdzeit auf Rehe. Und ab dann gibt es auch wieder frisches Wildbret beim Metzger oder einem bekanntem Jäger. Nachfragen lohnt sich. Denn natürlich ist ein Wildschweinbraten im Dezember etwas feines. Marinierte Rehsteaks vom Grill sind aber auch sehr lecker!

Wer nun tatsächlich Wild zubereiten will, dem will ich noch drei Tipps mit auf den Weg geben:
  1. Sprechen sie mit dem Verkäufer, dass er das Fleisch küchenfertig ausbeint und pariert. Wenn man davon keine Ahnung hat, wird es mühselig. Denn gerade wenn nicht ausreichend pariert wird, ist da Fleisch am Ende oft zäh!
  2. Wer kein Wildkochbuch hat und auch keins kaufen möchte, dem empfehle ich die Seite von lupus mit seiner schier unglaublichen Reszeptesammlung im pdf-Format zum Download: Link
  3. Wer ein schönes, preiswertes Wild-Kochbuch sucht, dem empfehle ich: Wild, Das Kochbuch von Sylvia Winnewisser

Weiterer Beitrag zum Thema: "Wildfleisch direkt vom Jäger"

Wer nicht schießt, riskiert den Jagdschein?

Die Angst vor der Ausbreitung der Schweinepest grassiert in Nordrhein-Westfalen. Die Sorgen sind nicht unberechtigt, kann es doch in dieser Angelegenheit für Schweinezüchter um nicht weniger gehen, als um die bloße Existenz.

Unter diesem Licht sind wohl auch die Forderungen von Karl Nacke vom Rheinischen-Landwirtschaftsverband zu betrachten. Es könne nicht sein, dass die Jäger ihren Aufgeben nicht nachkommen meint er, um im nächsten Atemzug den Jagdscheinentzug für solche Jäger zu fordern, die sich nicht ausreichend um die Dezimierung des Schwarzwildes kümmern und etwa nicht an revierübergreifenden Drückjagden teilnehmen.

Sehr geehrter Herr Nacke,
Ihre Forderung und Ihre Ängste in allen Ehren. Natürlich haben wir Jäger bei dieser Frage eine große Verantwortung. Und ich bin mir sicher, der Großteil der Jägerschaft ist sehr bemüht, dieser auch gerecht zu werden. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Aber abgesehen von der Tatsache, dass Ihre Forderung mehr als populistisch anmutet, weil sie allein schon rechtlich kaum durchsetzbar ist, sollten Sie sich fragen, ob sie nicht auch den Mitgliedern Ihres Verbandes in Zukunft empfehlen sollten, mehr darauf Acht zu geben, verantwortungsvolle Jäger aus der Region zum Jagdpächter zu machen und weniger auf die bloße Erzielung eines hohen Pachtpreises zu achten.

Zwar sind gerade wegen der hohen Wildschweinbestände die Pachtpreise auf einem fallenden Kurs. Dennoch müssen langjährige und zuverlässige Jagdpächter immer wieder erfahren, dass sie Ihre Reviere verlieren, weil wegen höheren Geboten der Zuschlag jemand anderem erteilt wird. Dass ist an und für sich kein Problem. Es ist sogar nachvollziehbar - auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick offenbart sich dann aber doch oft, dass ein höherer Pachterlös nicht immer zwingend die bessere Wahl ist. Manchmal ist es eben doch besser, man hat den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Quelle: DerWesten



Erneut zerstörte Hochsitze

Das Phänomen scheint sich auszuweiten. Waren es letzte Woche noch Hochsitze in der Nähe von Heidelberg, die das Zeitliche segnen mussten, so ist diesmal der Raum Göttingen betroffen. Wurde in jenem Fall noch spekuliert, ob die Massnahme der Brennholzgewinnung diente, so scheint es diesmal so zu sein, dass die Täter wesentlich akutere Heizprobleme hatten: Zum Teil wurden die Hochsitze zwischen Diemarden und Geismar nämlich gleich an Ort und Stelle in Brand gesetzt.

Wesentlich schlimmer ist in diesem Fall jedoch, dass die Sitze nicht allesamt zerstört, sondern zum Teil tatsächlich nur die Leitersprossen angesägt wurden. Beim letzten Mal konnte ich noch hypothetisch darüber schreiben, dass sowas eine Schweinerei ist. Diesmal wird es konkret. Dabei bleibt es keinesfalls bei der Bewertung als Schweinerei: Zutreffend geht die Polizei in dem Göttinger Fall davon aus, dass eine solche Tat vor Gericht als versuchter Totschlag gewertet werden kann - je nach den Umständen des Einzelfalls. Eigentlich muss man sich sogar überlegen, ob hier man hier nicht Heimtücke sprechen muss. Dann reden wir evtl. sogar über versuchten Mord.

Aber wie wollen es Jagdgegner uns immer wieder glauben machen: Aus Achtung vor allen lebenden Mitgeschöpfen würden sie so etwas natürlich niemals machen. Auch diese Vorfälle sind demnach wohl eher vandalierenden Postpubertierenden zuzuordnen.

Wer's glaubt...

Quelle: Göttinger Tageblatt



Freitag, 30. Januar 2009

Warum Jagen?

Was um alles in der Welt treibt einen Menschen dazu, sich stundenlang in den Wald zu verkriechen, um womöglich am Ende ein Tier zu töten. Wie um alles in der Welt, kann man an so etwas Freude empfinden?

Über die Gründe, warum die Jagd als solche notwendig ist, habe ich schon hier einiges geschrieben. Es gibt in diesem Zusammenhang aber noch eine weitere Frage, die zwar eng mit diesem Thema verwandt ist, aber doch einen elementaren Unterschied aufweist. Geht es in dem einen Fall um die objektive Notwendigkeit und Rechtfertigung der Jagd, so dreht es sich im anderen Fall um die subjektive Motivation des Jägers für sein Handeln.

So einfach die Frage hiernach gestellt ist, so schwer ist sie am Ende zu beantworten. Wie soll man einem Aussenstehenden die dahinter liegende Faszination näherbringen? Zunächst einmal ist das eine Problematik, die sich wohl jedem stellt, der passioniert einer Tätigkeit nachgeht. Ich beispielsweise habe meine Probleme, den Reiz des Briefmarkensammelns, Flugzeug-Spottings oder Fallschirmsspringens zu verstehen. Wenn ich auf dem Hochsitz sitze, sehe ich zu Hauf Leute, die auf dem Fahrrad, joggend oder walkend, zum Teil durch die Zuhilfenahme von Skistöcken (obwohl gar kein Schnee liegt) durch den Wald hetzen. Jedesmal denke ich mir: "Was treibt sie dazu?" Und kaum habe ich es gesagt, da fällt mir auch schon auf, dass ich ja eigentlich keinen Deut besser bin.

Moralische Verantwortung

Ein weiteres Problem besteht darin, dass man als Jäger das Gefühl hat, sich in einem höherem Maße für sein Interesse rechtfertigen zu müssen. Vielleicht entspricht das sogar den Tatsachen, bzw. dem moralischen Anspruch des heutigen Zeitgeistes. Während Nordic-Walker, Jogger, Radler, Fallschirmspringer, Flugzeug-Spotter und Briefmarkensammler nämlich niemandem weh tun, ist es gerade das finale Element der Jagd, ein Tier zu töten. Im Gegensatz zu sonstigen Freizeitbeschäftigungen tritt der Jäger also durch sein Handeln aus seiner eigenen Sphäre hinaus und greift in die Lebensspähre eines Tieres massiv ein. Sein Tun hat weitreichende Konsequenzen und das Ergebnis, der Tod eines Tieres, lässt zunächst keinen Menschen kalt. Auch den Jäger selbst nicht.

"Mordlust"

Seitens der Tierschützer und Jagdgegner wird uns Jägern als Motivation immer wieder "Mordlust" angedichtet. Trifft es das? Um das definitiv zu beantworten, müsste man darüber diskutieren, was genau mit "Mordlust" gemeint ist. Denn natürlich geht es im Endeffekt darum, Wild zu erlegen. Wenn man dies mit dem Begriff "Mordlust" umschreibt, dann schwingt hierbei allerdings automatisch eine negative Wertung mit. Verwendet man diesen Begriff, dann wird damit der Eindruck erweckt, dass nur das im Blutrausch niedergeschossene Tier dem Jäger die Erfüllung bringt, nach der er sucht. "Mord" und "Lust". Genau dieser Eindruck soll natürlich durch die Verwendung solcher Begrifflichkeiten auch geweckt werden. Leider zeugt dies einmal mehr von der elementaren Unkenntnis, die oftmals die Diskussionen um das Für und Wider der Jagd beherrscht.
Ginge es nämlich nur um diesen einen Punkt, dann wäre die Jagd für viele Jäger eine mehr als nur frustrierende Angelegenheit. Und kaum einer würde sich ein Leben lang passioniert der Jagd hingeben. So ist es nämlich Sinn, Ziel und Zweck der Jagd, Wild zu erlegen und dennoch füllt genau dies nur einen Bruchteil der Zeit aus, die man insgesamt auf das Jagen verwendet. Unzählige Stunden im Revier vergehen, dutzende Ansitze werden unternommen, bis es schlussendlich zum Schuss kommt. Wer hier seine Erfüllung rein um des Tötens Willen suchen würde, wäre völlig fehl am Platz.

Was ist es aber dann?

Jagd als Naturerlebnis und Ausgleich

Zum einen ist Jagd ein intensives Naturerlebnis. Die Intensität erklärt sich daraus, dass man als "normaler" Waldbesucher eben stets Besucher bleibt. Als Jäger hingegen wird man Teil dieses Systems. Es ist zwingend notwendig, dass man als Jäger eins wird mit seinem Umfeld - auch optisch und akustisch. Nur wenn man vom Wild nicht bemerkt wird, hat man eine Chance, zum Jagderfolg zu kommen. Daher muss man mit seinem Umfeld verschmelzen, wenn man draußen ist. Leise sein! Kein Rascheln von sich geben... Man hört Vögel, man hört und spürt den Wind, atmet die Waldluft ein - Knispern und Zwitschern unter dem Hochsitz verrät Mäuse und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, auch von links ein Geräusch wahrzunehmen. War da was? Nein doch nicht.. Oder? Das leise Rascheln der eigenen Jacke beginnt zu stören. Im rechten Augenwinkel nimmt man plötzlich eine Bewegung wahr! Was war das? Ein kurzer Moment der Aufregung, ein Blick: Es war ein Mäusebussard, der auf die Wiese geflogen kam. 20 Meter sitzt er vor einem - nichts zum Jagen, aber ein fantastischer Anblick.
Vor wenigen Wochen saß ich bei Vollmond und Schnee auf einem Hochsitz. Hast Du als Nichtjäger überhaupt diese wahnsinnige Kulisse einmal erlebt? Vollmond und Schnee in einer klaren Nacht. Wahnsinn. Die Nacht wird zum Tag, alles funkelt, glitzert und man sieht noch mit dem bloßen Auge kilometerweit. Nach einigen Stunden Wartezeit polterte es vor mir im Wald. Das Poltern und Knacken von Ästen wurde lauter und kam auf mich zu. Es dauerte fünf Minuten, da schoben sich nach und nach 13 gewaltige Hirsche aus dem Wald - zwar zusammen und doch jeder für sich alleine. Jeder wollte seinen großen Auftritt haben und so zogen sie jeweils im gehörigen Abstand von zehn Metern wie an einer Perlenschnur 50 Meter vor dem Hochsitz an mir vorüber. Auch diesmal nichts zum Jagen (Rotwild darf nicht nachts bejagt werden), aber schon wieder ein Anblick, den ich wohl kaum jemals in meinem Leben vergessen werde - solche Momente sind rar gesät.
Nun wird man sich als Leser dieser Zeilen fragen, warum man für solche Erlebnisse auf die Jagd gehen muss, denn schließlich kann prinzipiell jeder im Wald Tiere beobachten. Der Punkt ist aber: Du als Nichtjäger wirst es nicht machen! Du wirst Probleme haben überhaupt Wild zu sehen! Und Dir wird die Geduld und Ausdauer fehlen, lange genug auszuharren! Das ist nicht abwertend gemeint, aber mir sind meine eigenen ersten Ansitze noch in Erinnerung und wenn ich Bekannte das erste Mal mit auf den Hochsitz nehme, merkt man Recht schnell, dass sie eigentlich nach einer guten Stunde - die sich für sie wie drei angefühlt hat - gerne wieder nach Hause würden. Probier es aus!
Wenn man aus der hektischen Alltagswelt in den Wald eintaucht um zu jagen, braucht man vor allem eines: Ruhe. Nur mit der nötigen Ruhe kommt man zum Jagderfolg. Hieraus entsteht zwangsläufig auch eine innere Stille, die fast meditative Elemente hat. Man vergisst den Alltag, den Stress und erdet sich. Insoweit ist das Jagen ein wahnsinniger Ausgleich zum hektischen, "normalen" Leben, den man wie gesagt als normaler Waldbesucher so niemals finden wird.

Spannung

Hinzu kommt, dass quasi als Gegensatz zu der Ruhe und Stille eine unglaubliche Spannung aufkommt. Jeden Moment kann eine Rotte Wildschweine aus dem Wald herausbrechen. Jeden Augenblick kann plötzlich ein Fuchs auftauchen. Wie gesagt: Jeden Moment, vielleicht aber auch gar nicht. Und erst Recht ist nicht vorhersagbar, von wo. Und was genau. Man muss daher stets aufmerksam sein. Hören, Sehen, Riechen:
Ein Ast knackt - war das der Wind? Wieder! Jetzt ist Stille...obwohl... Nein, es war doch der Wind...
Diese Gegensätzlichkeit von Ruhe und Anspannung, von leisem Verhalten und doch aufmerksamen Beobachten habe ich so sonst nirgendwo gefunden. Ich glaube, hier liegt der größte Zauber der Jagd verborgen.

Der Kampf gegen sich selbst

Dies auszuhalten, verlangt natürlich auch oft ein hohes Maß an Selbstbeherrschung. Still sitzen alleine fällt manchmal schon schwer. Wenn dann nach einigen Stunden die Müdigkeit hinzukommt, einen langsam der Hunger plagt und im Winter die Kälte durchgekrochen kommt, wenn der Hut vom Regen durchnässt ist oder einen die Mücken piesacken, dann muss man sich immer wieder aufs Neue überwinden, nicht den Weg zurück zum Auto und damit zurück in die "normale" Welt anzutreten. Manchmal - nicht immer - wird man dafür dann belohnt - sei es durch einen jagdlichen Erfolg oder durch einen unvergesslichen Augenblick.
Letzten Sommer hatten sich zum Beispiel die Wildschweine in den Mais geschoben. Anfänglich wusste ich das gar nicht und wollte auf dem Sitz an dem Maisschlag auch nur nach Rehwild Ausschau halten. Mit Einbruch der Dämmerung hörte ich dann aber plötzlich das unverkennbare Brechen von Maisstangen, das Schmatzen, Grunzen, Quieken und Keifen. Nun war auch Mond und die Chance, ein Wildschwein zu schiessen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Der Maisschlag war recht groß, weshalb man die Sauen gar nicht immer hörte. Teilweise befürchtete ich wegen der Stille, sie könnten sich an einer anderen Stelle mittlerweile verdrückt haben. Nun war ich auf einen längeren Ansitz gar nicht eingestellt. In dünnen Klamotten saß ich da, hatte vor dem Ansitz nichts gegessen und getrunken, geschweige denn etwas dabei. Die Augen fielen mir zu, ich fror und wollte in mein Bett. Und so war ich in den Momenten, in denen ich von den Wildschweinen nichts mehr hörte, immer kurz davor, nach Hause aufzubrechen. Ich habe mich wirklich überwinden müssen zu bleiben. Immer hatte ich die Hoffnung, irgendwann würde vielleicht ein jagdbares Stück einmal aus dem Mais herauskommen. Spannung stieg in mir auf, wann immer ich sie wieder hörte! Aber Fehlanzeige. Erst morgens im Hellen, nach ca. 12 Stunden Ansitz, brach die Rotte auf einmal aus dem Mais heraus, um in den Wald zu wechseln. Und ich hatte das Waidmannsheil, ein passendes Wildschwein sauber zu erlegen.
Man sieht also: Jagd ist auch ein Kampf gegen sich selber und gegen die eigene Bequemlichkeit. Ein weiser Mann hat einmal gesagt: "Ans Bett kommen sie nicht". Wie wahr. Und so gibt einem die Jagd auch das gute Gefühl, das man eben hat, wenn man sich zu irgendetwas erfolgreich überwindet. Auch das macht die Jagd aus.

Wettstreit mit der Natur

Neben diesem Kampf gegen sich selber steht natürlich auch der Wettstreit gegen die Natur. Oft hört man, das Wild habe ja keine Chance gegen den modern-ausgerüsteten Jäger. Das ist nur bedingt richtig. Natürlichhat es keine Chance, auf den Schuss zu reagieren, diesem auszuweichen oder ihn abzuwehren. Dieses Ungleichgewicht ließe sich tatsächlich ausgleichen, wenn man mit anderen Mitteln auf die Jagd gehen würde, beispielsweise mit Speeren oder Bögen. Dieses entspricht aber nicht unserem auf dem Tierschutz gründenden Anspruch der Waidgerechtigkeit, das Tier möglichst sauber, schnell und schmerzfrei zu erlegen. Um die Jagd mit moderner Ausrüstung führt daher kein Weg vorbei. Zum Glück ist in diesem Sinne auch die Einstellung der Jäger mit dem Zeitgeist gewachsen, galt es doch noch vor einigen Jahrzehnten als unwaidmännisch, ein Tier mit der Hilfe eines Zielfernrohres zu schiessen. Hierbei wurden mit Sicherheit einige Tiere krankgeschossen, die mit Zielfernrohr schnell und sauber erlegt worden wären. Die Begründung für den Verzicht: Man wolle dem Wild eine Chance geben. Man sieht also, dass es sich verbietet, in dem letzten finalen Moment Unsicherheiten in Kauf zu nehmen, um Chancengleichheit zu simulieren. Das Wild zieht hieraus lediglich Schaden, aber keinen Nutzen.
Dennoch ist das Wild bei weitem nicht chancenlos! Seine Sinne sind um ein vielfaches besser als unsere. Es wittert und hört den Jäger oftmals schon, bevor dieser überhaupt ahnt, dass es in der Nähe ist. Ausserdem sind die Möglichkeiten für das Wild, zu ruhen, zu ziehen, zu äsen unendlich groß. Kam es gestern hier, kommt es morgen dort. Nur mit Erfahrung, dem nötigen Wissen um die Lebensgewohnheiten des Wildes, dem richtigen Gespür und dem Einsatz aller jagdlichen Fähigkeiten, gelingt es uns Jägern, dass wir Wild überhaupt auf eine jagdliche Entfernung heranbekommen. Diese liegt bei einem durchschnittlichen Schützen bei ca. 150m. Das ist ist nicht sehr weit! Hier ist echtes Wissen, Können und Gespür gefragt. Nun ist es ja auch so, dass der Jäger eben nicht wahllos auf irgendein beliebiges Tier schiessen kann. Es gibt Schonzeiten sowie Brut- und Setzzeiten, die für die Wildarten unterschiedlich ausfallen und die darüber hinaus bei den Schonzeiten nochmal unterschiedlich für männliche und weibliche Tiere sowie für die verschiedenen Altersklassen verschieden ausfallen. Ausserdem gibt es bei bestimmten Wildarten behördlich festgesetzte Abschusspläne, die nicht nur eine Obergrenze aufstellen, was der Jäger maximal schiessen darf, sondern zugleich auch die Verpflichtung beinhalten, eben diese Zahl an Tieren zu erlegen. Als Jäger muss ich also überlegen, auf was ich im Moment jagen darf. Ich muss überlegen, auf was ich evtl. Jagen muss, weil es entweder der Abschussplan vorschreibt oder die Verringerung der Population einer Wildart notwendig ist. Dies grenzt von vorneherein die jagdlichen Möglichkeiten ein. Und an diesen verbleibenden Möglichkeiten muss der Jäger nun sein Handeln ausrichten. Er muss wissen, wo und wann er die entsprechende Wildart, evtl. sogar noch mit passendem Geschlecht und Alter im Revier zu Gesicht bekommt. Dann muss man Umwelteinflüsse berücksichtigen, die die Jagd an bestimmten Stellen mehr oder weniger erfolgreich erscheinen lässt. Das alles macht Jagd höchst anspruchsvoll. Und es macht Spaß, wenn man diese komplexe Materie beherrscht. Mit wahllosem Ballern im Wald hat das Jagen nach alledem wenig zu tun.

Herausforderung der eigenen Fähigkeiten

Schlussendlich muss man die theoretischen Überlegungen auch in die Praxis umsetzen. Gesehen ist noch lange nicht geschossen! Zum einen sind es oft Umwelteinflüsse, die einem den Jagderfolg verhindern. Das Wild kommt erst in der Dunkelheit, man sieht es zu spät, es flüchtet weil sich Jogger nähern usw. Zum anderen gehen die Schwierigkeiten oftmals dann erst los, wenn man das Wild im Anblick hat. Dann muss man ansprechen, um was es sich genau handelt. Bei manchen Wildarten spielt dies freilich weniger eine Rolle. Einen Hasen etwa, muss man nicht danach beurteilen, ob er männlich oder weiblich ist und welches Alter er wohl hat. Insbesondere beim Schalenwild sieht das anders aus. Hier machen dies in der Regel schon die Abschusspläne notwendig. Auch Gesichtspunkte der Hege machen ein genaues Ansprechen erforderlich. Schliesslich muss das Stück, was geschossen werden soll, in das "Konzept" passen.

Gestaltungsmöglichkeit

Gerade wenn man das Glück hat, über Jahre in ein und demselben Revier zu jagen, besteht dieses Konzept darin, einen gesunden und artgerechten und angepassten Wildbestand zu erhalten und zu fördern. Dabei lernt man das Revier wie seine eigene Westentasche kennen - jeder Baum, jeder Strauch ist einem bekannt. Man lernt jeden Tag aufs Neue über die Zusammenhänge der Natur und weiß schlussendlich, woran es im Revier mangelt oder wovon es zuviel gibt. Und man hat die Möglichkeit, hierauf zu reagieren und gestalterisch tätig zu werden. Man kann Wildäcker und Teiche anlegen, Vogelhäuser aufhängen und Hecken anpflanzen. Jagd ist daher bei weitem mehr, als destruktives Töten von Lebewesen. Es beinhaltet auch konstruktives Gestalten und es macht einen Stolz wenn man sieht, dass die getroffenen Maßnahmen Wirkung zeigen.

Die Freude über den Jagderfolg

Wie man sieht: Jagd ist weit weniger einfach und weit weniger eindimensional, als vielleicht anfangs vermutet. Auch der am Ende stehende Schuss birgt leider immer ein gewisses Restriskio, das sich niemals, trotz aller Bedacht und Vorsicht, vollständig eliminieren lässt. Wer dann aber nach einem langen anstrengenden Ansitz, ein Stück Wild sauber und schnell erlegt hat, weil der mit Bedacht ausgearbeitete Plan aufgegangen ist und seine Fähigkeiten ihn zum Erfolg geführt haben, der freut sich.

Ein letztes Stück Freiheit

Und die Freude wird noch größer werden! Nach dem Schuss wird das Tier aufgebrochen und in die Kühlung gehängt. Dann wird es küchenfertig verarbeitet - auch das ist anspruchsvolles Handwerk! Und am Ende steht ein leckeres Essen auf dem Tisch, für das man selbst gesorgt hat. Erlegt, aufgebrochen, zerwirkt, pariert, gekocht. Man hat selbst die Verantwortung die Beschaffung seines Fleisches übernommen. Man kennt seinen gesamten Werdegang, weiß 100%ig, dass hier keine Gammelware auf dem Tisch steht. So ein leckerer Wildbraten, schafft dann auch urplötzlich eine ganz andere Haltung zu dem Lebensmittel Fleisch, das wir ansonsten ohne viel Bedacht im Supermarkt kaufen und essen. Jagd verschafft einem auf diese Weise ein Stück Freiheit. Vielleicht ist es das letzte bisschen Abenteuer, das man in unseren Breiten noch erleben kann.

Trophäen?

Und wenn der Braten am Ende eine sogenannte "Trophäe" hat, dann bewahrt man diese auch gerne auf. Für mich ist es keine Trophäe - dies setzt einen Triumph voraus. Für mich ist es ein Stück Erinnerung. Wer mag, hängt sie sich an die Wand und wird beim Blick darauf an manchen schönen Moment, an manche Entbehrung und an manches Erlebnis erinnert.

Wer als Jäger diesen Text gelesen hat, der wartet wahrscheinlich schon seit längerem auf den einen, bestimmten Satz. Ich habe mir lange überlegt, ob ich ihn zitieren soll oder nicht, denn er ist so häufig verwendet worden, dass er fast schon ein wenig platt wirkt. Und dennoch kann man es treffender kaum formulieren. Daher will ich mit dem Zitat nach Ortega Y Gasset enden:

"Ich jage nicht,um zu töten. Ich töte, um gejagt zu haben."

Einen tollen ersten Einblick in das Tun des Jägers gibt es übrigens in der Reportage "Charlotte Roche unter Jägern"!

Wie ist Eure Meinung. Worin seht Ihr als Jäger Euren Antrieb, um auf die Jagd zu gehen? Wie sehen es die Nichtjäger?

Waidmannsheil...


Donnerstag, 29. Januar 2009

Jagd erfreut sich größter Beliebtheit

349.339 Jagdscheininhaber gibt es derzeit in Deutschland. Das vermeldet heute der DJV. Damit verbleibt die Zahl der Jäger auf dem Rekordniveau des letzten Jahres.

Die häufigsten Gründe, die als Motivation für das Jagen angegeben werden, sind laut DJV der Ausgleich zum hektischen Alltag, betreiben aktiven Naturschutzes und die Gewinnung hochwertigen Wildbrets für den eigenen Bedarf.

Wie man sieht: Um die Jagd ist es bei weitem nicht so schlecht bestellt, wie einem manch' einer Glauben machen will - sei er nun aus den eigenen Reihen oder sonst wo her. Wenn wir es schaffen, die Jagd den Leuten noch näher zu bringen, dann werden die Zahlen der Jagdscheininhaber noch weiter steigen. Denn jeder weiß: In aller Regel kommt man entweder über jagende Familie oder eben über jagende Bekannte zur grünen Zunft. Erzählt den Leuten davon und seid offen für Rückfragen. Nehmt Interessierte mit auf den Hochsitz und seid nett zu anderen Naturnutzern. Gerade in Bezug auf Letztere muss man immer wieder davon hören, dass Jäger angeblich in Gutsherrenart ihnen gegenüber auftreten. Dabei wird soviel Porzellan zerschlagen, dass man es kaum wieder kitten kann. Dies erweist nicht nur dem eigenen Revier einen Bärendienst, kommt es doch häufig zu einer Trotzreaktion, der man letztendlich doch machtlos gegenüber steht, sondern auch noch der gesamten Jägerschaft. Heißt es doch am Ende stets: "Die Jäger"! Ausserdem habe ich es selbst oft genug erlebt, dass ein freundliches Lächeln und ein "Guten Tag", wenn man bewaffneter Weise durch den Wald geht und auf Spaziergänger trifft, diese oft veranlasst, von sich aus interessiert ein Gespräch zu beginnen: Sie hätten da letztens Wildschweine gesehen, auf was man den im Moment jagen dürfe, ob sie eigentlich als Spaziergänger stören (!), warum man eigentlich nie Rehe sieht, usw.
Nach einem solchen Gespräch kann ich mir sicher sein, dass da bei einem Nichtjäger das Verständnis für unser Handeln gewachsen ist.

In diesem Sinne: Macht es den Jagdgegnern nicht so einfach und treibt ihnen die Leute auch noch freiwillig in die Hände!


Deine Meinung ist gefragt
!




Mittwoch, 28. Januar 2009

Warum Jagd?

"Befriedigung der Mordlust" - was eine Überschrift. Unter dieser wurde gerade ein Artikel auf sueddeutsche.de in Netz gestellt. Als Jäger kann man über diesen einmal mehr nur den Kopf schütteln. Eigentlich nicht nur als Jäger.

Die Frage aller Fragen

Die dahinter stehende Frage ist bei weitem nicht neu: "Warum Jagd?" In unseren urbanisierten Zeiten, in denen Strom aus der Steckdose, Geld aus dem Automaten und Fleisch aus der Kühltruhe kommt, wird sie nur häufiger aufgeworfen, weil immer mehr Leuten der Zugang zum Thema Natur fehlt. Und dort, wo ein Zugang besteht, ist er nicht selten durch ein wild-romantisches Bild überlagert, dass durch die Medien transportiert wird. Dies gilt für das Thema Jagd noch einmal in höherem Maße. Welcher Nichtjäger kann schon von sich behaupten, sich mit dem Thema näher auseinandergesetzt zu haben? Schade ist es dann, wenn man als ersten Einstieg in das Thema über so einen Artikel stolpert: Gesäte Vorurteile fallen dann auf einen durch Unkenntnis vorbereiteten Boden und ein falsches Bild zum Thema Jagd brennt sich ein. Grundsätzlich gehe ich das Thema Jagd relativ offensiv an. Lerne ich jemand neues kennen, dann wird er von mir relativ schnell erfahren, dass ich Jäger bin. Auffällig ist dabei, dass sich eine anfängliche Skepsis schnell legt und sich in echtes Interesse umwandelt, wenn man den Leuten ein wenig Einblick in die Thematik gibt. Auf diesem Wege habe ich mittlerweile einen festen Kreis von Freunden und Bekannten rekrutiert, die wann immer möglich mit mir zusammen rausfahren. Einer davon ist sogar überzeugter Vegetarier (Gruß an dieser Stelle übrigens an die Angesprochenen, ich weiß, Ihr lest mit ;-) ).

Am besten lässt sich dies natürlich bei einem gemütlichen Bier vermitteln. Wer mich irgendwann persönlich trifft, der spreche mich darauf an, wir holen es dann nach. Für den Moment und an dieser Stelle muss allerdings dieses Medium herhalten, um auf einige Dinge aufmerksam zu machen.

Isst Du noch Fleisch, oder lebst Du schon vegan?

Zunächst will ich eine ganz banale Frage stellen: Isst Du Fleisch? Die Wahrscheinlichkeit, dass Du diese Frage mit Nein beantwortest, ist nicht sonderlich hoch. Nach der Nationalen Verzehrstudie II des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahre 2008 bezeichnen sich nur rund 1,6% der Bevölkerung als Vegetarier (NVS II, S. 97). Wenn Du diese Frage hingegen mit Ja beantwortest, dann ist eigentlich schon an dieser Stelle kein Raum mehr für eine Haltung, die sich grundsätzlich gegen die Jagd richtet. Jagd ist nämlich unter ganz pragmatischen Gesichtspunkten in erster Linie eines: Ein Handwerk, dass seit Jahrtausenden der Lebensmittelgewinnung des Produktes Fleisch dient. Und hierbei werden die wildesten Fantasien aller Öko- und Bioanhänger beinharte Realität: Keine Massentierhaltung, keine tierschutzwidrigen Schlachttransporte über tausende Kilometer, keine Verseuchung des Fleisches mit Medikamenten und Hormonen, kein Schlachtstress, hervorragende Ökobilanz, keine Fütterung mit BSE-verursachendem Tiermehl. Naturnäher, ökologischer, nachhaltiger und schonender wie durch die Jagd kann man kein Fleisch gewinnen. Daher ist es umso erstaunlicher, dass der Jäger der Prototyp des Feindbildes eines jeden Tierschützers ist. Angesichts der oben genannten Zahlen ist es utopisch zu glauben, dass ein Großteil der Bevölkerung dazu bereit wäre, auf das Essen von Fleisch zu verzichten. Insoweit ist es aber gerade die Jagd, die den Tierschützern als die am ehesten vertretbare Variante der Fleischgewinnung erscheinen müsste, wenn es Ihnen tatsächlich um Sachlichkeit ginge. Genau das ist aber nicht der Fall.

Jagd ist objektiv nützlich

Natürlich kann man sich auch strikt dagegen aussprechen, Tiere zu essen und aufgrundessen die Jagd für sich persönlich ablehnen. Diese Haltung soll hier niemandem genommen werden. Es ist eine Grundeinstellung, die es zu respektieren gilt, auch wenn sie in meinen Augen eine unnatürliche Verschiebung von Wertmaßstäben mit sich bringt. Aber das ist ein anderes Thema. Dennoch besteht auch in diesem Fall eine objektive Notwendigkeit für die Jagd. Das, was wir heuzutage als Natur bezeichnen, verdient diesen Namen schon lange nicht mehr. Treffender wäre es, von der Kulturlandschaft zu sprechen: Freiflächen werden als Weiden und Äcker zum Anbau von Feldfrüchten benutzt. Die Wälder, die es heutzutage gibt, sind von Menschenhand geschaffen und kultiviert. Dies bringt zwei Probleme mit sich. Zum einen regulieren sich die Wildbestände nicht mehr bzw. anders. Zum anderen beinhaltet die weitreichende Nutzung der Kulturlandschaft eine wirtschaftlich-relevante Komponente - spätestens seit "Bauer sucht Frau" wissen wir wieder, dass es tatsächlich Leute gibt, die mit Land- und Forstwirtschaft ihr Geld verdienen.

Jagd reguliert

Benötigen unsere Wildbestände zwingend eine Regulation von aussen, namentlich durch die Jagd? Sagen wir es so: Die Welt würde mit Sicherheit nicht untergehen. Natürlich kann man alles seinen freien Lauf lassen, ohne dass das gesamte Ökosystem in sich zusammenfallen würde. Doch welche Konsequenzen stehen noch im Raum? Fakt ist: Eine Ausbreitung der Wildbestände, die nicht mehr durch Wolf, Luchs oder Bär "kontrolliert" wird, würde nicht bis ins unendliche weiterlaufen. In der Regel wird diese an zwei Momenten gestoppt: Entweder, der Lebensraum bietet nicht mehr genug Nahrung und ein Teil der Wildtiere verhungert oder aber es brechen Krankheiten aus, die den jeweiligen Wildbestand entsprechend einbrechen lassen. Man kann sich also zurücklehnen und diese Zyklen über sich ergehen lassen, man kann aber auch die ohnehin nachwachsende Ressource Wild sinnvoll, nachhaltig und schonend nutzen und so gleichzeitig Seuchen- und Hungertod vermeiden.
Hierneben tritt das Problem, dass wie gesagt nicht das ganze Ökosystem in sich zusammenbricht, wohl aber einige heimische Arten schlichtweg verschwinden und auch sonst negative Auswirkungen in Flora und Fauna spürbar werden würden: Bei überhöhten Beständen stellt sich beispielsweise das Problem, dass durch die erschwerte Nahrungssuche der Wildtiere vor allem junge Bäume als Ersatznahrung herhalten müssen. Durch den Verbiss, also das Abfressen der jungen Triebe und das Schälen der Rinde wird so das natürliche Nachwachsen von Wald erheblich erschwert. Zudem haben bereits jetzt, trotz der Bejagung von Beutegreifern wie Fuchs und Marder, einige Arten akute Probleme, ihre Populationen aufrecht zu erhalten. Dies gilt insbesondere für Wiesenbrüter. Dabei zeigen aktuelle Studien (Auszüge aus der SOVON-Studie auf deutsch), dass hier insbesondere der Prädationsdruck durch Beutegreifer eine für den Rückgang relevante Größe darstellt. Hinter diesem Argument für die Jagd steht natürlich eine Wertentscheidung, ob man in die "Natur" regulierend eingreifen sollte oder nicht, die durchaus unterschiedlich betrachtet werden kann. Ich persönlich glaube, dass der regulierende Eingriff zugunsten einer vielreichen und an den Lebensraum angepassten Tier- und Pflanzenwelt notwendig und gerechtfertigt ist. Hiergegen wird immer wieder vorgebracht, die Menschheit hätten diesen Zustand erst künstlich erschaffen und die daraus resultierenden Folgen dürften nicht zulasten von Arten gehen, die in der Folge bejagt werden, so zB beim Fuchs oder der Rabenkrähe. Das mag durchaus richtig sein, greift aber zu kurz. Denn vielfach haben diese Arten erst durch die Kultivierung der Landschaft Lebensbedingungen erfahren, die ihnen gegenüber ihren Beutetieren immense Vorteile verschaffen und so überhaupt erst ihre Ausbreitung in hohen Dichten ermöglichten. Man kann so im Umkehrschluss auch eine Verantwortung des Menschen für den Erhalt derjenigen Arten herleiten, die eben hieraus Nachteile erfahren.

Jagd als wirtschaftlicher Faktor

Einzugehen ist noch auf die wirtschaftliche Komponente. Gerade die aktuell-hohen Wildschweinbestände (Warum gibt es soviele Wildschweine?)machen deutlich, dass nicht-regulierte Wildbestände zu einem echten Problem werden können. Reh- und Rotwild verursachen Schäden durch Schälen und Verbiss im Wald, was sich durch die verringerten Einnahme der Bundes- und Landesforsten vor allem auch in der Staatskasse bemerkbar macht. Vor allem das Schwarzwild verursacht hohe Wildschäden in Feldfrüchten, die zu Lasten der Landwirte gehen. All dies hat nicht zuletzt auch volkswirtschaftliche Konsequenzen. Werden aber heute schon allenthalben die hohen Wildschäden beklagt, wie sähe das dann nur ohne Jagd aus?

Fazit

Halten wir also fest:
  1. Jagd ist Handwerk, welches der ökologischen Gewinnung hochwertigen Wildfleisches dient.
  2. Jagd nutzt nachhaltig die natürlich-nachwachsende Ressource Wild und reguliert dabei die Wildbestände auf einem angemessenen Niveau.
  3. Jagd hat eine naturschützende Komponente, indem sie dem Erhalt seltener Arten dient.
  4. Jagd ist ökonomisch wichtig, da sie negative-wirtschaftliche Folgen durch zu hohe Wildschäden verhindert.
Das soweit zu den objektiven Gründen, die für die Notwendigkeit der Jagd sprechen. Eine andere Frage ist natürlich, aus welcher Motivation heraus der Jäger seinem Handwerk nachgeht. Dazu werde ich bei Gelegenheit an anderer Stelle etwas ausführlicher schreiben. Nur soviel: Seitens der Jagdgegner wird es immer gerne so dargestellt, als würde man als Jäger abends vor lauter Frust und Mordlust mit dem Gewehr in den Wald fahren und auf irgendwelche Tiere schiessen. Wäre das alles, was dahinter steht, dann wäre man recht schnell erst recht frustriert. In der FAZ war neulich zu lesen, dass man errechnet hat, das es bis zu 30 Stunden Ansitz benötigt, um ein Wildschwein zu schiessen. Das Erlegen von Wild ist zwar der finale Zweck der Jagd, aber eben doch nur einer von vielen Gründen, die den Reiz hieran ausmachen.

Der Artikel auf sueddeutsche.de

Werfen wir abschließend einen Blick auf die Behauptungen, mit denen der Artikel auf suedeutsche.de aufwartet.

Zur Selbstregulierung der Bestände habe ich oben bereits Stellung bezogen. So muss auch Ragnar Kinzelbach einräumen, dass es drastische Wildschäden gibt - da frage ich mich: Wohin würden sich diese seiner Meinung nach entwickeln, wenn man die Jagd nach seinen Wünschen komplett einstellt? Natürlich wird wieder angeführt, die Jäger würden durch Fütterung die Bestände künstlich erhöhen. Zugegebenermaßen kann man über die Fütterung von Wildtieren geteilter Meinung sein. Zurecht verweist jedoch Stephan Bröl vom DJV darauf, dass die Fütterung wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt zulässig ist. In Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern ist sie beispielsweise überhaupt nicht mehr erlaubt. Insoweit ist es naheliegend, dass die sich erhöhenden Wildbestände eben nicht auf die Fütterung von Jägern, sondern vielmehr auf gewandelte Umweltverhältnisse zurückzuführen sind, wie es auch Josef Reichholf in dem Artikel darstellt. In diesem Kontext muss auch die Frage erlaubt sein, ob eine Fütterung in Notzeiten nicht doch dazu beiträgt, dass Schäl- und Verbissschäden im Wald reduziert werden, ohne dabei die Bestände künstlich zu erhöhen. In diesem Fall würde man dem Wild kein zusätzliches Nahrungsangebot schaffen (dieses besteht in den Trieben der Bäume ohnehin), sondern nur eine entsprechende Ausweichmöglichkeit.

Immer wieder gern wird von Jagdkritikern behauptet, dass die Jagd genau das Gegenteil von dem bewirke, was sie eigentlich bezwecke. Bejagte Tiere würden sich stets mehr vermehren, als nicht bejagte. Seltene Tierarten würden indes noch weniger werden. In diesem Sinne wird auch Reicholf bei sueddeutsche.de zitiert. Dieses Ergebnis will er nach Untersuchungen bei Bisamratten bestätigt haben. Zunächst einmal spricht er aber nur von höheren Reproduktionsraten, die eben nicht gleichbedeutend mit der Entwicklung der Populationszahlen sind. Selbst wenn sich die Reproduktionsrate infolge von Bejagung erhöht, erhöht sich die Population selbst nicht, wenn der Reproduktionszuwachs durch die Bejagung wieder abgeschöpft wird. Bleibt die Bejagung im Gegensatz dazu völlig aus, kommt es unweigerlich zu einer Erhöhung der Bestände, bis die Kapazität des Lebensraumes erschöpft ist. Im übrigen halte ich die These für gewagt, dass die Ergebnisse, die in Bezug auf die Bisamratte gewonnen wurden, unbesehen auf andere Tierarten übertragen werden können. Wenn dem aber tatsächlich so wäre, dann müsste man konsequenterweise gerade gefährdete Tierarten bejagen, denn deren Bestände sollten sich hierdurch ja erhöhen und deren Beutegreifer schonen. Ein gewagter Ansatz. Hier haben wir es in meinen Augen wieder mit dem Phänomen zu tun, dass krampfhaft versucht wird, der Jagd die Rechtfertigung abzusprechen. Jagen wir auf Feldhasen oder wird die Bejagung von Kormoran oder Fischreiher erwogen, so wird uns entgegengehalten, die Bestände seien gefährdet und würden durch weitere Bejagung unhaltbar belastet. Bejagen wir auf der anderen Seite den Fuchs und Wildschwein, dann soll die Jagd auf einmal zu einer weiteren Erhöhung der Populationen führen. Mich erinnert dies ein wenig an Pipi Langstrumpf: "...ich mach mir die Welt, wie sie mehr gefällt..." Außerdem zeigen die Zahlen der oben bereits zitierten SOVON-Studie etwas anderes.

Und wenn nichts mehr hilft, dann wird die Nazikeule geschwungen. Auch dieses Verhalten ist uns Jägern wohlbekannt, ließ sich doch leider Hermann Göring als Reichsjägermeister betiteln. Unausrottbar ist dabei die Legende, dass das Reichsjagdgesetz von diesem erdacht wurde. Richtig ist: Die Grundlagen hierfür wurden schon im preußischen Ministerium für Landwirtschaft gelegt (Mehr zu diesem Thema bei jagdblog.blogspot.com) und in der Folge von Ulrich Scherping ausgearbeitet.

Resümee

Jagd ist notwendig. Das soll die Quintessenz dieser Überlegungen sein. Diese Feststellung ist natürlich nur Grundlage für weitere Diskussion - über Sinn und Unsinn der Jagd in speziellen Fragen, ist nämlich noch lange nichts gesagt. Klar ist auch, dass die Jagd in manchen Bereichen Nachholbedarf hat. Dies ändert jedoch nichts an der grundsätzlichen Feststellung, dass viele Argumente, die gegen die Jagd vorgebracht werden, bei genauerem Hinsehen nicht stichhaltig sind.

In diesem Sinne: Mach Dir Dein eigenes Bild und ess mehr Wildfleisch!

Wer sich weiter mit dem Thema Jagd und Jäger beschäftigen will, dem kann ich den Film "Charlotte Roche unter Jägern" wärmstens empfehlen!



Samstag, 24. Januar 2009

Den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen?

Seit dem 30.12.2008 fallen im Rhein-Neckar-Kreis nahe Heidelberg regelmäßig Hochsitze um. Ein Phänomen, über dass einige Jagdpächter ein Lied singen können.

Nicht selten kommt man am umgestürzten Objekt zu dem Schluss, dass die Umlage seitens der Holzkonstruktion nicht gänzlich auf einen Akt geistig autonomer Selbstaufgabe zurückzuführen ist. Gerade bei jugendlichen Exemplaren finden sich recht häufig Sägespuren, die immer wieder Rätsel aufgeben.

So auch in den letzten Fällen.

Werden die Hochsitze sonst lediglich umgeworfen und zerstört, so musste man hier feststellen, dass von den Jagdeinrichtungen schlicht und ergreifend nichts mehr da war. Abtransportiert! So berichtet es jedenfalls die Zeitschrift Wild und Hund auf ihrer Homepage.

Diese Konstellation gibt den Beteiligten nun natürlich Rätsel auf.

Handelt es sich tatsächlich um militante Tierschützer, wie die Polizei vermutet?
Warum wurden dann die Sitze auf Brennholzformat zugeschnitten? Befürchteten die Jagdgegner, die Tiere könnten sich an den Trümmern stoßen?

Oder waren es doch Brennholzselbstwerber nach Meinung der Wild und Hund?
Ja haben die denn den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen?

Egal wie, Hochsitze um- und ansägen ist eine Sauerei. Vor allerem letzteres kann tödlich enden! Und auch Hochsitze haben eine Seele...

Hinweise nimmt die Polizei unter 06224/2481 entgegen.

Schönes Wochenende!



Donnerstag, 22. Januar 2009

Warum gibt es so viele Wildschweine?

Über kaum ein jagdliches Thema wird soviel in der Öffentlichkeit diskutiert, wie über den Anstieg der Wildschweinpopulationen. Wie aber kommt es zu diesen hohen Populationen?

Gerade seitens der Jagdkritiker und Jagdgegner wird immer wieder behauptet, die Jäger selbst seien Schuld an dieser Misere, weil sie zum einen durch Fütterung die Bestände selbst in die Höhe treiben würden und zum anderen Fehlentwicklungen durch falsche Abschüsse provozierten.Stimmen diese Behauptungen?

1. Behauptung: Jäger füttern Wildschweine, um die Population zu erhöhen

Augenscheinlich scheint es tatsächlich so zu sein, dass der Jäger von hohen Wildschweinbeständen profitiert: Wo es viele Wildschweine gibt, da lassen sich auch viele schießen und deswegen geht man ja schliesslich auf die Jagd. Diese Sichtweise springt aber erheblich zu kurz. Hierzu muss man wissen, dass es in Deutschland fast schon gewohnheitsrechtlich üblich ist (untechnisch gesprochen!), das der Jagdpächter für entstehende Wildschäden Schadensersatz zu bezahlen hat. Bei überhöhten Wildschweinbeständen sind jedoch Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen vorprogrammiert. Das Schwarzwild wühlt in Wiesen nach Insekten und sonstiger Nahrung oder überfällt Nacht für Nacht die Felder. Insbesondere Mais und Weizen sind bei ihm so beliebt, dass kleinere Felder regelrecht abgeerntet werden. Der Jagdpächter hat nun dafür gerade zu stehen, dass die Wiesen wieder aufgearbeitet werden bzw. der Landwirt seinen Ertragsausfall bezahlt bekommt. Hierbei sprechen wir von Beträgen, die je nach Größe des Jagdreviers und Schadensintensität bei mehreren tausend, wenn nicht sogar mehreren zehntausend Euro liegen können, zumal in der Regel noch Kosten für sogenannte Wildschadensverhütungsmaßnahmen hinzukommen! Unter letzteren versteht man zum Beispiel das präventive Einzäunen von schadensgeneigten Feldern. Der Jagdpächter ist also der erste Leidtragende überhöhter Wildschweinbestände und nicht der erste Profiteur. Wie ist es auch sonst zu erklären, dass sich immer weniger Jäger finden, die bereit sind, Jagdreviere mit hohen Abschusszahlen bei Wildschweinen zu pachten? Würde die Sichtweise der Jagdgegner hier zutreffen, müsste es sich eigentlich geradewegs umgekehrt verhalten.

Ausserdem ist an dieser Stelle festzuhalten, dass das Füttern überhaupt und das Füttern von Schwarzwild im besonderen weitestgehend verboten ist. In Rheinland-Pfalz beispielsweise darf keine Wildart zu keiner Jahreszeit gefüttert werden. Weitestgehend erlaubt sind hingegen Kirrungen für Schwarzwild, die mit einer Fütterung nicht verwechselt werden dürfen. Während es bei einer Fütterung darum geht, dem Wild tatsächlich eine Nahrungsquelle zu bieten, soll eine Kirrung die Wildschweine nur anlocken und gerade so lange beschäftigen, wie der Jäger zum ansprechen und sicheren schießen benötigt. Daher sind auch in vielen Bundesländern die Mengen an Kirrgut, die verwendet werden dürfen, gesetzlich limitiert. Fakt ist, dass auch  mit kleinen Kirrmengen ein Zusatz an Nahrung für Wildschweine in den Wald gebracht wird. Allerdings reicht dieses hochgerechnet nicht aus, um zu einer effektiven Bestandserhöhung beizutragen, zumal durch den Abschuss an der Kirrung selbst der Bestand dezimiert wird. Letztlich ist des durch die Klimaerwärmung in den letzten Jahren vermehrt zu Vollmasten gekommen. Bei diesen liegen pro Hektar Wald Tonnen an Eicheln und Bucheckern auf dem Waldboden, neben denen einige Kilo Mais überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Dieses Kirrgut bedeutet bestenfalls eine Nahrungsalternative, nicht aber ein Nahrungszusatz.

Unzutreffend ist auch die Behauptung, ein Pächter wolle bei großen Treibjagden mit 100 eingeladenen Schützen nicht als der Dumme dastehen, wenn zu wenig geschossen wird. Solche großen Jagden werden nur durchgeführt, um die Wildschweinbestände zu reduzieren. Die Organisation ist wieder mit immensem Zeit- und Geldaufwand möglich (man muss alleine 100 Plätze im Wald aussuchen, wo die Schützen platziert werden, ohne sich gegenseitig und andere zu gefährden, die dann noch präpariert und eingezeichnet werden müssen etc.). Ausserdem stellen sie für den Jagdpächter immer ein hohes Riskio dar, ist er doch für den sicheren Ablauf einer solchen Jagd verantwortlich. Mammutjagden dieser Sorte führt kaum einer freiwillig durch, sondern aus einer Notwendigkeit heraus. Hier wird Ursache und Wirkung verkannt.

2. Behauptung: Leitbachenabschuss

Nicht ganz Unrecht haben Jagdkritiker, wenn als Problem die Tötung von Leitbachen angesprochen werden. Ich schreibe hier bewusst Tötung, da die Leitbache ja nicht notwendig auf der Jagd erlegt werden muss. In Betracht kommen hier beispielsweise auch Wildunfälle.

Im Detail sind aber Aussagen von Jagdgegnern hierzu ein Quell von Unkenntnis. Pro-iure-animalis behauptet zum Beispiel, "nur die Leitbache wird vom Keiler gedeckt". Richtig ist: An der Reproduktion beteiligen sich alle Alt- und Überläuferbachen sowie im Durchschnitt 53,8% der Frischlingsbachen (MEYNHARD, Schwarzwildreport, 2. Auflage 1980, S. 196). Vielmehr ist es so, dass die Leitbache die Parrungsbereitschaft der übrigen Rottenmitglieder synchronisiert und im Falle einer Nach- oder Zweitrausche die Keiler abhält (HAPP, Hege und Bejagung des Schwarzwildes, 2002, S. 23).

In diesem Kontext bremst eine intakte Rottenstruktur mit Leitbache durchaus den Populationsanstieg.  Gleichwohl ist das Fehlen der Leitbache damit weit weniger gravierend, als von den Jagdgegnern dargestellt.

Und auch hier ist es der Jäger, der vornehmlich ein eigenes Interesse an einer gesunden Rottenstruktur hat. Zum einen kommt es nämlich anderenfalls zu stark vermehrten Wildschäden (HAPP, aaO, S. 26). Zum anderen erschweren unkoordiniertes Rauschen und Frischen die Jagdausübung ungemein, da führende Bachen zu schonen sind und man bei unkoordiniertem Rauschverhalten nur schwer Gewissheit darüber erlangt, ob eine Bache führt oder nicht. Genau daher werden auf sehr sehr vielen Jagden auf Wildschweine den Schützen Gewichtsbeschränkungen zur Auflage gemacht, um den versehentlichen Abschuss von Leitbachen von vorneherein auszuschliessen. Auf Gesellschaftsjagden gilt die eiserne Regel, von klein nach groß zu schießen. Der Abschuss von Leitbachen steht damit gottweiß nicht auf der Tagesordnung. Er ist eine höchst bedauerliche, seltene Ausnahme.

Und warum erhöhen sich die Bestände?

Dieser Umstand lässt sich schwerlich auf eine Ursache alleine zurückführen. Hier dürften in erster Linie drei Faktoren eine wesentliche Rolle spielen.

Zum einen ist der Maisanbau in den letzten Jahren angestiegen. 2005 wurden noch 1.705.700ha Mais angepflanzt, 2008 waren es schon 2.084.700. Das ist ein Anstieg um ca. 20%. Im Jahr 2000 lag die Maisanbaufläche sogar nur bei 1.516.000ha, 1960 bei lediglich 56.000ha (Quelle: Statistiken zum Maisanbau in Deutschland). Maisfelder bieten dabei optimale Bedingungen für Wildschweine. In den großen Schlägen finden sie nicht nur Nahrung soviel sie wollen, sondern zugleich auch die entsprechende Deckung. Sie müssen tagsüber das Feld überhaupt nicht verlassen und lassen sich auch nicht herausdrücken, wenn das Feld eine gewisse Grösse überschreitet. Demzufolge können sie sich dort regelrecht mästen. Das führt zum einen dazu, dass sie sehr gut genährt in den Winter gehen können, was die natürliche Sterblichkeit herabsetzt. Dies führt ausserdem dazu, dass sich die Frischlingsbachen in einer sehr guten körperlichen Verfassung befinden und deshalb in erhöhtem Maße erfolgreich beschlagen werden. Zudem wird natürlich die Jagd auf die Wildschweine im Sommer erheblich erschwert, wenn diese im Mais stecken und ihn nicht verlassen.

Zwei weitere, entscheidende Faktoren sind auf die Klimaerwärmung zurückzuführen.

Das wärmere Klima führt, wie schon erwähnt, zu vermehrten Masten in den Laubwäldern. Durch die auf jeden Hektar Waldboden fallenden Tonnen von Eicheln und Bucheckern gehen die Sauen physiologisch gestärkt in den Winter. Zugleich werden schon Frischlingsbachen in die Lage versetzt, an der Reproduktion teilzunehmen. Die Sauen trotzen also den Wintermonaten besser als früher. Die natürliche Sterblichkeit sinkt, zumal die Winter ansich auch noch wesentlich milder ausfallen, als früher. In Verbindung mit höheren Reproduktionsraten fürht das zu: sich erhöhenden Wildschweinpopulationen.

Ein Vorwurf, den man einzelnen Revierpächtern machen kann besteht darin, dass diese sich zu wenig an revierübergreifenden Drückjagden beteiligen, wenn es zu hohe Bestände erforderlich machen, diese zu reduzieren. Die pauschalen Behauptungen, die Jäger selbst trügen Schuld an den Populationszahlen, sind hingegen schlicht und ergreifend nicht richtig.

Mehr zum Thema:


Der erste Tag des Blogs...

...ist vorbei. Und gleichzeitig haben beinahe hundert Besucher einen ersten Blick auf diese Seite geworfen. Das freut mich!

Viel zu sehen gibt es bislang ja noch nicht, aber ich hoffe, dass die Besuche von heute nicht die letzten gewesen sein werden. Denn die Seiten werden sich noch füllen, das kann ich versprechen! Einige Ideen schwirren mir schon im Kopf herum. I just need some time.

In diesem Sinne: Stattet dem Blog doch in Kürze nochmal einen Besuch ab und lasst mich Eure Meinungen und Verbesserungsvorschläge hören. Nicht umsonst gibt es ja eine Kommentierungsfunktion!

Wer ganz aktuell auf dem laufenden gehalten werden will, kann via Email über neue Beiträge hier im Blog informiert werden. Das Anmeldeformular findet Ihr auf der rechten Seite.

Bis dann.

Hunsrückwilderer


Mittwoch, 21. Januar 2009

Gästebuch

Wegen regelmäßiger Anfragen nach einem Gästebuch: Grüße, Anfeindungen, Kritik und Anmerkungen können hier in Form eines "Kommentars" hinterlassen werden. Das Eingabefeld findet man unter diesem Text.

Gruß, Waidmannsheil und Danke für den Besuch dieser Seite. Wenn sie gefallen hat: Gerne wiederkommen. Und weitersagen!


Hunsrückwilderer

Wildschweine im Live-Stream an einer Kirrung in Estland

Unter dem nachfolgenden Link gibt es Wildschweine im Live-Stream zu sehen - wenn sie gerade eben da sind. Die Live-Cam hängt an einer Wildschweinfütterung in Estland.

Ein Blick lohnt sich stets in den Abend- oder Morgenstunden. Da der Fütterungsplatz beleuchtet ist, kann man auch nachts sein Glück versuchen.

Es gibt jedenfalls faszinierende Bilder dieser imposanten Tiere, vor allem, wenn man es live noch nicht erlebt hat.

Sollten sich die Sauen Mal nicht in Estland herumtreiben, dann kann ich nur dazu einladen, ein bisschen hier im Blog zu stöbern. Zur Überbrückung der Wartezeit habe ich auch ein paar Fotos von Wildschweinen. Und wer auf bewegte Bilder steht: Videos gibt es auch. Und natürlich vieles mehr rund ums Thema Wild, Jagd und Jäger.


Zum Live-Stream: Wildschweine an einer Kirrung in Estland

Viel Spaß!

Glossar: Jägersprache

Tja, ich habe schon beim Verfassen des ersten bisschen Text gemerkt, dass ich wie zu erwarten nicht ohne Begriffe aus der Jägersprache auskomme, die für den Laien teilweise nur schwer verständlich sind. Ich werde daher an dieser Stelle ein Glossar anlegen und die entsprechenden Begriffe hierhin verlinken, so dass der interessierte Leser zumindest die Möglichkeit hat, die verwendeten Begriffe zu verstehen. Hoffentlich trägt das dazu bei, dass die Leselust nicht schon ganz am Anfang schwindet. Die Sammlung wird Stück für Stück je nach Bedarf erweitert.


  • Ansitz: Jagdart, bei der der Jäger an einem bestimmten Platz auf das Wild wartet. Meistens auf einem Hochsitz.
  • Ansprechen: Einordnen des Wildes durch beobachtung nach Art, Geschlecht, Alter und sonstiger Merkmale.
  • Bache: Weibliches, adultes Wildschwein. Wenn sie abhängige Frischlinge hat, bezeichnet man sie als führend. Siehe auch -> Leitbache
  • Beschlagen: Paarungsakt
  • Blasen: laut hörbares Ausatmen beim Wildschwein, welches oftmals als Warnlaut dient
  • Blatt/Blattschuss: Schulterblatt/Schuss auf das Schulterblatt.
  • Brunft: Paarungszeit beim Rotwild
  • Drückjagd: Form der ->Gesellschaftsjagd, bei der das Wild durch möglichst wenig Beunruhigung durch Treiber langsam und vertraut vor die Schützen gebracht wird. Meist auf großem Gebiet durchgeführt. Nicht zu verwechseln mit ->Treibjagd
  • Frischen: Geburtsvorgang beim Wildschwein
  • Frischling: Wildschwein im ersten Lebensjahr. Je nach Geschlecht auch als Frischlingskeiler (m) oder Frischlingsbache (w) bezeichnet.
  • Gebräch: Vorderer Teil des Kopfes beim Wildschwein.
  • Geiß: Bezeichnung des erwachsenen weiblichen Rehs im süddeutschen Raum. Im norddeutschen Raum ist auch der Begriff Ricke geläufig
  • Gesellschaftsjagd: Jagd mit mehreren Schützen und Helfern, v.a. ->Drückjagd und ->Treibjagd
  • Hochwild: Alles ->Schalenwild außer Rehwild und einiger nicht-relevanter Federwildarten (Auerhahn, Steinadler). Bsp: Rotwild (Rothirsch), Wildschweine, Damwild
  • Keiler: Männliches, adultes Wildschwein
  • Kirrung: Stelle, an die das Wild mit minimalsten Futtergaben gelockt wird, nicht zu verwechseln mit einer Fütterung.
  • Leitbache: Weibliches Wildschwein, welches als Führungstier die gesamte ->Rotte anführt.
  • Malen/Malbaum: Kratzen, Reiben und Schrubben des Wildes an Bäumen, Ästen und Stümpfen. Wild malt in der Regel nach dem -> Suhlen und benutzt hierfür regelmäßig die gleichen Bäume, die hierdurch aufgrund ihrer Schlammschicht gut erkennbar sind.
  • Niederwild: Alles Wild, dass nicht zum ->Hochwild gehört, zB Hase, Fuchs, Kaninchen, Tauben, Enten.
  • Pinsel: Geschlechtsteil beim männlichen Wild
  • pirschen: lautloses Fortbewegen des Jägers, damit das Wild nicht auf ihn aufmerksam wird
  • Ranz (-zeit): Paarungszeit beim Fuchs
  • Rausche; Rauschzeit: Paarungszeit beim -> Schwarzwild
  • Ricke: Bezeichnung des erwachsenen, weiblichen Rehs im norddeutschen Raum. In Süddeutschland ist auch der Begriff -> Geiß verbreitet.
  • Rotte: Familienverband beim Schwarzwild, in der Regel bestehend aus ->Bachen und deren Nachwuchs. -> Keiler ziehen in der Regel alleine oder in kleineren Trupps.
  • Schalenwild: Alles Wild mit hufartigen Klauen, also zB. Rehe, Wildschweine, Rot- und Damhirsch etc im Gegensatz zu Hase oder Fuchs (Pfoten).
  • Schwarzwild: Wildschweine
  • Streife: Jagdart, bei der ein oder mehrere Jäger selbst versuchen, Wild hochzumachen um es dann zu erlegen. Der Jäger ist quasi sein eigener Treiber. Meist auf Niederwild ausgeübt.
  • Suhle: Wasser- oder Schlammloch, in dem das Wild badet. Hauptsächlich bei Wildschweinen anzutreffen, aber auch beim Rotwild. Das suhlen dient dem Wild zur Bekämpfung und Prävention vor Hautparasiten. Nach dem Suhlen wird an ->Malbäumen gemalt.
  • Treibjagd: Form der Gesellschaftsjagd, bei der das Wild durch Treiber und Hunde aufgeschreckt und zur Flucht veranlasst wird und so den vor die Schützen kommt. Hauptsächlich auf ->Niederwild und auf kleinerem Areal.
  • Überläufer: Wildschwein zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat. Je nach Geschlecht auch als Überläuferkeiler (m) oder Überläuferbache (w) bezeichnet.
  • verhoffen: schlagartiges Stehenbleiben des Wildes, wenn es ein Geräusch hört
  • Wechsel: Regelmäßig vom Wild benutzte Wege
  • Wildbret: Wildfleisch

Dienstag, 20. Januar 2009

Aufbruch zur Jagd!

Das Web geht 2.0. Hunsrückwilderer zieht mit. Blogs gibt es viele - allerdings nicht zum Thema Jagd. Das sollte sich ändern. Denn die Jagd ist ein spannendes und packendes Handwerk, traditionell wie fortschrittlich, emotional und vielschichtig. Einerseits.
Andererseits fehlt immer mehr Menschen der Zugang zu diesem Thema, dessen Wirkungskreis sich meist zu dunkler Stunde und im tiefen Wald entfaltet. Das schafft Platz für Unkenntnis und Misstrauen - auch unter den Jägern selbst.

In Zeiten des Web 2.0 wird daher auch die Jagd an zahllosen Stellen des Internets kontrovers diskutiert. In vielen Fällen brennt es mir dabei unter den Fingernägeln, sich selbst zu bestimmten Fragen zu äußern. Hieraus entwickelte sich die Idee, der Blogwelt noch einen weiteren hinzuzufügen.

In diesem Sinne will ich mich hier frei nach dem Motto "...just my 2 cents..." mit dem Thema Jagd beschäftigen - mit aktuellen Fragen und Ereignissen auf der einen Seite, aber auch mit Grundsätzlichem und vielleicht gelegentlich mit dem Erzählen eigener Erlebnisse auf der anderen Seite. Und ab und zu wird es vielleicht auch um ganz andere Dinge gehen.
Wenn Du Jäger bist, dann hoffe ich, dass Dich das Eine oder Andere auf dieser Seite anspricht. Wenn Du kein Jäger bist, dann würde es mich freuen, wenn ich Dir das Thema Jagd ein Stück weit näher bringen kann. Für Rückmeldungen bin ich dankbar, für Rückfragen stehe ich bereit, für kritische Auseinandersetzungen bin ich offen, solange es sachlich bleibt.

Wie und warum auch immer Du hier gelandet bist: Herzlich Willkommen und viel Spaß!

In diesem Sinne, Waidmannsheil.

Hunsrückwilderer.