Nicht nur die Sauen freuen sich im Moment über die reichhaltige Mast von Buchen und Eichen, die im Moment die Waldböden säumt. Auch das Rehwild zieht es in die Wälder. Das erschwert die Jagd auf weibliches Rehwild und Kitze doch erheblich. An der Feld-Wald-Kante sitzt man im Moment zumindest bei uns lange vergeblich. Das Wild erscheint wenn überhaupt erst im allerletzten Abendlicht. Und im Wald wird es mittlerweile früh dunkel. Gerade in jagdlich schwierigen Situationen muss man sich auf den Grundsatz besinnen: "Kommt das Wild nicht zu Dir, musst Du zum Wild kommen!". Das verspricht Erfolg - nicht immer, aber grundsätzlich mehr als stumpfes Ansitzen am Winterraps.
Nachdem ich am Samstag auf einer Drückjagd erfolgreich war, hat es dann am Tag darauf auch nochmal im heimischen Revier geklappt. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte ich leider extrem wenig Zeit, um raus zu gehen. Das rächt sich erfahrungsgemäß dreifach: Erstens vermisst man etwas. Zweitens verpasst man gute Chancen (so wie ich am Mais während der letzten Mondphasen). Drittens ist man relativ planlos, was gerade im Revier passiert. Ich hatte nur bei den wenigen vergangenen Ansitzen gemerkt, dass der Rehwildansitz aus oben beschriebenen Gründen heraus im Moment unglaublich schwer fällt. Als es also am Sonntag ins Revier ging, hatte ich schon zuvor etliche Grübelminuten hinter mir. Und ich war immer noch nicht schlauer.
Beim nachmittäglichen Versuch, mit meinem Vater in Gemeinschaftsarbeit einen Hasen auf der Streife zu schießen, ging ich gedanklich nochmal die einzelnen Möglichkeiten für den Abendansitz durch. Wegen des Windes und der Frage des störungsarmen Anpirschens kam eigentlich nur ein kleines Sitzchen infrage, das sich in einem Buchen- und Eichenbestand befindet. Dieses liegt nahe zwei zwei kleiner Dickungen und das Rehwild muss dort wechseln, um später aufs Feld zu gelangen. Der Plan war also gemacht.
Weit vor Anbruch der Dunkelheit kam ich in dem Revierteil "Fuchsleiter/Nummer1" an. Die Ausrüstung war schnell zusammengesucht und ich machte mich auf den doch etwas längeren Fußweg zu meinem Sitz - anfänglich noch spazierend, immer langsamer werdend, schliesslich pirschend. Zumindest das Wetter versprach zu halten und auch der Wind spielte noch mit. Stets spürte ich eine seichte Brise im Gesicht. Das kleine Leiterchen auf das ich wollte, kann man sich eigentlich besser als Drückjagdsitzchen vorstellen. Es steht an einem so gut wie nie benutzten Waldweg oberhalb einer Böschung, zu deren Füßen sich eine regelmäßig von Sauen heimgesuchte Suhle befindet. Auf er anderen Seite des Weges öffnet sich ein weitläufiger Buchen- und Eichenbestand, in dessen Tiefe man bis zu 70 Metern blicken kann. Dem Waldweg weiter folgend gelangt man an einen kurzen Fichtenstreifen, der von den besagten kleinen Dickungen umsäumt wird. Die Schwierigkeit bestand hier darin, alles im Blick zu behalten. Denn Wild konnte von überall anwechseln und die geringen Maße des Sitzchens ließen es nicht zu, unauffällig einen Rundumblick zu nehmen. Ausserdem machte das noch nasse Laub ein Hören von anwechselnden Tieren nahezu unmöglich.
So war es denn auch nur eine kaum wahrnehmbare Bewegung im rechten Augenwinkel, die mich auf einen braunen Fleck in 60-70 Metern Entfernung aufmerksam werden ließ. Ein Blick durch das Fernglas bestätigte es: Eine Geiß zog von oben rechts herunter durch das Holz in Richtung des Weges. Und dahinter konnte ich einen kurzen Moment später das dazugehörige Kitz erkennen - ebenfalls ein weibliches Stück. Nun galt es, kein Federlesen zu machen. Der Abschussplan ist für unser Revier noch ansatzweise nicht erfüllt, das Kitz passte, nun musste ich nur noch eine Lücke finden, es sauber zu schießen. Das ist bekanntermaßen leichter gesagt als getan. Mal sind es nur wenige Äste, die das Blatt verdecken, Mal ein ganzer Baum, Mal ist es die Geiß, Mal scheint sich das Wild wieder spitz von einem weg bewegen zu wollen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis die beiden endlich den Waldweg passieren wollten. Dies gab mir die Möglichkeit zu einem sauberen Schuss. Das Kitz lag am Platz.
Dabei war das eigentlich gar nicht das Highlight dieses Ansitzes. Es gab noch ein weiteres, das sich während dem eben Erzähltem abspielte und welches ich wegen der notwendigen Konzentration auf meine Beute gar nicht richtig erleben konnte. Im Sommer hatte ich von einem nahen Sitz im halbhohen Gras eine komische Katze gesehen. Sie war auffällig stark und hatte einen geringelten Schwanz. Leider war sie nur für einen Wimpernschlag zu sehen. Und doch war ich mir sicher, dass es sich um eine Wildkatze handeln musste. Dies konnte ich nun betätigen. Während ich zielte, bemerkte ich eine weitere Bewegung in der Böschung vor meinem Sitz. Auf eine Entfernung von 20 Metern tigerte dort eine Wildkatze hindurch. Kräftig, massiver Kopf, buschiger, geringelter Schwanz. Unverkennbar. Für einen Moment war ich drauf und dran, die Kamera zu zücken. Aber da ich so ungeschützt saß und erst noch die Kameratasche hätte öffnen müssen, wären am Ende sowohl die Wildkatze, als auch das Rehwild fort gewesen. Außerdem war die Wildkatze nicht auf ein längeres Verweilen eingestellt, sondern nach wenigen Momenten schon wieder aus meinem Blickfeld verschwunden. Aber ich habe mir vorgenommen, mir einen Schnappschuss auf sie zu erlauben. Mit der Kamera, natürlich.
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Nachdem ich am Samstag auf einer Drückjagd erfolgreich war, hat es dann am Tag darauf auch nochmal im heimischen Revier geklappt. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte ich leider extrem wenig Zeit, um raus zu gehen. Das rächt sich erfahrungsgemäß dreifach: Erstens vermisst man etwas. Zweitens verpasst man gute Chancen (so wie ich am Mais während der letzten Mondphasen). Drittens ist man relativ planlos, was gerade im Revier passiert. Ich hatte nur bei den wenigen vergangenen Ansitzen gemerkt, dass der Rehwildansitz aus oben beschriebenen Gründen heraus im Moment unglaublich schwer fällt. Als es also am Sonntag ins Revier ging, hatte ich schon zuvor etliche Grübelminuten hinter mir. Und ich war immer noch nicht schlauer.
Beim nachmittäglichen Versuch, mit meinem Vater in Gemeinschaftsarbeit einen Hasen auf der Streife zu schießen, ging ich gedanklich nochmal die einzelnen Möglichkeiten für den Abendansitz durch. Wegen des Windes und der Frage des störungsarmen Anpirschens kam eigentlich nur ein kleines Sitzchen infrage, das sich in einem Buchen- und Eichenbestand befindet. Dieses liegt nahe zwei zwei kleiner Dickungen und das Rehwild muss dort wechseln, um später aufs Feld zu gelangen. Der Plan war also gemacht.
Weit vor Anbruch der Dunkelheit kam ich in dem Revierteil "Fuchsleiter/Nummer1" an. Die Ausrüstung war schnell zusammengesucht und ich machte mich auf den doch etwas längeren Fußweg zu meinem Sitz - anfänglich noch spazierend, immer langsamer werdend, schliesslich pirschend. Zumindest das Wetter versprach zu halten und auch der Wind spielte noch mit. Stets spürte ich eine seichte Brise im Gesicht. Das kleine Leiterchen auf das ich wollte, kann man sich eigentlich besser als Drückjagdsitzchen vorstellen. Es steht an einem so gut wie nie benutzten Waldweg oberhalb einer Böschung, zu deren Füßen sich eine regelmäßig von Sauen heimgesuchte Suhle befindet. Auf er anderen Seite des Weges öffnet sich ein weitläufiger Buchen- und Eichenbestand, in dessen Tiefe man bis zu 70 Metern blicken kann. Dem Waldweg weiter folgend gelangt man an einen kurzen Fichtenstreifen, der von den besagten kleinen Dickungen umsäumt wird. Die Schwierigkeit bestand hier darin, alles im Blick zu behalten. Denn Wild konnte von überall anwechseln und die geringen Maße des Sitzchens ließen es nicht zu, unauffällig einen Rundumblick zu nehmen. Ausserdem machte das noch nasse Laub ein Hören von anwechselnden Tieren nahezu unmöglich.
So war es denn auch nur eine kaum wahrnehmbare Bewegung im rechten Augenwinkel, die mich auf einen braunen Fleck in 60-70 Metern Entfernung aufmerksam werden ließ. Ein Blick durch das Fernglas bestätigte es: Eine Geiß zog von oben rechts herunter durch das Holz in Richtung des Weges. Und dahinter konnte ich einen kurzen Moment später das dazugehörige Kitz erkennen - ebenfalls ein weibliches Stück. Nun galt es, kein Federlesen zu machen. Der Abschussplan ist für unser Revier noch ansatzweise nicht erfüllt, das Kitz passte, nun musste ich nur noch eine Lücke finden, es sauber zu schießen. Das ist bekanntermaßen leichter gesagt als getan. Mal sind es nur wenige Äste, die das Blatt verdecken, Mal ein ganzer Baum, Mal ist es die Geiß, Mal scheint sich das Wild wieder spitz von einem weg bewegen zu wollen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis die beiden endlich den Waldweg passieren wollten. Dies gab mir die Möglichkeit zu einem sauberen Schuss. Das Kitz lag am Platz.
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| Von Jagd |
Dabei war das eigentlich gar nicht das Highlight dieses Ansitzes. Es gab noch ein weiteres, das sich während dem eben Erzähltem abspielte und welches ich wegen der notwendigen Konzentration auf meine Beute gar nicht richtig erleben konnte. Im Sommer hatte ich von einem nahen Sitz im halbhohen Gras eine komische Katze gesehen. Sie war auffällig stark und hatte einen geringelten Schwanz. Leider war sie nur für einen Wimpernschlag zu sehen. Und doch war ich mir sicher, dass es sich um eine Wildkatze handeln musste. Dies konnte ich nun betätigen. Während ich zielte, bemerkte ich eine weitere Bewegung in der Böschung vor meinem Sitz. Auf eine Entfernung von 20 Metern tigerte dort eine Wildkatze hindurch. Kräftig, massiver Kopf, buschiger, geringelter Schwanz. Unverkennbar. Für einen Moment war ich drauf und dran, die Kamera zu zücken. Aber da ich so ungeschützt saß und erst noch die Kameratasche hätte öffnen müssen, wären am Ende sowohl die Wildkatze, als auch das Rehwild fort gewesen. Außerdem war die Wildkatze nicht auf ein längeres Verweilen eingestellt, sondern nach wenigen Momenten schon wieder aus meinem Blickfeld verschwunden. Aber ich habe mir vorgenommen, mir einen Schnappschuss auf sie zu erlauben. Mit der Kamera, natürlich.
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